Wiener Spital schafft Kreuz ab, dafür hängen Waldfotos

Eine neue Diskussion über Kreuze und religiöse Symbole in Spitälern ist entfacht. Im Krankenhaus Nord hängen statt Kruzifixen nun "Bilder vom Birkenwald".
An welchen Orten innerhalb eines Krankenhauses Kreuze angebracht werden, obliegt der jeweiligen Führung des Hauses. Im AKH Wien hängen Kreuze in den Patienten-Zimmern. In anderen öffentlichen Spitälern in einigen Zimmern, so wie zum Beispiel im Wilhelminenspital. Das bestätigte Conny Lindner aus der Pressestelle des Wiener Krankenanstaltenverbunds gegenüber "Heute".



So sieht es im Zimmer des Krankenhauses Nord aus.

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Bei den Planungen des Krankenhaus Nord – Klinik Floridsdorf war es der Direktion jedoch ein Anliegen, besondere Rücksicht auf die spirituellen Bedürfnisse der Patienten zu nehmen. Symbole, wie beispielsweise Kreuze in den Patienten-Zimmern, die nur einen Glauben hervorheben, gibt es nicht. Es gibt großzügige Andachts- bzw. Gebetsräume und es sind Seelsorger des katholischen, evangelischen, islamischen und jüdischen Glaubens vor Ort. Bei der Vermittlung von Seelsorger anderer in Österreich anerkannter Religionsgemeinschaften unterstütze das Spital ebenso. "Wenn ein Patient nach einem Seelsorger einer bestimmten Konfession fragt, kommt dieser auch in die Krankenzimmer und bringt, wenn der Patient es möchte, auch ein Kreuz mit", so der Pflegedirektor des Krankenhaus Nord – Klinik Floridsdorf.



Justizministerin Alma Zadic gegen Kreuze in öffentlichen Räumlichkeiten

In einen ihrer ersten medialen großen Interviews als neue Justizministerin äußerte sich Alma Zadic (Grüne) zum Thema Religion und religiöse Symbole. In der Frage im ORF Report (14.01.2020) ging es darum, was sie zu einem Kopftuchverbot und den hängenden Kreuzen in Klassenzimmern meinte.



Sie äußerte sich dazu, dass sie für einen säkularisierten Staat sei. Sie persönlich sei der Meinung, dass "öffentliche Räume natürlich auch ohne religiöse Symbole auskommen". Ihr sei aber bewusst, dass diese Meinung in Österreich nicht mehrheitsfähig sei. "Und das ist okay so."

Kritik von ÖVP und FPÖ

Als "unverständlich" bezeichnet Stadtrat Markus Wölbitsch die Entscheidung des KAV, auf das Anbringen von Kreuzen in den Patientenzimmern des Krankenhaus Nord zu verzichten. "Das Kreuz ist nicht nur als religiöses Symbol zu sehen, sondern ist ein geistes- und kulturgeschichtliches Symbol Europas. Wir sehen es nicht ein, dass sich die Stadt ohne breitere Reflexion einfach dagegen entscheidet", so Wölbitsch, der auf die Wiener Ordensspitäler, das AKH und das Krankenhaus St. Pölten verweist. Hier sind Kreuze ein fixer Bestandteil in den Zimmern, die Erfahrungen sind positiv.

Peter Hacker, Stadtrat für Soziales und Gesundheit (SP), äußerte sich zu diesem Thema bislang noch nicht. Er befinde sich derzeit im Krankenstand. Einen "Skandal erster Güte" ortet hingegen die FPÖ in einer aktuellen Aussendung zu den fehlenden Kreuzen im Krankenhaus. "Ein Krankenhaus ist mit Sicherheit kein Ort, den man freiwillig aufsucht. Hier einen Kniefall vor fremden Kulturen zu zeigen, ist schon ein starkes Stück", so Michael Schnedlitz (FP).



Die Erzdiözese Wien äußert sich in einer Aussendung (siehe Posting) zu den aktuellen Ereignissen. Sie bedauert die Entscheidung des neuesten Krankenhauses aus Wien, denn das Kreuz sei auch ein "Zeichen dafür, dass aus Leid Heil entstehen kann".

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