Die Künstlerin und Aktivistin nahm die Auszeichnung, die ihr bereits 2022 zuerkannt worden war, am Samstag bei einem Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses entgegen. In ihrer Rede würdigte Kolesnikowa die Unterstützung aus Deutschland und ganz Europa.
"Ich danke Deutschland – der Regierung und dem deutschen Volk – für die Möglichkeit, hier in Sicherheit zu leben und zu arbeiten", sagte die Belarussin. "Für jemanden, der gerade aus dem Gefängnis kommt, bedeutet das mehr, als Worte ausdrücken können."
Kolesnikowa war im Dezember 2025 gemeinsam mit zahlreichen weiteren politischen Gefangenen in Belarus nach Vermittlungsbemühungen der USA freigelassen worden und von Deutschland aufgenommen worden. Sie soll politisches Asyl erhalten.
"Dieser Preis steht für eine Idee: für europäische Einheit, Solidarität und Freiheit", sagte Kolesnikowa. Der Preis gehöre "allen, die geglaubt, gekämpft und nicht aufgegeben haben". Sie rief dazu auf, sich der politischen Repression entgegenzustellen.
Kolesnikowas Schwester Tatsiana Khomich hatte die Auszeichnung 2022 stellvertretend für ihre inhaftierte Schwester entgegengenommen und übergab sie nun in Aachen feierlich an die Karlspreisträgerin.
CDU-Politiker Armin Laschet, der neue Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, überreichte eine extra zu diesem Anlass entworfene Karlspreis-Plakette an Khomich. "Wir dürfen bei all den Krisen dieser Tage Belarus nicht vergessen", mahnte Laschet.
Kolesnikowa gehörte 2020 zu den Führungsfiguren einer Massenprotestbewegung gegen den langjährigen belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko. Sie wurde zu elf Jahren Straflager verurteilt. Mit dem Karlspreis werden seit 1950 Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um Europa verdient gemacht haben.