Land im Lockdown – aber unsere Politiker feiern im ORF

Partystimmung, während das Land im Lockdown verharrt: Nach einer Spendengala klatschte die Staatsspitze zu "Live is Life" – nun hagelt es Kritik.

Eine Spendengala im ORF-Ballroom wird für die heimische Spitzenpolitik nun zum rutschigen Parkett. Wie berichtet, veranstaltete der öffentlich-rechtliche Rundfunk Mittwochabend eine hochkarätig besetzte Sendung zugunsten der Hilfsorganisation "Licht ins Dunkel". Bundespräsident, Kanzler, Vizekanzler, sechs Minister (Wolfgang Mückstein, Klaudia Tanner, Karl Nehammer, Elisabeth Köstinger, Martin Kocher) sowie SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner griffen zum Hörer des Telefons und notierten Geldbeträge für die gute Sache.

3,2 Millionen Euro, dann Party

Selbst Schirmherr Alexander Van der Bellen war mit First Lady Doris Schmidauer gekommen, um bei der Live-Show die Spendenfreudigkeit der Zuseher anzufeuern. Am Ende gab man am Partyparkett Gas. Zum von Opus dargebrachten "Live is Life" feierten VdB, Schallenberg und Co. tatsächlich das Leben – und den Erfolg von 3,2 Millionen Euro für Österreicher in Not. Die Polit-Granden klatschten dicht an dicht – ohne FFP2-Masken – in die Hände, wippten im Takt. Einige sangen sogar einige Textzeilen mit.

Es herrschte 2Gplus

Genau das sorgt nun für Misstöne auf den sozialen Netzwerken. Dort schlägt die offensichtlich zur Schau gestellte gute Stimmung einigen Usern aufs Gemüt. Während die Österreicher im Lockdown säßen, feiere die Polit-Spitze Party, so der Tenor. Hinter den Regierungskulissen betont man die strengen Sicherheitsvorkehrungen für den ORF-Event. Alle Personen seien geimpft und am selben Tag PCR-getestet worden (2Gplus), entsprechende Zertifikate am Küniglberg mehrfach überprüft worden. Außerdem sei es ein Arbeitstermin gewesen – die Politgranden seien als Mitwirkende an der Sendung zu betrachten. Einerlei: Ein Tiktok-Clip (siehe unten) wurde inzwischen 140.000 Mal in der App angesehen und Tausendfach auf WhatsApp versendet. 

Kocher für Handyclip kritisiert

Mit dabei waren hochkarätige Künstler – etwa Schlagerstar Roland Kaiser, DJ Ötzi oder Giovanni Zarrella. Besonders heftig in die Kritik geriet Arbeitsminister Martin Kocher (VP) auf Twitter, weil er in einer Telefonpause einen Clip am Smartphone anfertigte. Er rechtfertigte sich so: "Ein Großteil der Bundesregierung und der Herr Bundespräsident haben über 3 Stunden lang im Rahmen der ORF-Gala (2G+) mit SpenderInnen für 'Licht ins Dunkel' telefoniert und deren Daten aufgenommen. In einer kurzen Telefonpause hab ich ein Video vom Show-Act gemacht."

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