1:2! Rapid musste sich am Sonntag in der 29. Runde der Bundesliga dem Wolfsberger AC daheim nach Führung geschlagen geben. Bitter: Der Siegestreffer der Gäste durch Cheikhou Dieng fiel erst in der 91. Minute. Dem Ausgleich war eine klare Fehlentscheidung vorausgegangen.
Das 1:1 in der 68. Minute fiel wie aus dem Nichts. Der WAC hatte im Angriff kaum etwas zustande gebracht. Umso ärgerlicher für die Hütteldorfer, dass der Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Jäger nie hätte ertönen sollen. Die TV-Zeitlupen zeigten, dass der Kontakt im Zweikampf mit Rapid-Verteidiger Mateo Barac von Christopher Wernitznig ausgegangen war, der Angreifer danach theatralisch zu Boden fiel. Michael Liendl verwertete den Strafstoß.
Wernitznig sagte nach dem Spiel vor dem "Sky"-Mikrofon: "Im Spiel hatte ich schon den Eindruck, dass ich den Körper reinstelle und er mich dann foult. Wenn ich das jetzt so sehen, kann man ihn glaube ich geben. Gefoult habe ich ihn nicht. Entweder er lässt weiterspielen, oder er gibt den Elfer."
Das sah Didi Kühbauer natürlich völlig anders: "Durch eine unglaubliche Entscheidung ist das Spiel gekippt. WAC hat das Heil in der Defensive gesucht, war nicht vorhanden. Bei uns hat man schon gesehen, dass wir versucht haben, das Spiel zu gewinnen."
Mit der "unglaublichen Entscheidung" war der Pfiff in Minute 67 gemeint. Kühbauer kritisiert den Schiedsrichter: "Da müssen wir nicht großartig darüber sprechen. Es ist mittlerweile echt ein Problem. Man hat es heute beim LASK auch gesehen. Das sind Entscheidungen, da geht es um was. Wenn diese Entscheidung nicht passiert wäre zum Elfmeter, würden wir über die drei Punkte sprechen. Es ist aber permanent so und es ist echt schade, weil es geht um sehr viel." Für Rapid geht es konkret um Platz zwei. Mit sechs Punkten Vorsprung auf den LASK scheint dieser drei Spieltage vor dem Ende abgesichert zu sein. Die Wiener verpassten mit dem möglichen Sieg aber die Vorentscheidung.
Apropos LASK. Wie von Kühbauer angesprochen hatten sich auch die Linzer früher am Sonntagnachmittag über gleich zwei Elfmeter-Entscheidungen ärgern müssen. Beide Male wurde gegen Gernot Trauner entschieden, der Kapitän sogar mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Die WSG Tirol entführte dadurch einen Punkt aus Pasching (3:3). LASK-Trainer Dominik Thalhammer sah nach dem Abpfiff wegen Schiedsrichter-Kritik Gelb-Rot.
In Wien nahm Kühbauer den "gefoulten" Wernitznig ins Visier, auch wenn er den Spieler nicht direkt ansprach. Der Rapid-Coach machte aber deutlich, dass er ihn für einen Schwalbenkönig hält: "Speziell, wenn ein Spieler dabei ist, der inzwischen in ganz Europa bekannt ist. In Österreich hat er’s auch geschafft. Der WAC hat meines Wissens 20 Elfmeter gehabt in den letzten drei Jahren. Wenn man diese Spieler nicht kennt in Österreich, dann muss man sich eine andere Frage stellen."
Kühbauer spielte auf den Europa-League-Auftritt gegen Feyenoord im vergangenen Herbst an. Wernitznig holte mit Schwalben gleich zwei Elfmeter für die Kärntner raus, wurde im Anschluss an den 4:1-Auswärtssieg sogar von den Fans der Niederländer bedroht.
Für den 50-jährigen Trainer kann der Videobeweis gar nicht früh genug kommen. Ab kommender Saison gibt es diesen auch in der Bundesliga. Kühbauer: "Normal müssen wir noch zusammenlegen für das Finale. Ich weiß, wie sich heute der Thalhammer fühlt, auch andere Trainer. Immer zu sagen 'es ist menschlich' ist ein bisserl wenig."