Labor sanft auf Komet Tschuri gelandet

Nach der Abkoppelung der Landeeinheit "Philae" von der Sonde "Rosetta" ist auch der nächste wichtige Schritt geglückt. Das Mini-Labor setzte am Nachmittag erfolgreich auf dem Kometen "Tschurjumow-Gerassimenko" auf. Die Raumsonde hatte ihren Weg in die Kometenlaufbahn im August angetreten. Auch Österreichist bei dem Erfolg nicht ganz unbeteiligt.
Nach der Abkoppelung der Landeeinheit "Philae" von der Sonde "Rosetta" ist auch der nächste wichtige Schritt geglückt. Das Mini-Labor setzte am Nachmittag erfolgreich auf dem Kometen "Tschurjumow-Gerassimenko" auf. Die Raumsonde hatte . Auch Österreichist bei dem Erfolg nicht ganz unbeteiligt.



Als die Kapsel aufgesetzt war, brach im Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Darmstadt Jubel aus. Um 17 Uhr wurde der erfolgreiche Verlauf des Manövers bestätigt. ESA-Chef Jean-Jacques Dordin sprach von einem "großen Schritt für die menschliche Zivilisation".

Die Landung wird von der ESA als Meilenstein betrachtet. Zum ersten Mal ist ein von Menschen geschaffenes Gerät sanft auf einem Kometen gelandet. Manche Experten vergleichen das Manöver sogar mit der Mondlandung im Jahr 1969, in dem übrigens auch Komet "Tschuri" entdeckt wurde.

Das kühlschrankgroße Landegerät soll nun den Kometen analysieren, um möglichst viel über seine Entstehungsgeschichte und den Beginn des Sonnenystems vor 4,6 Milliarden Jahren zu erfahren. Möglicherweise ergeben sich auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens.

Jubel auch in Österreich groß

Auch in Wien und Graz gab es Jubel und Applaus, als der Österreicher Stephan Ulamec, Projektleiter für den Lander "Philae", per Liveschaltung von der Landung berichtete. Beteiligte Wissenschafter und Hunderte Interessierte fieberten bei Veranstaltungen in beiden Städten dem entscheidenden Moment entgegen.

Das werden noch unsere Kinder in den Geschichtsbüchern finden", zeigte sich der Leiter der österreichischen Agentur für Luft-und Raumfahrt, Harald Posch. "Fabulös" und "sensationell", lautete der erste Kommentar der Astrobiologin und Präsidentin des Wissenschaftsfonds FWF, Pascale Ehrenfreund, die an zwei Instrumenten von "Rosetta" beteiligt ist.

Wissenschafter Baumjohann: "Bin aufgesprungen"

"Erleichtert" zeigte sich Wolfgang Baumjohann, Direktor des Instituts für Weltraumforschung IWF der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), vor allem auch nach den Problemen mit der Düse der Landeeinheit. Den sonst zurückhaltenden Wissenschafter hielt es zum entscheidenden Zeitpunkt nicht mehr auf dem Sessel, "ich bin aufgesprungen, obwohl das nicht meine Art ist". Und weiter: "Ich bin glücklich, dass das Ding unten ist."

Während in Wien im Festsaal der Akademie der Wissenschaften über 100 Personen den Vorträgen und der Direktübertragung aus Darmstadt folgten, fieberten im bis auf den letzten der 300 Sitzplätze besetzten Atrium des IWF in Graz Wissenschafter und Publikum der Bestätigung der erfolgreichen Landung entgegen. Weil die Nachfrage so groß war, wurde kurzfristig eine weitere Übertragung in ein Kino mit 600 Sitzplätzen organisiert.

Erfolgreiche Abkopplung war Grundstein

Kurz vor 10.05 Uhr MEZ koppelte sich die Landeeinheit "Philae" wie geplant von der Sonde "Rosetta" ab. Bei den Verantwortlichen der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA war die Erleichterung sichtlich spürbar. "Philae" hatte sich allerdings bereits eine knappe halbe Stunde vor der Erfolgsmeldung von der Sonde abgekoppelt - das Signal brauchte allerdings 28 Minuten, um die Strecke von 511 Millionen Kilometer zur Erde zurückzulegen.

