Kann Künstliche Intelligenz beim Abschied eines Menschen helfen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Grazer Unternehmen Lebensstimmen GmbH. Das Start-up hat ein digitales Vorsorgeangebot vorgestellt, mit dem Menschen ihre persönliche Grußbotschaft oder Trauerrede bereits zu Lebzeiten selbst gestalten können. Die Inhalte sollen mithilfe von KI als Audio oder Video erstellt werden und später im Todesfall verwendet werden können.
Nach Angaben des Unternehmens versteht sich das Angebot nicht als Ersatz für klassische Trauerfeiern oder persönliche Abschiede, sondern als zusätzliche Möglichkeit der Vorsorge. Im Mittelpunkt des Konzepts steht die Idee, dass Menschen selbst entscheiden, welche Botschaft sie ihren Angehörigen hinterlassen möchten. Nutzer sollen ihre Abschiedsrede oder eine persönliche Grußbotschaft nach eigenen Vorstellungen vorbereiten können.
Die Inhalte werden laut Lebensstimmen mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt und als Audio oder KI-Video aufbereitet. Das Unternehmen betont, dass diese Inhalte bewusst als digitale Inszenierungen erkennbar bleiben sollen. Nach eigenen Angaben grenzt sich Lebensstimmen ausdrücklich von täuschenden Deepfake-Technologien ab. Sämtliche Inhalte würden klar als KI-gestützt gekennzeichnet und nur mit Zustimmung der jeweiligen Person erstellt.
Neben der Vorsorge zu Lebzeiten plant das Unternehmen auch Angebote für Hinterbliebene. Angehörige sollen die Möglichkeit erhalten, gemeinsam mit dem Unternehmen KI-gestützte Trauerreden zu erstellen. Die Inhalte sollen laut Lebensstimmen in mehr als 60 Sprachen erstellt werden können. Das Unternehmen verweist dabei auf eine DSGVO-konforme Umsetzung und eine rechtliche Begleitung durch externe Experten.
Hier bekommst du Hilfe
In einer akuten Krisen- oder Schocksituation nach einem Todesfall gibt es in Österreich sofortige Unterstützung bei professionellen Hotlines. Diese sind anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar.
Telefonseelsorge: Wähle österreichweit den Notruf 142. Du erreichst hier Tag und Nacht einfühlsame Ansprechpartner, die dir in der Krise zuhören und helfen.
Ö3-Kummernummer: Erreichbar von 16 bis 24 Uhr unter 116 123.
Rat auf Draht: Wenn Kinder oder Jugendliche betroffen sind, ist die Nummer 147 jederzeit erreichbar.
Wenn du langfristige Hilfe bei der Trauerbewältigung oder jemanden zum Reden suchst, bieten folgende Stellen in ganz Österreich Unterstützung an: Dachverband Hospiz Österreich, die Plattform Tod und Trauer, die Caritas Trauerbegleitung.
Hinter Lebensstimmen stehen drei Unternehmer aus Graz mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Mitgründer Markus Pinter verfügt über langjährige Erfahrung in der Bestattungsbranche. Er erklärt: "Auch in der Bestattungsbranche macht Digitalisierung und KI Unmögliches möglich: Die Lebensstimmen ergänzen das Dienstleistungsangebot in einer hochemotionalen Form, ohne die Pietät und Menschlichkeit zu verletzen."
CEO Philipp Berkessy beschreibt das Ziel des Projekts so: "Es geht nicht darum, Menschen digital zurückzubringen. Es geht darum, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben sollte, den eigenen Abschied selbstbestimmt zu gestalten – zu Lebzeiten, mit Würde und nach eigenen Vorstellungen. KI macht das erstmals wirklich möglich." Für die technische Umsetzung ist CTO Lukas Stern verantwortlich.
Stern sagt: "Die Architektur hinter Lebensstimmen ist kein Experiment – sie ist produktionsreif, DSGVO-konform und so gebaut, dass sie mit jedem neuen KI-Modell ständig besser wird, ohne das Fundament zu verändern. Wir haben eine Plattform geschaffen, die skaliert, ohne die Würde zu verlieren." Nach Angaben des Unternehmens liegen bereits Absichtserklärungen von Bestattungsunternehmen, Vorsorgeversicherern und Institutionen aus dem In- und Ausland vor.
Lebensstimmen führt nach eigenen Angaben außerdem Gespräche mit potenziellen Investoren und Partnern für den internationalen Ausbau des Geschäftsmodells. Das Unternehmen plant den offiziellen DACH-Start für den 20. Oktober 2026 im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Ein internationaler Rollout des Lizenzmodells ist laut Unternehmensangaben ab dem ersten Quartal 2027 vorgesehen.