Kickl gesteht auf Demo: "Habe mich impfen lassen..."

Am Sonntag gab es eine größere Corona-Demo in Innsbruck, auch FPÖ-Chef Kickl war vor Ort.
Am Sonntag gab es eine größere Corona-Demo in Innsbruck, auch FPÖ-Chef Kickl war vor Ort.DANIEL LIEBL / APA / picturedesk.com
Wer den großen Sinneswandel beim FPÖ-Chef erwartet, der irrt. Vor tausenden Impf-Gegnern rechnet Kickl mit der Regierung ab.

Was gestern Wien war, soll heute Innsbruck werden. Herbert Kickl reiste per Flugzeug zur selbst einberufenen "Großdemo für unsere Freiheit" am Landhausplatz der Tiroler Landeshauptstadt. Ab 13 Uhr ging es los, gute zwei Stunden später folgte die Rede des FPÖ-Chefs. Er sei "aus dem Epizentrum der Blödheit (damit ist wohl das politische Wien gemeint, Anm.) gekommen, um ins Epizentrum der Freiheit zu gelangen."

"Wahrscheinlich hat er sich gedacht, er muss zumindest einmal positiv auffallen", hat er zur Corona-Infektion des Kanzlers zu sagen. Dass die Impfung ihn vor einem schweren Verlauf schützt, leugnet Kickl ganz – die Statistik würde ihn gleichermaßen schützen (dem stehen Studien entgegen, wonach die dreifache Impfung zu bis zu 90 Prozent vor einer Omikron-Hospitalisierung schützt).

Trotzdem bejubeln rund 7.000 Menschen diese Aussagen, im Anschluss soll ein großer Marsch durch die Innenstadt folgen. Die gesetzlich vorgeschrieben Masken sind den Live-Bildern zufolge Mangelware.

"Zwutschgerl des Nichts" und der "Pfizer-Koarl"

Zeit zum Auskurieren soll es, wenn es nach Kickl geht, für den Kanzler schon bald mehr als genug geben. Noch bevor die Impfpflicht wirklich durchgesetzt wird, werde das Volk Neuwahlen erzwingen. Wie genau das aussehen soll, bleibt vorerst unklar. Kritik gilt aber auch den GECKO-Experten, Generalmajor Rudolf Striedinger sei kein "Krieger des Lichts, sondern ein Zwutschgerl des Nichts". 

Klares Ziel für das Jahr 2022 sei ein Rücktritt der Regierung. Den "Erfolg" des vergangenen Jahres, dass Sebastian Kurz nun weg ist, schreibt Kickl auf seine Kappe. Schon Anfang Jänner 2021 habe er gesagt "Kurz muss weg". Jetzt ist er weg. "Ich hab eine höhere Trefferquote wie die Gerda Rogers mit meinen Prophezeiungen." Dieses politische Schicksal solle nun dem "Pfizer-Koarl" und seinen Kollegen gelten.

Ein Geständnis

Plötzlich kommt Spannung auf. "Ich muss euch jetzt ein Geheimnis verraten. Ich muss ein Geständnis machen." Er habe lange überlegt, ob er das machen solle. "Ich habe mich über die Feiertage impfen lassen."

Noch bevor die tausenden Impf-Gegner reagieren können wiegelt er ab. "Jo jo, aber keine Sorge (lacht), nicht mit mRNA oder so einem Zeug", das er in einem kurzen Exkurs mit Gammelfleisch vergleicht. "Nein, ich hab eine Impfung der ganz besonderen Art bekommen, in ganz ganz vielen persönlichen Gesprächen und Kontakten mit der Bevölkerung." Diese Leute hätten ihn geimpft. Mit "Optimismus", "Stärke" und "Stehvermögen". So gesehen sei er jetzt "vollimmunisiert".

Vergewaltigung der Freiheit

Die Impfpflicht soll auch deswegen nicht kommen, weil "wir sind der Souverän, wir sind das Volk, wir bestimmen, wohin die Reise geht". Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ist hingegen geimpft, eine knappe Mehrheit würde auch eine Pflicht begrüßen. Inakzeptabel für Kickl, denn der "Impfzwang" sei "gerade zu eine Vergewaltigung des Freiheitsbegriffs".

Bei folgendem sollten ihn die Medien nicht falsch zitieren: "Ich will niemandem verbieten, sich impfen zu lassen". Das solle aber bei einem ordentlichen Arzt passieren, und nicht "bei einer Puff-Mutter, an der Supermarktkasse oder bei einem Dompfarrer".

Zum Abschluss wird noch auf jedes Regierungsmitglied im Einzelnen eingegangen. Mückstein sei eher mit Frankenstein zu vergleichen, bei Kogler merke man die Nebenwirkungen der vielen Booster mit Gspritzen am deutlichsten. "Karo, mit graut vor dir", die Landwirtschaftsministerin habe "nur Stroh im Kopf".

Doppelt-geimpfte Redner

Schon vor der Kundgebung hagelte es wiederum von Seiten der Tiroler NEOS harsche Kritik am heutigen Auflauf. "Aus ganz Österreich werden heute Redner und Demonstrant_innen busweise nach Tirol zur Demo gekarrt. Politprominenz von MFG und FPÖ reist nach Innsbruck, versucht sich in ihren kruden Weltverschwörungstheorien öffentlich zu übertrumpfen und betreibt Demonstrationstourismus, während über zehntausend Menschen in Tirol an Corona erkrankt sind", zeigt sich NEOS Klubobmann Dominik Oberhofer schockiert.

"In keinem anderen Bundesland haben sich MFG und FPÖ so ins Zeug gelegt um ihr Klientel zu beeindrucken. Warum gerade Innsbruck?", fragt sich Oberhofer. Die Antwort folgt auf dem Fuß: "Dahinter kann nur eine Absicht stecken: Billiger Stimmenfang für die Gemeinderatswahlen in sechs Wochen!"

Besonders verwerflich für ihn an der Sache: "Doppelt geimpfte und damit geschützte Redner, wie etwa FP-Klubobmann Markus Abwerzger wettern gegen die Impfung und deren Wirksamkeit. Dass das nicht zusammen geht muss doch jedem klardenkenden Menschen auffallen."

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