Knallhart-Urteil: Richter nimmt Raser den Ferrari weg

Einmal zu viel das Gaspedal durchgedrückt, jetzt ist der deutsche Unternehmer seinen Ferrari F430 Scuderia (Symbolbild) los
Einmal zu viel das Gaspedal durchgedrückt, jetzt ist der deutsche Unternehmer seinen Ferrari F430 Scuderia (Symbolbild) losWikimedia / Xavigivax, CC BY-SA 3.0
Dieser Schlag trifft härter als jede andere Strafe: Ein deutsches Gericht kassierte nun den 150.000 Euro teuren Flitzer eines notorischen Rasers ein. 

Solch einen Fall hatte selbst der langgediente Richter Koray Freudenberg (45) vom Amtsgericht Hannover noch nicht. Am Mittwoch fällte er zum ersten Mal ein Urteil, das den Beschuldigten sein Auto kostet – und es ist ein wirklich exklusiver Bolide obendrein.

Bei dem Streitobjekt handelt es sich laut "Bild"-Zeitung um einen Ferrari F430 Scuderia, Baujahr 2008. Das schnittige Sondermodell versteckt 510 PS unter seiner roten Haube und ist auf dem Gebrauchtwagenmarkt immer noch satte 150.000 Euro wert. Der Besitzer, Bauunternehmer Stefan K. (45), soll laut Anklageschrift ein notorischer Raser sein.

"War sehr dumm von mir"

Der Firmen-Chef ist wegen seines Bleifußes einschlägig amtsbekannt, hat bereits neun Einträge im Behördenregister. Im vergangenen Mai wurde er dann von einer Zivilstreife gestoppt, nachdem er auf einer Autobahn erst andere Verkehrsteilnehmer bedrängt und später im Ortsgebiet mit Tempo 83 statt der erlaubten 50 unterwegs war. Pech für ihn: davon gibt es auch einen Videobeweis. Diese letzte Spritztour absolvierte er offenbar schon ohne Führerschein, da er diesen nach einer Alko-Tour 2019 habe abgeben müssen.

Ein Ferrari F430 Scuderia bei einer Autoshow in Guangzhou, China, im Jahr 2008.
Ein Ferrari F430 Scuderia bei einer Autoshow in Guangzhou, China, im Jahr 2008.WU HONG / EPA / picturedesk.com

"Das war sehr dumm von mir", so der 45-Jährige vor Gericht kleinlaut. Er habe den Sportwagen nur verkaufen und sich deshalb mit einem Interessenten treffen wollen. Sein Unternehmen sei durch die Corona-Krise schwer angeschlagen, alle Reserven seien aufgebraucht. Sein Netto-Einkommen belaufe sich momentan auf "nur " 2.800 Euro pro Monat. 

Luxusgegenstand

Den unfreiwillig asketischen Lebensstil kaufte der Richter dem Angeklagten aber nicht ab: "Bei der Beschlagnahme haben Sie den Polizisten gesagt, dass Ihre Firma trotz Corona gut laufen würde und Sie sich so ein Fahrzeug leisten könnten. Sie sind erfolgreicher Unternehmer mit Stadtvilla und Swimmingpool, besitzen außerdem einen Audi SQ5, ein Ducati-Motorrad und einen Wohnwagen. Der Ferrari ist Ihr Spielzeug, ein reiner Luxusgegenstand", wird Freudenberg in dem Bericht weiter zitiert.

Die Schlussfolgerung des Juristen: Die Beschlagnahme des Ferrari sei verhältnismäßig und gefährde nicht die (finanzielle) Existenz des Beschuldigten. Zusätzlich wurde der 45-Jährige – nicht rechtskräftig – zu drei Monaten bedingter Haft und einem Jahr Fahrsperre verurteilt.

Das passiert mit dem Ferrari

Geht das durch, wird die Staatsanwaltschaft Hannover den italienischen Edelflitzer einziehen. Was dann damit passiert? Behördensprecher Thomas Klinge erklärt gegenüber "Bild": "Das Fahrzeug kann bei der Polizei eingesetzt, von einem Gerichtsvollzieher veräußert oder auf einer Internet-Plattform von Zoll oder Justiz meistbietend versteigert werden."

Härtere Strafen auch in Österreich

Solch drastische Maßnahmen waren in Österreich bisher nicht möglich, sollen es aber noch in diesem Jahr werden. Die Bundesregierung hat am Mittwoch im Ministerrat ein Maßnahmenpaket gegen extreme Raserei verabschiedet. Dabei wird das monetäre Strafmaß empfindlich erhöht, die Mindestentzugsdauer des Führerscheins angehoben und in besonders schlimmen Fällen soll auch das Auto beschlagnahmt werden können – "Heute" berichtete.

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