Kirchenfassade wird mit Lego-Steinen gestopft

Um Spenden für die dringend notwendige Renovierung zu sammeln, holt sich eine Wiener Pfarre Unterstützung beim deutschen "Lego-Künstler" Jan Vormann.
Der Zahn der Zeit und die Witterung haben der Fassade der neoromanischen Canisiuskirche in Wien-Alsergrund stark zugesetzt. Die feinen Risse in der Kirchenhaut wurden durch Wassereintritt immer größer, bis sie schließlich den Putz aufsprengten. Auch viele Verzierungen und Figuren, darunter ein rund 700 Kilogramm Steindrache – der "Chef der Wasserspeier" sowie der Patron der Kirche, Petrus Canisius mussten aus Sicherheitsgründen heruntergenommen werden.

Namhafter Künstler "mauert" Löcher mit Plastiksteinen zu

Um für die Renovierung Geld zu sammeln, gibt es am Samstag eine besondere Aktion. Im Zuge eines Straßenfestes in der Lustkandlgasse (Alsergrund) stattfindet, wird der bekannte Berliner Künstler Jan Vormann die Löcher der Kirchenfassade mit von der Pfarre gesammelten bunten Lego-Steinen ausfüllen. Seit Jahren ist der Berliner weltweit unterwegs, um Schad-und Bruchstellen in und an Gebäuden mit Lego-Steinen zu befüllen. Unter anderem hat er so auch die Chinesische Mauer verschönert.

"Die Idee, Jan Vormann um Hilfe zu bitten, hatte unsere Pastoralassistentin. Sie hat die Werke von Jan Vormann gekannt und gedacht, das wäre auch was für unsere Kirche", erzählt Pfarrer Johannes Gönner gegenüber "Heute".

CommentCreated with Sketch.6 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Lego-Steine könnten permanente Lösung werden

Dass Vormann nun wirklich kommt, um die Kirche zu "flicken" ist für den Pfarrer natürlich eine besondere Freude. "Er verlangt auch kein Honorar, wir stellen nur Kost und Logis. Dann haben wir, soweit wir wissen, das erste und einzige Vormann-Kunstwerk in Wien". Auch nach der Renovierung sollen die eingebauten Legosteine übrigens bleiben. "Laut dem Bundesdenkmal ist kein Problem", so Gönner.

Damit ist der studierte Kunsthistoriker Jan Vormann genau der Richtige, um Aufmerksamkeit auf die sanierungsbedürftige Kirche zu ziehen. Beim Straßenfest können die Besucher dem Künstler bei der Arbeit live über die Schulter schauen. Rund um die Kunstaktion wird ein buntes Rahmenprogramm für die ganze Familie geboten.

Stück für Stück eine Kirche kaufen

Wer bei der Rettung der Kirche helfen will, kann das über den Kauf von Legosteinen tun: "Mir sind gerade dabei eine rund dreiviertel Meter große Kirche aus Legosteinen zu bauen. Am Samstag sind wir die einzelnen Steine dann gegen eine Spende zu haben", so Pfarrer Gönner.

Eigens erstellte Schautafeln in die Geschichte der Kirche eintauchen. So erfahren die Besucher beispielsweise, dass die Canisiuskirche nach dem Zweiten Weltkrieg für kurze Zeit die Ersatzkirche für den schwer beschädigten Stephansdom war oder dass der Kaiser die Kirche "sehr schön" fand.

Straßenfest startet um 12 Uhr

Musikalisch wird das Fest (zwischen 12 und 18 Uhr) durch den Organisten der Pfarre Canisius, Mario Andric begleitet, auch das in der Pfarre beheimatete Vokalensemble "amusix" hat sein Kommen zugesagt. Auf die kleinen Besucher warten unter anderem eine Hüpfburg und eine Riesenmalstation, die Großen können sich beim Turmlauf (200 Stufen!) messen. Auch für Speisen und Getränke ist gesorgt.

Sanierung kostet rund 2 Mio. Euro

Für die dringend benötigte Sanierung der Kirchenfassade sowie der Türme rechnet der Pfarrer mir rund zwei Millionen Euro. "Als Pfarre müssen wir rund 900.000 Euro aufbringen, den Rest zahlen die Erzdiözese Wien und die Stadt Wien", so Gönner. Wenn alles gut geht, könnte die Renovierung der Canisiuskirche in etwa fünf Jahren abgeschlossen sein.

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