Lawinenwarndienst will Warnstufen umbennen

Bild: Fotolia.com/Lawinengefahrenskala
Der Tiroler Lawinenwarndienst will nach zahlreichen Katastrophen in diesem Winter die Lawinen-Warnstufen umbennen. Somit soll die konkrete Gefahr besser vermittelt werden. Unterstützung erhalten die Experten von Landeshauptmann Günther Platter.
Der Tiroler Lawinenwarndienst will nach zahlreichen Katastrophen in diesem Winter die umbennen. Somit soll die konkrete Gefahr besser vermittelt werden. Unterstützung erhalten die Experten von Landeshauptmann Günther Platter.

Am Mittwoch herrschte in Niederösterreich aufgrund von Neuschnee, milden Temperaturen und Sonneneinstrahlung die Lawinenwarnstufe 3. Das bedeutet "erhebliche Lawinengefahr". Dieser Begriff ist dem Tiroler Lawinenwarndienst ein Dorn im Auge.

"Die Benennung der Lawinengefahrenstufe '3' mit 'erheblich' ist - wie uns gerade dieser Winter zeigt - zu einem Problem geworden", erklärt Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndiensts Tirol am Dienstag. In dieser Wintersaison ereigneten sich in Tirol bisher neun tödliche Lawinenunfälle, die meisten passierten im freien Skiraum bei Lawinenwarnstufe "3".

Die Stufe "3", bei der tendenziell die meisten Unglücke passieren, soll in Zukunft die Bezeichnung "groß" und nicht wie bisher "erheblich" tragen. Unterstützung erhielt Mair dabei von Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP): "Die neue Regelung würde gerade der Gefahrenstufe '3' mehr 'Warncharakter' geben."d

Stufe 5: Gefahr "extrem" statt "sehr groß"

Auch die anderen Stufen sollen umbenannt werden. Die Stufe 4 soll künftig mit "sehr groß" und die Stufe 5 mit "extrem" betitelt werden. Der Warndienst will international für diese Vorschläge werben, etwa bei der Tagung der österreichischen Lawinenwarndienste im Mai 2015 in Bozen, beim Kongress "Recht und Lawine" Anfang Juni 2015 in Davos sowie bei der "Internationalen Tagung der Lawinenwarndienste" Mitte Juni in Rom einbringen.

Seite 2: Europäische Lawinen-Gefahrenskala

Europäische Lawinen-Gefahrenskala:

1 (gering)

Eine Lawinenauslösung ist nur bei großer Zusatzbelastung an sehr wenigen, extremen Steilhängen möglich. Spontan sind keine Lawinen (sog. Rutsche) zu erwarten. Allgemein sichere Verhältnisse.

2 (mäßig)

Eine Lawinenauslösung ist bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Größere Lawinen sind nicht zu erwarten. Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt, außer an einigen Steilhängen. Vorsichtige Routenwahl bei den angegebenen Steilhängen und Hangexpositionen.

3 (erheblich)

Eine Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Erfahrung in der Lawinenbeurteilung notwendig. Angegebene Steilhänge und Hangexpositionen möglichst meiden.

4 (groß)

Eine Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen möglich. An vielen Steilhängen ist die Schneedecke nur schwach gefestigt. Bei der Routenwahl Beschränkung auf mässig steiles Gelände sowie Beachtung der Lawinenauslaufgebiete. Viel Erfahrung in der Lawinenbeurteilung notwendig.

5 (sehr groß)

Spontan sind zahlreiche große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände, zu erwarten. Bei dieser Warnstufe ist in Skigebieten somit kein sicherer Betrieb mehr möglich. Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und instabil. Verzicht auf Touren ist empfohlen.

Erläuterungen:

mäßig steil: bis 30° Hangneigung

steil, Steilhänge: über 30° Hangneigung

geringe Zusatzbelastung: zum Beispiel ein einzelner Skifahrer, Snowboarder oder Schneeschuhläufergroße Zusatzbelastung: zum Beispiel eine Gruppe von Skifahrern ohne Sicherheitsabstände, ein Pistenfahrzeug oder eine Lawinensprengun
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