OÖ sucht Corona-Mitarbeiter um 1.100 € brutto Vollzeit

In OÖ werden Studenten gesucht, die beim Corona-Tracing helfen. Der Verdienst sorgt für breite Kritik.
In OÖ werden Studenten gesucht, die beim Corona-Tracing helfen. Der Verdienst sorgt für breite Kritik.picturedesk.com
Auch OÖ sucht jetzt Personal für das Covid-Kontaktmanagement. 1.100 Euro (brutto) soll's dafür lediglich geben. Der Aufschrei ist groß.

Nach Wien (wir berichteten) sucht auch Oberösterreich nun nach Contact Tracern - Personen die auf schnellem Weg Kontaktpersonen von Corona-Infizierten ausforschen und informieren sollen. 1.100 Euro bzw. 1.500 Euro brutto, wenn auch Wochenend-, Feiertags- und Abenddienste geleistet werden (Beträge auf Basis Vollzeit, Teilzeit aliquot), zahlt das Land OÖ für diesen Job. 

Angesprochen werden in dem Job-Aushang Studierende, "die neben ihrem Studium praktische Erfahrungen sammeln und bei der Bewältigung der Corona-Pandemie im Krisenstab des Landes Oberösterreich mitarbeiten möchten." 

Anforderungen 

Die Mitarbeiter unterstützen beim Contact Tracing, vereinbaren Corona-Tests, bearbeiten diverse Anfragen und bereiten Erledigungen vor. Die Arbeit ist ab 20 Wochenstunden möglich, wobei auch Wochenend-, Feiertags- und Abenddienste anfallen können.

Die Beschäftigung ist auf bis zu 3 Monate befristet. Dienstorte sind der Zentralraum bzw. Bezirkshauptmannschaften in Oberösterreich.

Bewerbung per Mail an karriere@ooe.gv.at; Bewerbungsadresse: Amt der Oö. Landesregierung, Abteilung Personal-Objektivierung, 4021 Linz, Bahnhofplatz 1.

Kritik an der Höhe der Bezahlung übt Gesundheitssprecher Peter Binder (SPÖ). "Für die Tätigkeit will das Land laut Ausschreibung 1.100 Euro brutto bezahlen – Vollzeit. Die Stadt Wien zahlt beispielsweise 1.831 Euro. 'Wieso will Stelzer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Kampf gegen Corona nicht anständig bezahlen?'", so Binder in einer Aussendung Mittwochvormittag.

Er sieht das ausgeschriebene Gehalt "im krassen Widerspruch zum Oö. Gehaltsgesetz", das für einen Vertragsbediensteteten 1.785,50 Euro (brutto, LD25) als Mindestgehalt vorsieht. "Ich erwarte mir umgehend eine neue Ausschreibung mit fairen Gehalt", fordert Binder. 

Weniger Bezahlung als ein Erntehelfer

Auch die NEOS bemängeln den niedrigen Verdienst, ziehen einen Vergleich zur Entlohnung von Erntehelfern. Laut Lohntabelle der Landwirtschaftskammer OÖ verdiene ein Erntehelfer 1.270 Euro brutto - ein Contact Tracer liegt damit weit unter diesen Verdienstmöglichkeiten, so NEOS OÖ Landessprecher Felix Eypeltauer. Er kann die geringe Entlohnung nicht nachvollziehen: "Mit guten Contact-Tracern steht und fällt das alltagstaugliche Leben mit dem Virus - die Entlohnung muss angemessen sein."

Das Ausforschen von infizierten Kontaktpersonen ist eine der zentralen Instrumente, um Corona einzudämmen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. "Warum ist da die Bezahlung so mager", wundert sich auch die Grüne Gesundheitssprecherin Ulrike Schwarz. Das Angebot des Landes OÖ richte sich vor allem an Studierende, auch mit dem Hinweis, dass diese hier praktische Erfahrung sammeln können.

Das sei grundsätzlich auch in Ordnung, allerdings dürfe das nicht zu Lasten der Qualität gehen. Man brauche gut ausgebildete und geschulte Mitarbeiter, es könne nicht um Anfragebeantwortungen und Erledigungen gehen, sondern um substanzielle Arbeit in der Rückverfolgung von Infektionsketten, so Schwarz. 

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