Kleines, technisches Problem

Problemlos war der erste Schritt nicht verlaufen: Ein Antriebssystem von "Philae" hatte sich nicht aktivieren lassen. Dabei handelt es sich um eine Düse, die verhindern soll, dass die 100 Kilogramm schwere Landeeinheit von der Kometenoberfläche abprallt. Bei der Landung werden die Beine von "Philae" den Stoß dämpfen, während Schrauben an den Beinen sowie Harpunen den Roboter automatisch am Kometen verankern.

Die Probleme konnten das Team aber nicht aus der Ruhe bringen. "Es gab einige Probleme bei den Vorbereitungen letzte Nacht, doch wir haben uns für eine Landung entschieden", erklärte Paolo Ferri, Chef des ESA-Flugbetriebs in Darmstadt Mittwochfrüh.

Seit vier Monaten in den Weiten des Alls unterwegs

Die Sonde hat mit dem Landegerät "Philae" an Bord am 6. August den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko erreicht. Die Reise dauerte so lang, weil die Sonde auf ihrem Weg mehrfach Schwung holen musste. Außerdem begegnete sie zwei kleinen Asteroiden. Seit ihrem Start hat "Rosetta" inzwischen mehr als 6,4 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Nun folgen die letzt 22,5 Kilometer zu "Tschuri".

Wenn alles wie geplant verläuft, wollen die Wissenschafter weitere Aufschlüsse darüber gewinnen, wie das Sonnensystem vor vermutlich 4,6 Milliarden Jahren entstanden ist.

Österreich als Puzzleteil des Erfolgs

An Bau und Entwicklung von fünf wissenschaftlichen Instrumenten waren österreichischen Einrichtungen und Unternehmen beteiligt. Unter der Federführung des Instituts der Östereichischen Wissenschaften in Graz wurde auch das Instrument MIDAS gebaut.

Dieses soll auf dem Kometen die freigesetzten Staubteilchen messen und ein dreiminsensionales Bild liefern. Der Staub wird anschließend gesammelt und die Bilder und Daten zur Analyse auf die Erde geschickt.

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Seite 2: Alles zum Kometen "Tschuri"

Das ist Komet "Tschuri":

Von der Ferne sieht der 1969, also im Jahr der ersten bemannten Mondlandung, entdeckte Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko wie eine kilometergroße Badeente aus. Der Komet ist nach Klim Tschurjumow, der das Institut für Astrophysik von Alma-Ata im heutigen Kasachstan leitete, benannt. Dort machten die Wissenschafter die Entdeckung. Die Herkunft des Himmelobjekts ist unbekannt - möglicherweise stammt es vom Kuipergürtel am Rande des Sonnenystems.

Der Komet hat einen Durchmesser von wenigen Kilometern und besteht aus zwei von einander nahezu getrennten Teilen. Auf seiner Oberfläche gibt es steile Felsen und Brocken, die Oberfläche besteht vermutlich aus sehr lockerem Material. Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen vermutet, dass die Kosistenz zwischen Zigarettenasche und Sand liegt.

Tschuri ist eine Stinkbombe

Wissenschafter haben außerdem herausgefunden, dass "Tschuri" unter irdischen Bedingungen streng riechen würde - nach faulen Eiern, Pferdestall und beißendem Formaldehyd. Außerdem herrschen auf dem Kometen eiskalte Temperaturen.

"Tschuri" braucht für einen Umlauf der Sonne sechs Jahre und 203 Tage. Dabei nähert er sich unserem Heimatstern bis auf 195 Millionen Kilometer. Zum Vergleich: Erde und Sonne trennen etwa 150 Millionen Kilometer. "Je näher der Komet zur Sonne kommt, desto mehr verdampft von seinem Eis, und umso stärker wird seine Ausgasung", sagte Kathrin Altwegg von der Universität Bern.
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