Kritik an Schulbuch-Aktion: Eltern zahlen drauf

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Schulbücher sollten in Österreich für jedes Schulkind gratis sein. In der Praxis reicht das staatliche Geld aber schon lange nicht mehr aus.
Seit 1972 gibt es in Österreich die Schulbuch-Aktion. Ziel ist, dass jedes Kind - unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern - die notwendigen Lernunterlagen zur Verfügung hat.

Zu wenig Geld

Diese gesetzliche Regelung kann aber schon lange nicht vollständig eingehalten werden, kritisieren Interessensvertreter. Eltern müssten draufzahlen.

CommentCreated with Sketch.43 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Der Grund: Das Geld, das der Staat für Schulbücher zur Verfügung stellt, reicht nicht mehr aus. Der Betrag wurde schon seit 20 Jahren nicht ausreichend angehoben. Der Verbraucherpreisindex ist in diesem Zeitraum um 45 Prozent gestiegen, die Mittel für Schulbücher (Maximalbetrag pro Schüler) nur um 16 Prozent.

Eltern müssen zahlen

"Immer öfter steht deshalb für den Unterricht kein Schulbuch zur Verfügung, immer öfter müssen Eltern Bücher bezahlen", so die Interessensvertreter.

Das läuft so ab: Schulen legen fest, welche Bücher die Kinder für den Unterricht brauchen. Bücher, Arbeitsbücher, Atlanten, Wörterbücher und Weiteres sollten im Idealfall von Schulbuch-Geld des Staates abgedeckt sein. Doch das geht sich schon lange nicht mehr aus.

Heuer etwa macht der Familianlastenausgleichsfonds (FLAF) 109 Mio. Euro für 1,1 Mio. Schüler locker. Pro Volksschulkind maximal 50 Euro, in der AHS-Oberstufe bis zu 170 Euro.

Rechnungshof bestätigt Unterfinanzierung

Weiterer Kritikpunkt: Nachdem der ab 1995 eingeführte Selbstbehalt im Jahr 2011 wieder abgeschafft wurde, wurde das Buchbudget pro Kind auch nicht erhöht. Da ist klar, dass dann Geld fehlt.

"Das heißt, dass die Eltern Kosten übernehmen müssen, die ihnen eigentlich vom Gesetz her nicht überantwortet werden dürfen", so Lehrergewerkschafter Herbert Weiß (FCG) zur "APA". Der oberste Lehrervertreter der Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS), Roland Gangl, wird noch deutlicher: "Das ist eine Umgehung der Schuldgeldfreiheit."

Der Rechungshof pflichtet der Kritik jedenfalls bei: Schon 2009 stellte er fest, dass das vorhandene Schulbuchbudget an drei von vier Schulen nicht für eine Vollversorgung der Schüler ausreicht. "Das ist sogar schlimmer geworden", ergänzt Weiß.

Draufzahlen für viele nicht leistbar

Das Ganze trifft vor allem Kinder aus einkommensschwachen Familien, für die der Schulstart auch ohne zusätzlichen Schulbuchkauf jedes Jahr zur finanziellen Herausforderung wird.

Auch noch Schulbücher finanzieren zu müssen, geht sich für viele nicht aus: "Das ist für manche extrem schwierig, auch wenn es 'nur' 30 Euro sind", erklärt Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike.

Die Forderung der Interessensvertreter an die Politik ist einfach: Dass das Schulbuchbudget an die Inflation angepasst wird. "Es kann nicht sein, dass man hier weiter von Schülern und Eltern verlangt, dass sie das aus ihrer eigenen Tasche bezahlen", so Uzodike.

Das Bundeskanzleramt sagt dazu: Die zuständige Fachsektion werde das Thema bei den nächsten Budgetverhandlungen einbringen.

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