"Kinder ohne Abstand in den Klassen zusammengepfercht"

Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.heute.at
Schuldirektor Glattauer gibt Noten. Heute: Orange PH boykottiert Lehrer-Fortbildungen. "Unterricht für Quarantäne-Kinder!" Und: Ein Bildungsdirektor?

Orange PH boykottiert Lehrer-Fortbildungen

SCHILF – schulinterne Lehrerinnenfortbildung. Von einer Wiener Schule in einem Niederösterreich-Seminarhotel für kommenden Freitag nach Unterrichtsende bis Samstagnachmittag geplant. Themen vorbereitet, Referentin für 10 Stunden Vortrag plus Seminarraum für 30 Lehrerinnen seit Monaten gebucht. Alles paletti, möchte man meinen. Irrtum.

Denn während die Wiener Bildungsdirektion die Dienstreise für die Lehrerinnen dankenswerterweise genehmigt hat, erfährt nun die Referentin, dass ihr die Pädagogische Hochschule (PH), die ihr Honorar zahlt, kein Präsenz-Seminar erlaubt. Begründung: Die PH sei "orange" – Seminare njet! Nun sind Schulen bekanntlich ampelgelb, die Referentin, eine Volksschul-Direktorin, die mit der PH sonst nichts zu tu hat, ebenso. Was genau ist also orange? Das Abrechnungsformular der PH? Da wollen sich Lehrerinnen in ihrer Freizeit fortbilden und dürfen nicht, weil da jemand Farbenspielchen spielt.
Echt jetzt, Herr Minister?

Note: Nachprüfung, bitte!

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer ist seit 20 Jahren Lehrer in Wien, aktuell Direktor des "SZ-FIDS" in Meidling. Dazu hat er 13 Bücher geschrieben.
Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel finden Sie hier!

Mutter: "Unterricht für Quarantäne-Kinder!"

Elternvertreterin Angelika H. schreibt: "Schön, dass die Parlamentarier Plexiglaswände bekommen und den Abstand von 1,30 m einhalten können, die Kinder aber in den Klassen zusammengepfercht werden – Abstand 0 cm an einem Tisch! Und jetzt mein Sohn, Halsweh, Husten, Schnupfen. Muss zu Hause bleiben, Verdachtsfall! Wenn das schon sein muss, dann öffnet doch bitte wieder die Distance-Learning-Plattformen, damit die Kinder zu Hause betreut werden. Meine Idee wäre ja, dass man diese Kinder in einer fiktiven Klasse zusammenfasst, die primär von Lehrern betreut werden, die auch im Home-Office sind und den Lehrstoff zB über MS-Teams vermitteln."

Bravo! Dem ist nichts hinzuzufügen. O ja: Nach meiner jüngsten Kritik erfahre ich, dass man die Teams-App für Video-Unterricht nach sechs Monaten Zuwarten "bald" auch auf den Wiener Verwaltungs- und Schulcomputern downloaden können wird.

Jetzt nur nix überhudeln. ;-)

Note: Endlich gut?

Ein Bildungsdirektor fürs Gesundheitsamt?

In einem feinen Interview im "Standard" gab der Bildungsminister zu: "Das Zusammenspiel von Schul- und Gesundheitsbehörden ist sicherlich verbesserungswürdig." Das sollte er seinem Bildungsdirektor in Wien sagen. Mit dem Hinweis, dass ein Bildungsdirektor für seine Schulen da zu sein hat und nicht für das Gesundheitsamt; dass Lehrerinnen in heillos überfüllten Schulen andere Vorgaben brauchen als Pflegepersonal auf Stationen mit Zweibettzimmern; und dass man Hilferufe von Kolleginnen nicht via TV bagatellisiert oder, wie nach der Chuzpe mit dem "Unterricht statt Quarantäne"-Mail, in Zeitungsinterviews als "Skandalisierung" abtut.

Indes warten wir also: auf Einzeltische, auf "die Reservelehrer" und auf Ausweichräume für Distance-Learning, damit dieses nicht wieder den Eltern umgehängt werden muss.

Note: Nicht genügend
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