Eine neue Untersuchung könnte es künftig erstmals ermöglichen, zwischen gefährlichen und harmlosen Gefäßaufweitungen (Aneurysmen) im Gehirn zu unterscheiden. Diese Fehlbildungen von Blutgefäßen können platzen und schwerste Gehirnblutungen auslösen. Allein in Deutschland werden dadurch jährlich rund 5.000 Todesfälle registriert, in Österreich dürften es um die 500 sein.
Hirnaneurysmen sind Aussackungen der Wände von Blutgefäßen im Gehirn. Sie verursachen in intaktem Zustand keine Beschwerden. Ärzte entdecken die Gefäßfehlbildungen in der Regel nur, wenn aus anderen Gründen eine Kernspin- und Computertomografie des Kopfes durchgeführt wird. Drei Prozent der Erwachsenen weisen solche Aneurysmen auf. In den meisten Fällen sind sie harmlos.
Die Gefahr einer Blutung kann heute durch eine Operation oder eine Katheter-Behandlung beseitigt werden. Beide Verfahren sind mit einem gewissen, wenngleich niedrigen Komplikationsrisiko verbunden. Die Eingriffe müssen deshalb auf Patienten beschränkt bleiben, bei denen ein Aneurysma wirklich zu platzen droht.
"Leider gab es bisher keine sichere Möglichkeit vorherzusagen, welche Aneurysmen später rupturieren und dann bluten werden und welche nicht“, berichtete ein Neurochirurg.
Kontrastmittel zeigt Blutung
Zuverlässigere Informationen versprechen sich die Experten jetzt von einer neuartigen Kontrastmitteluntersuchung: Den Patienten wird dazu am Tag vor einer Kernspintomografie (Magnetresonanzuntersuchung, NMR) ein eisenhaltiges Kontrastmittel in die Vene gespritzt. Die Ärzte verwenden Ferumoxytol, einen Eisen-Kohlenhydrat-Komplex, der vor zwei Jahren als Medikament zur Behandlung eines schweren Eisenmangels zugelassen wurde.
Für die Patienten ist dieses Kontrastmittel ungefährlich. Nach der Injektion erreicht das Ferumoxytol über den Blutkreislauf das Aneurysma. Eine neue Studie, zeigte jetzt: Ist die Gefäßwand brüchig und beschädigt, kommen dort vermehrt Fresszellen vor, sogenannte Makrophagen. Sie nehmen das Kontrastmittel auf und lagern es ein. Dadurch ist es am nächsten Tag als Anreicherung auf der Kernspinaufnahme sichtbar. Makrophagen wandern bei Verletzungen aus dem Blut ins Gewebe ein, um den Heilungsprozess einzuleiten.
Wie die Studie weiter belegte, weist eine frühe Aufnahme von Ferumoxytol innerhalb von 24 Stunden auf ein stark erhöhtes Risiko hin, dass das Gefäß reißt. Vergehen dagegen drei Tage, bis sich das Kontrastmittel in der Gefäßwand anreichert, ist die Gefahr einer Ruptur gering.
Bei keinem der Aneurysmen, die erst nach drei Tagen eine Kontrastmittel-Anreicherung zeigten, kam es innerhalb von sechs Monaten zu einer Blutung oder Größenzunahme. Bis zur Etablierung dieser Methode in der Routine müssten aber noch groß angelegte Studien erfolgen.