Lada Vesta SW: Gemütlich wie die russische Seele

Mit dem günstigen Vesta macht Lada einen neuen Anlauf hierzulande, und der dürfte gelingen, wie wir im Test festgestellt haben
Okay, eines vorweg: Wir alle wissen, dass Lada einen gewissen Ruf hat. Doch der beruht in erster Linie darauf, dass man bisher sehr, sehr lange Produktzyklen hatte und daher nicht immer auf dem neuesten Stand war. Der Taiga/Niva wird etwa seit den 70er Jahren nahezu unverändert gebaut, gilt aber heute noch als ein hervorragendes Geländefahrzeug.

Der Vesta wurde nun aber völlig neu entwickelt und verfügt über Technik und Teile wie etwa den Bremsen aus der Renault-Nissan Allianz. Denn die Lada-Mutter AutoWAS ist ebenfalls Teil davon und kann auf das Know-how der beiden größeren Marken zugreifen.

Das Herzstück, also der Motor, stammt aus Russland: Der 1,6 Liter große Benziner leistet 106 PS und 148 Nm Drehmoment, und erfüllt die Euro-6-Abgasnorm. Rennen gewinnt man damit natürlich keine, aber wir sind mit ihm problemlos auf der Autobahn unterwegs gewesen und für Überholmanöver auf der Landstraße hat er genug Power.

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Zum Preis von 17.990 Euro steckt im Vesta SW in der Ausführung Luxus eigentlich alles, was man heutzutage so zum Autofahren braucht: Navi, automatisches Licht und Scheibenwischer, Tempomat, Klimaanlage, Infotainment-System mit Bluetooth und SD-Slot. Besonders erwähnenswert ist aber, dass nicht nur die vorderen Sitze beheizbar sind, sondern auch die Rückbank – etwas, dass es sonst eigentlich nur bei hochpreisigen Spitzenausführungen anderer Autos gibt.

Denn bekanntermaßen sind die Winter in Russland kalt. Daher verspricht Lada auch, dass selbst bei -30 Grad der Motor noch anspringt und die Türschlösser nicht zufrieren. Wir konnten das im August aber nicht überprüfen. Zum Glück. Der Basispreis des Vesta liegt übrigens bei 14.250 Euro, senkt sich derzeit aber dank einer Finanzierungsaktion auf 12.750 Euro.

Ansprechender Innenraum

Das Design des Vesta ist nicht nur außen nett sondern auch der Innenraum ist für ein Fahrzeug im Niederpreissegment überraschend harmonisch gelungen. Auch die Materialien überzeugen, alles ist angenehm anzugreifen und zu bedienen. Nur ein kleiner Tipp am Rande: Wer das Fahrzeug auf die Werkseinstellungen zurücksetzt, sollte kyrillisch können.

Wir sitzen gut, die Mittelarmlehne und der Ganghebel stehen in einem sehr angenehmen Verhältnis. Bei unserer Sitzposition können wir bequem den Arm aufliegen lassen und schalten. Von einer Mitfahrerin haben wir gehört, dass die Rückbank tatsächlich eine Bank ist, also wohl etwas komfortabler sein könnte. Dafür gibt es hinten überraschend viel Beinfreiheit.

Weiches Fahrwerk

Das Platzangebot ist übrigens auch im Kofferraum sehr gut: Bei 480 Litern passen problemlos ein Kinderwagen mit Gepäck hinein. Was ebenfalls gefällt: Es gibt einen doppelten Boden inklusive mehrerer herausnehmbarer Ablagefächer sowie ein vollwertiges Ersatzrad.

Das könnte man ja beim Zustand russischer Straßen leider hin und wieder brauchen. Das Fahrwerk ist ebenfalls auf die dortigen Holperpisten mit teilweise metergroßen Schlaglöchern abgestimmt: Es ist sehr weich. Für Mitteleuropa fast schon zu weich. So muss man auf der Landstraße in manchen Kurven vom Gas gehen, weil sich der Vesta sonst ordentlich reinlegt.

Das hat aber den angenehmen Nebeneffekt, dass man richtig gemütlich unterwegs ist. Und damit meinen wir nicht zwangsläufig langsam. Aber aus irgendeinem Grund fährt sich der Vesta sympathisch stressfrei und entspannt. Wir haben das irgendwie genossen, obwohl wir sonst eher zur schnellen Truppe gehören.

Wer also ein wirklich günstiges Fahrzeug ohne viel Schnick-Schnack aber mit den essentiellen Funktionen sucht, der sollte sich den Lada Vesta zumindest einmal ansehen. Übrigens: Er gewann in der Kategorie Wirtschaftlichkeit/Kompaktklasse den ÖAMTC-Preis "Marcus 2018".
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