KONA im Test: Bis das Blut in den Adern gefriert

In KONA (PS4, XB1 und PC) vom Entwicklerstudio Parabole wartet knifflige Ermittlungsarbeit.
Während ein heftiger Schneesturm über den Atâmipêk-See hinwegfegt, finden wir uns im eisigen Kanada des Jahres 1970 wieder. In KONA von Parabole wartet knifflige Ermittlungsarbeit in der Haut eines Privatdetektivs auf uns. Warum das Survival-Adventure nicht nur aufgrund des eisigen Settings unser Blut in den Adern gefrieren lässt, zeigen wir in unserem Test.

KONA versetzt uns für etwa sieben Spielstunden lang in die Haut von Carl Faubert, einem Privatdetektiv, der mit Mord, unerklärlichen Phänomenen und zahlreichen Intrigen in Nordkanada willkommen geheißen wird. Obwohl KONA klar Horror-Elemente bietet, liegt der Schwerpunkt am Survival-Sektor. Was nicht bedeutet, dass man sich nicht gruselt. Statt Schockmomenten vermittelt KONA nämlich eine düstere Grundstimmung, bei der man das ständige Gefühl hat, dass gleich etwas passieren könnte.

Nicht besser macht es, dass der Sprecher ruhig, fast gelassen, nach und nach die Geschichte offenbart. KONA beunruhigt, die Musik lässt schaudern - eine tolle Umsetzung der Atmosphäre, die sich von Anfang bis Ende spannend gestaltet. Gespielt wird in der Ego-Perspektive, in der man sich entweder per Fahrzeug oder zu Fuß durch Schneegestöber und Hütten kämpft und sucht. Die Sturm-Effekte sind beeindruckend, fast spürt man die eisigen Winde durch den Monitor.

Die Natur ist tödlich

Die unwirtliche Umgebung ist in KONA nicht nur Nebenschauplatz, sondern kann unserer Spielfigur schaden und sie sogar töten. Fängt unser Detektiv zu Zittern an, ist es an der Zeit, ein wärmeres Plätzchen aufzusuchen. Fängt Carl zu straucheln an und zeigen sich Seh-Ausfälle, ist höchste Eile geboten. Um sich aufzuwärmen, stehen oftmals Lagerfeuer zur Verfügung. Nach bester Adventure-Manier muss man aber Holz, Streichhölzer und Anzünder kombinieren, um es wohlig warm zu haben.

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Nimmt unser Charakter von der Kälte Schaden, kann man sich mit Schmerzmitteln behelfen. Nett gemacht: Nicht nur Carls Körper, auch seine Seele leidet unter unheilvollen Vorkommnissen. Was der Privatdetektiv gegen den Stress macht? Erst einmal eine Zigarette rauchen, schon geht es etwas besser. Durch die Survival-Mechaniken bietet KONA eine willkommene Abwechslung zu ansonsten oft in sicheren Umgebungen spielenden Adventures. Eifrige Item-Sammler werden aber wenig Probleme haben, denn nach einiger Zeit ist man durch die vielfach gefundene Ausrüstung perfekt auf die Situationen vorbereitet.

Der Grusel liegt im Detail

Schon nach wenigen Spielminuten zeigt sich, dass KONA geschickt auf Gruseltaktiken setzt, die nicht billig inszeniert sind. Mit der frei drehbaren Kamera entdeckt man etwa Wölfe und geht von einem Angriff aus - nur um zu entdecken, dass die Tiere fliehen. Treibt man ein Tier aber unabsichtlich in die Enge, wird man blitzschnell zur Beute. Für Schrecken sorgt zudem die Erzählerstimme, die sich nicht ankündigt und plötzlich einsetzt, wenn man es so gar nicht erwartet. 

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Bewegungen durch die Steuertasten oder den Stick sowie die Inventarfunktionen - einfaches Kombinieren von Gegenständen - bieten gewohnte Adventure-Kost. Frisch ist dagegen der Open-World-Ansatz. Dem Spieler steht bereits zu Beginn die gesamte Spielwelt offen und er kann sich frei darin bewegen. Wird man tatsächlich angegriffen, bietet KONA eine überraschend große Auswahl an Waffen. Sicherer fühlt man sich durch diese aber auch nicht wirklich.

In der Einfachheit liegt die Genialität

Gut gefällt, dass KONA ohne viel Ablenkungen auskommt und dem Spieler nicht gezwungen viele Inhalte krampfhaft hinwerfen will. Der Spieler sammelt, was er für nützlich hält, die Karte der Spielwelt zeigt nur entdeckte Orte und keine überbordenden Nebenschauplätze an und das Item-System zeigt sich simpel statt überfordernd. Objekte, mit denen interagiert werden kann, verfügen über einen weißen Marker, für Kombinationen fehlende Gegenstände werden mit einem grauen Schleier überblendet. Übersinnliche Momente gibt es ebenso - etwa, wenn Carl mysteriös erfrorene Körper berührt und sich ihm neue Spuren in Form von Flashbacks offenbaren.



Auch die Rätsel wirken realistischer und logischer, als es in vielen Adventures sonst der Fall ist - meist wird man sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, welchen Gegenstand man gerade braucht, sondern darüber, wo man diesen finden kann. Ebenfalls nett gemacht: Zwar ist das Gebiet in Nordkanada spärlich besiedelt, die wenigen Figuren darin wurden aber detailliert umgesetzt und haben alle ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen, die man sich gerne anhört. Zudem ist KONA auch ein Stück Dokumentation: Von Skulpturen der Cree-Indianer bis zu Geschichten über die Bombenanschläge im Separatismus-Kampf Québecs hat man Wert auf historische Details gelegt, untermalt von Klängen der Québecer Folkband CuréLabel.

Fazit: Ein unverwechselbares Spielerlebnis

Grafisch mag KONA nicht unbedingt das großartigste sein, was die Adventure-Welt zu bieten hat und für eine Unterbrechung des Spielflusses sorgen Ladezeiten mitten im Geschehen. Auch, dass sich dem Spieler an den Grenzen der offenen Spielwelt unsichtbare Wände in den Weg stellen, hat man schon besser gelöst gesehen. Bemängeln kann man zudem die manchmal eingeblendeten Texte mit Carls Gedanken, die eher störend als hilfreich wirken. Hier hätte man konsequent auf die Erzählerstimme setzen können, statt Texte aufploppen zu lassen. 

KONA ist aber trotzdem in mehrerer Hinsicht einzig- und großartig: Es bietet ein unverwechselbares Schnee-Setting, beeindruckt mit historischen Details, vermittelt eine atemberaubende Grusel-Atmosphäre und bietet eine dezente, aber umso mysteriöser gestaltete Geschichte. All das lässt schnell über die Macken hinwegblicken. Übrig bleibt ein Mystery-Abenteuer, das den Spieler in Akte-X- und Millenium-Manier auf eine unheimliche Reise mitnimmt. Dem eisigen Setting zum Trotz: Kalt lassen wird das Survival-Adventure samt unheimlichen Vorkommnissen keinen seiner Spieler.

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