Welt

Klima-Kleber stürmen Konzert – Dirigent überrascht alle

Zwei Klima-Aktivisten stürmten während einer klassischen Aufführung die Bühne. Dirigent Vladimir Jurowski reagierte überraschend: "Lasst sie reden!"

Kurz nach halb zehn am Freitagabend stürmen zwei Personen die Bühne des Kultur- und Kongresszentrums Luzern. Das Bayerische Staatsorchester und Dirigent Vladimir Jurowski geben sich unbeirrt und spielen den dritten Satz von Bruckners vierter Symphonie zu Ende. Das Publikum reagiert auf die Klimakleber jedoch irritiert und manche mit Buhrufen.

Dirigent stoppt aggressive Buhrufe

Zu ihrem Glück fanden die beiden Aktivisten bei Jurowski ein offenes Ohr. Nach dem Ende des dritten Satzes kam es zu einem kurzen Austausch, woraufhin der Konzertmeister verkündete, dass er den beiden kurz die Bühne überlassen wolle. Im Gegenzug wollten diese ohne weitere Aufregung abziehen.

Im Video eines "20 Minuten"-Leserreporters (siehe oben) ist zu sehen, wie Jurowski das Publikum zu beruhigen versucht. "Und jetzt hören wir alle zu, ohne zu kommentieren. ICH habe es ihnen versprochen und mein Ehrenwort gegeben."

Nach vereinzelten weiteren Buhrufen insistierte der Dirigent gegenüber den Zuschauern: "Hört auf! Lasst sie doch einmal reden und dann spielen wir unsere Symphonie. Sonst gehe ich jetzt von der Bühne! Wenn Sie sie nicht ausreden lassen, dann habe ich mein Wort gebrochen!".

"Ich habe Angst um meine Zukunft"

Aktivistin Selina Lerch erinnerte daraufhin in kurzen, eindringlichen Worten an den Klimanotstand.

"Seit über einem Jahr gebe ich mit Renovate Switzerland Kurse zur Gewaltfreiheit, denn Gewaltfreiheit ist für mich ein Grundwert. Die Repression gegen Aktivistinnen und Aktivisten in der Schweiz und auf der ganzen Welt ist für mich unverständlich", sagte die 28-jährige Psychomotorikerin.

Anthony Zufferey (20, Student) legte nach: "Ich habe Angst um meine Zukunft und die meiner Lieben. Die Monate Juni, Juli und August dieses Sommers sind die heißesten seit 120.000 Jahren gewesen. Es gibt so viele Dinge, die wir tun können, um das Schlimmste zu verhindern, aber es braucht einen Dirigenten, der die Aktionen der Bürgerinnen und Bürger koordiniert."

Nachdem sich die beiden dann von Vladimir Jurowski per Handschlag bedankten, lösten sie ihren Teil der Abmachung ein. Das Konzert konnte daraufhin ungestört zu Ende gespielt werden.

Die Aktionen von Renovate Switzerland

Es handelt sich bereits um die vierte Aktion von Renovate Switzerland in diesem Monat, wobei alle an prestigeträchtigen Orten stattfanden: im Anschluss ans Filmfestival in Locarno, an der Leichtathletik Diamond League in Zürich und am European Masters Golfturnier in Crans-Montana.

Die Unterstützer von Renovate Switzerland sind wie die Letzte Generation vor allem für ihre Straßenblockaden bekannt. Sie wollen die Öffentlichkeit auf die drohenden Gefahren des Klimawandels und der Klimaerwärmung aufmerksam machen.

Neben ihren Aktionen organisieren sie Informationsveranstaltungen und Kurse. Zudem fordert die Kampagne Renovate Switzerland den Bundesrat auf, die Dringlichkeit der Klimakrise anzuerkennen und einen Plan auszuarbeiten, der die Sanierung aller Schweizer Gebäude bis 2030 sicherstellt.

Sie müssen mit Strafanzeigen rechnen

Die Aktion dürfte die Klimaaktivisten rechtliche Konsequenzen haben. Wie die Luzerner Polizei mitteilt, seien mehrere Personen im Zusammenhang mit der Aktion von der Polizei kontrolliert und weggewiesen worden.

Die kontrollierten Personen müssen mit Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch und Nötigung rechnen. Die entsprechenden Ermittlungen der Polizei seien am Laufen.

1/83
Gehe zur Galerie
    <strong>21.06.2024: "Mehr netto": So will Neos-Chefin unser Gehalt ändern</strong>. Beate Meinl-Reisinger ist wütend. Die Neos-Chefin will vernommen haben, dass SPÖ und ÖVP schon an Ministerlisten arbeiten. <a data-li-document-ref="120043667" href="https://www.heute.at/s/mehr-netto-so-will-neos-chefin-unser-gehalt-aendern-120043667">Der große "Heute"-Talk.</a>
    21.06.2024: "Mehr netto": So will Neos-Chefin unser Gehalt ändern. Beate Meinl-Reisinger ist wütend. Die Neos-Chefin will vernommen haben, dass SPÖ und ÖVP schon an Ministerlisten arbeiten. Der große "Heute"-Talk.
    Sabine Hertel