Kinder bekommen immer mehr Antidepressiva

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Das Team Stronach hat eine parlamentarische Anfrage an SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger betreffend "Antidepressiva für Kinder" eingebracht. Nach der Beantwortung durch den Ressortchef spricht das TS von erschreckenden Zahlen, das Ministerium sieht dagegen keine Hinweise für deutlich gestiegene Verschreibungen.

Das Team Stronach hat eine parlamentarische Anfrage an SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger betreffend "Antidepressiva für Kinder" eingebracht. Nach der Beantwortung durch den Ressortchef spricht das TS von erschreckenden Zahlen, das Ministerium sieht dagegen keine Hinweise für deutlich gestiegene Verschreibungen.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen (0-19 Jahre), die Antidepressiva erhalten haben, ist von 36.300 im Jahr 2009 auf 40.700 im Jahr 2012 angestiegen. Massiv ist der Anstieg bei der Gruppe der bis Vierjährigen: von 1.600 im Jahr 2009 auf 2.200 im Jahr 2012.

Die
Hilft Homöopathie gegen ?
Auch heimgesucht.


"Der falsche Weg"

Klubobfrau Kathrin Nachbaur dazu: "Die Anzahl an Kindern und Jugendlichen, die Antidepressiva erhalten, ist dramatisch hoch. Mit Medikamenten werden nur die Auswirkungen unterdrückt, aber es gibt niemanden, der sich um die Ursachen kümmert. Pillen für überaktive Kinder sind jedenfalls der falsche Weg. Ein Teil des Problems ist, dass manche Ärzte sofort Pillen verschreiben."

Nicht aussagekräftig

Antidepressiva werden in der Realität natürlich nicht für "überaktive Kinder" verschrieben, sondern dienen ausschließlich der Behandlung schwerer Depressionen. Die Beantwortung der Anfrage durch Gesundheitsminister Stöger umfasst auch Verschreibungsdaten von acht Gebietskrankenkassen (ohne Tirol) sowie von drei "kleinen" bundesweiten Krankenkassen. Laut Gesundheitsministerium kann man aus den Daten keinesfalls eine dramatische Entwicklung bei der Verschreibung von Antidepressiva erkennen. Außerdem seien die Verschreibungsdaten allein nicht aussagekräftig.

Ministerium sieht das Gegenteil

Das Ministerium sieht die Sachlage deutlich anders als das Team Stronach. Bei den bis zu Zehnjährigen sei eher eine Reduktion der Verschreibungen zwischen 2009 und 2012 erkennbar, bei den 14- bis 18-Jährigen eher eine stabile Situation. Zum Beispiel wies die Salzburger Gebietskrankenkasse bei den unter Zehnjährigen einen Rückgang der Zahl der Verordnungen von 100 im Jahr 2008 auf 66 im Jahr 2010 aus. Bei den Elf- bis 20-Jährigen waren es mit 2.300 bzw. 2.500 annähernd gleich viele. Auch aus den Daten der bundesweiten Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) lässt sich kein steigender Trend - eher ein fallender - ablesen. So wurden 2009 90 Antidepressiva-Verschreibungen bei bis Vierjährigen registriert, 2013 waren es 30.

Kinder weit weniger betroffen

Kinder leiden insgesamt viel seltener an Depressionen als Erwachsene, oft werden diese Erkrankungen aber nicht erkannt. Die Stichtagsprävalenz (Häufigkeit an einem bestimmten Tag) der Depression beträgt drei bis fünf Prozent in der Bevölkerung, die Lebenszeitprävalenz (zumindest einmal auftretende Depression während des Lebens) liegt bei Frauen bei zehn bis 25 Prozent, bei Männern bei fünf bis zwölf Prozent. Unter Kindern leiden weniger als drei Prozent an Depressionen, unter den Jugendlichen 0,4 bis 6,4 Prozent.

Einig sind sich die österreichischen Psychiater darin, dass Antidepressiva - genauso wie andere Arzneimittel zur Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen - bei Kindern möglichst restriktiv eingesetzt werden sollten. Depressionen im Kindes- und Jugendalter werden vor allem per Psychotherapie behandelt.

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