Niederösterreich

"Krasser Fehler" - "Entführte" Diana musste nach USA!

Eine Mutter (44) soll ihr Kind "entführt" haben, die Kleine ist jetzt beim Vater in Amerika, die leidgeprüfte Mutter musste am Mittwoch vor Gericht.
12.04.2023, 17:25
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Der dramatische Fall rund um ein kleines Mädchen aus Niederösterreich hatte im Jänner 2022 für Schlagzeilen gesorgt: Am frühen Morgen im Jänner 2022 waren Gerichtsvollzieher, Beamte, Schlosser, Kinderbetreuer zur Wohnung der Mutter (44) gekommen, brachen die Türe auf und entrissen der Mutter das Kind.

Abflug nach San Francisco

Noch im nassen Pyjama wurde die Kleine in einen großen Mercedes verfrachtet und ab ging es zum Flughafen Wien-Schwechat. Die Mutter versuchte noch mit aller Verzweiflung das Unglück abzuwenden, legte Atteste vor, eine spontane Demonstration am Flughafen wurde organisiert.

Aber dennoch hob der Flieger Richtung Übersee ab. Denn der leibliche Vater war Tage davor nach Österreich gekommen und holte sein Kind in einer Blitzaktion "heim" nach Amerika. Ein langer und hässlicher Obsorgestreit (siehe unten Infobox) hatte somit sein für die Mutter tieftrauriges Ende gefunden. 

Mit Ende November 2022 musste die 44-Jährige sogar wegen Kindesentziehung am Landesgericht Krems auf die Anklagebank. Der Kindesvater war bei der Verhandlung via Video zugeschaltet. Und jetzt, am Mittwoch, wurde der Prozess in Krems fortgesetzt.

Der Anwalt der Mutter, Philipp Winkler, hatte am Mittwoch Verfassungsrechts-Spezialist, Experte und Jurist Dr. Wilfried Ludwig Weh vor Gericht geholt. Der Experte wies daraufhin, dass der Obsorgefall durch alle Instanzen gegangen sei und der OGH die Abholung und Rückführung des Kindes veranlasst hatte.

"Krasse Fehlentscheidung"

"Eine krasse Fehlleistung der Behörde. An oberster Stelle steht immer noch das Kindeswohl und dies wurde überhaupt nicht bedacht", führte Weh aus. Denn die heimischen Gerichte wären nicht in der Lage gewesen, eine Entscheidung zu treffen und somit waren die amerikanischen Gerichte einfach schneller gewesen. "Und dann ging man vor den USA in die Knie." 

So lief das Obsorge-Drama

Alles begann 2016 in Wien und es war Liebe: Die Frau aus NÖ lernte einen Ingenieur kennen. Da dieser in Europa keine Aufstiegschancen mehr sah, ging er mit der Krankenschwester zurück nach Kalifornien. Sie wurde schwanger, Diana kam Ende 2017 zur Welt.

2019 folgte eine hässliche Trennung, sie verließ die Staaten mit Diana, die Doppelstaatsbürgerin ist. Die Mutter reichte in Österreich Scheidung und Antrag auf alleinige Obsorge ein, er selbiges in den USA.

Am 11. November 2019 flatterte in Mautern die Klage nach dem Haager Kindesentführungsübereinkommen ins Haus. Das zuständige, kalifornische Gericht hatte nämlich zugunsten des Vaters entschieden, somit galt Diana als „entführt“ und hätte sofort in die Staaten gebracht werden müssen.

Doch die Mutter erhob Einspruch wegen Kindeswohlgefährdung, das Bezirks- und Landesgericht Krems gab der 43-Jährigen Recht, der OGH kippte alles.

Übrigens: Österreichs Gerichte haben immer noch keine Entscheidung getroffen, das Kind ist jetzt seit Jänner 2022 in San Francisco. Weh überlegt weiters, rechtliche Schritte gegen die Behörden in Form einer Staatshaftungsklage. Die Mutter wurde im Zweifel (nicht rechtskräftig) freigesprochen. 

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