Landeschef: "Die Sperrstunde müsste man ausdehnen"

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP)
Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP)Screenshot/ ORF
Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sprach am Montag in der "Zeit im Bild 2" über die steigenden Corona-Zahlen im Bundesland.

Seit der Öffnung am 15. März kämpft Vorarlberg mit stark steigenden Infektionszahlen. Die 7-Tages-Inzidenz hat sich mittlerweile fast vervierfacht und liegt laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) aktuell (Stand 26. April) bei einem Wert von 239.

In keinem anderen Bundesland ist der Wert der 7-Tages-Inzidenz derzeit höher als im "Ländle". Zum Vergleich: Wien liegt bei 190,0, am niedrigsten ist der Wert im Burgenland (111,1) und in Niederösterreich (120,2). Die Entwicklung im westlichen Bundesland Österreich bereitet den Experten daher große Sorgen.

Vorarlbergs Landeschef Markus Wallner (ÖVP) war am Montag zu Gast in der "Zeit im Bild 2" und sprach mit Moderator Armin Wolf über die steigenden Corona-Zahlen seit der Öffnung sowie über die aktuelle Lage im Bundesland. Und Wallner stellte auf die Frage, ob Vorarlberg überhaupt ein Vorbild für andere Bundesländer sein könne, umgehend klar: "Ich bin vorsichtig, wenn es um einen Vergleich der Länder geht."

Andere Bundesländer haben Vorteil

Denn: "Die anderen Bundesländer haben nämlich einen großen Vorteil und das ist ein großer Unterschied. Vorarlberg ist bei einer niedrige Inzidenz gestartet und wir hatten fast keine britischen Mutationen. Die Bundesländer, die jetzt öffnen wollen, haben die Briten-Mutation schon fast durch. Da gibt es also einen großen Unterschied. Man braucht aber auf jeden Fall ein gutes Testkonzept", so Wallner in der "Zeit im Bild 2".

Zudem würde man auch große Impffortschritte machen und das würde die Frage ändern, "wie stark die Intensivstationen ausgelastet sind." Die Ausgangsposition für die anderen Bundesländer sei daher besser. Doch laut Experten wisse Vorarlberg gar nicht, in welchen Bereichen genau die Zahlen so stark nach oben gegangen sind, da die Öffnung auch nicht wissenschaftlich begleitet wird.

"Da unterliegen Sie einer Fehlinformation"

Von Moderator Armin Wolf darauf angesprochen, entgegnete Wallner: "Ich glaube, da unterliegen Sie einer Fehlinformation. Wir sind täglich im Kontakt mit der AGES. Die Öffnungen haben sehr viel mehr Tests gebracht und diese hatten kaum Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen. Die britische Mutation in Vorarlberg ist aber deutlich gestiegen. Ein geringer Teil der steigenden Zahlen ist auf die Öffnungsschritte zurückzuführen, ein großer Teil auf die Ausbreitung der Briten-Mutation."

Laut Wallner sei man in Tirol aber in "ständiger und guter Begleitung der AGES sowie der MedUni Graz". Die anderen Länder sollen sich aber die Lage in den Regionen "gut ansehen und ihre Schlüsse ziehen." Angesprochen darauf, dass sich die Menschen nach der Gastro-Sperrstunde um 20.00 Uhr noch zu Hause treffen würden, erklärte der Landeschef: "Man müsste die Sperrstunde weiter ausdehnen." Denn: "Die Gastronomie ist ein sehr kontrollierter Raum. Man kommt nur mit einem Test hinein und es gilt eine strenge Maskenpflicht. Der Raum in einem Restaurant ist kontrollierter, als ein privater Raum."

Der Landeshauptmann von Vorarlberg ist sich daher sicher: "Das hat die Inzidenz nach oben gedrückt. Ich plädiere für strenge Zutrittstests." Gäste müssten mit Kontrollen rechnen "und die Tests müssen immer dabei sein. Eine Sperrstunde bis 22.00 Uhr kann dabei helfen, dass es keine Verlagerung ins Private gibt", so Wallner in der "ZiB 2". Vor allem die Entwicklung im Bregenzerwald gefällt dem Landeschef "gar nicht."

"Der starre Blick auf Inzidenz ist zu wenig"

"Dort ist ein großer Cluster entstanden und wir haben sofort Ausreisetests gemacht. Wir haben gesagt, dass wir darauf reagieren müssen. Modell bedeutet nämlich nicht nur zuzuschauen, sondern dann eingreifen, wenn es notwendig ist. Eine Testpflicht im öffentlichen Raum ist jetzt ein Teil einer Methode, die wir ausprobieren. Wenn das funktioniert, kann ich mir das in anderen Regionen auch vorstellen."

Wallner stellt aber klar, dass man nicht nur auf den Wert der 7-Tages-Inzidenz blicken dürfe. "Der Blick auf die Intensivstationen ist das Allerwichtigste. Die Zahl der Infektionen ist zwar gestiegen, die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen aber gesunken." Das könnte auch auf den Impf-Fortschritt im Bundesland zurückzuführen sein. "Der starre Blick auf die Inzidenz ist zu wenig und ich bin froh, dass man den Blick nur von der Inzidenz löst", so der Landeschef.

Man müsse das Ganze betrachten. "Wir haben fast 330.000 Tests in der Woche, das hat niemand. Und wir tun alles, um die Öffnungsschritte zu halten."

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