LEGO Atari 2600 – Retro-Konsole löst Bau-Hype aus

Für 239,99 Euro darf man mit LEGO das Comeback des Atari 2600 als Baustein-Set feiern.
Für 239,99 Euro darf man mit LEGO das Comeback des Atari 2600 als Baustein-Set feiern.Heute
Das Atari Video Computer System ist die vielleicht legendärste Spielekonsole aller Zeiten. Dank LEGO kann man sie sich nun als Baustein-Set holen.

Bis 1982 war das eigentlich 1977 nur in den USA erschienene Atari Video Computer System hierzulande noch eher unbekannt und mit einem auf heute umgerechneten, inflationsbereinigten Preis von rund 800 Euro auch sündteuer, Jahr für Jahr eroberte es aber mehr Spielerherzen und wurde schließlich zu Atari 2600 umbenannt. 1991 wurde die Produktion eingestellt, rund 30 Millionen Stück wurden bis dahin verkauft. Noch wichtiger ist aber der Nachhall: Bis heute gilt der Atari 2600 als die vielleicht prägendste und wichtigste Joystick-Konsole aller Zeiten. Auch ihre Kult-Games sind unvergessen.

Weltweit wurden Spielehits wie "Asteroids", "Defender", "Pac-Man", "Adventure" und "Centipede" auf dem Atari 2600 gezockt. Obwohl die Konsole absoluten Kultstatus genießt, ist sie auch heute noch auf verkaufsplattformen zu fairen Preisen zu haben. Anders einige Spiele dafür: "Air Raid" wirft mit intakter Verpackung über 30.000 Euro ab, "Atlantis 2" bis zu 18.000 Euro und "Gamma Attack" bis zu 50.000 Euro – Letzteres wurde bereits für fast 500.000 Euro zum Verkauf angeboten, allerdings war das den Bietern dann doch etwas zu teuer. Billiger kommt man nun allerdings dank eines neuen LEGO-Sets davon.

Wenige kreative und viele klassische Bauschritte

Für 239,99 Euro darf man mit LEGO das Comeback des Atari 2600 als Baustein-Set feiern. Es ist das zweite Konsolen-Set des Herstellers nach Nintendo Entertainment System und eine originalgetreue Nachbildung samt den vier Schaltern des 1980er-Modells. Besondere Merkmale des Sets sind außerdem der bewegliche Controller mit Joystick, die aufschiebbare Front der Konsole sowie der Schalter, mit dem beim echten Atari zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Bild gewechselt werden konnte. Außerdem gibt es drei Atari-Games zum Nachbauen samt Mini-Versionen des Spiels und Kassetten-Hüllen inklusive.

Das Set ist Teil von LEGOs Icons-Serie, die laut dem Hersteller "für eine herausfordernde Bauerfahrung" steht. Anders als viele Sets der Serie wie die Looping-Achterbahn, das Real Madrid - Santiago Bernabéu Stadion oder das NASA-Spaceshuttle "Discovery" baut sich der Atari 2600 jedoch über weite Strecken sehr klassisch und nur mit wenigen kreativen Konstruktionen. Enthalten ist im Set neben 2.532 Bauteilen auch eine Mini-Figur – ein Zocker mit Atari-Shirt, der in einer detailliert eingerichteten Wohnung auf einem Atari zockt – ein Mini-Game-Gimmick in der Game-Konsole quasi.

Sehr beeindruckende Details und viel Herzblut

Enttäuscht darf man davon, dass die Bauschritte (das Set richtet sich an die Sammler über 18 Jahren) über weite Strecken recht bekannt ausfallen, aber nicht sein, denn das Endergebnis kann sich sehen lassen: Aus der Nähe fallen unzählige Details auf, die mit viel Herzblut von Kennern ihres Fachs umgesetzt wurden, mit etwas Abstand könnte man das LEGO-Set beinahe mit einer echten Atari-Spielkonsole verwechseln, so detailgetreu ist es ausgefallen. Sogar die Größenverhältnisse stimmen fast auf den Millimeter genau überein: Das LEGO-Set misst im finalen Zustand rund 8 x 33 x 22 Zentimeter.

Besonders interessant: Wer aktuell rund um die 50 Jahre jung ist, hat wohl in seiner oder ihrer Kindheit und Jugend zumindest von der Atari-Konsole gehört, wenn nicht sogar eine besessen – und kann sich nun als kaufkräftige Generation eine schöne Retro-Erinnerung ins Wohnzimmer holen. Doch nun zum eigentlichen Bau: Der Schwierigkeitsgrad des Sets liegt deutlich unter jenem der Nintendo-Konsole, bei der es leicht passieren konnte, dass man aufgrund von Verwechslungen ganze Bauschritte wiederholen musste. Diese Gefahr besteht allerdings beim LEGO Atari 2600 zu keinem einzigen Zeitpunkt.

Alles fantastisch, bis auf die vielen Sticker

Begonnen wird bei den mehr als ein Dutzend Bauschritt-Säckchen mit einer Mini-Version des Games "Adventure". Dabei wird einerseits die "Cartridge", also die rechteckige Hülle des Spiels montiert, andererseits eine Mini-Szene aus dem Spiel nachgestellt. Auf einem kleinen Sockel wird dazu eine gelbe Burg samt grüner Hecke und einem Baustein-Drachen errichtet – genau passend zum Inhalt des Games, in dem der Spieler einen verzauberten und von Drachen beschützten Becher zurück in sein goldenes Schloss bringen soll. Alles super? Fast! Auch hier sind die Details fantastisch, bis auf die Sticker-Bögen.

Drei Sticker-Bögen liefert LEGO im Set mit, der Großteil der Aufkleber wird dabei auf die Hüllen der drei Videospiele gepickt, was einiges an Geduld und Genauigkeit erfordert. Persönlich sind wir kein Freund der Sticker-Lösung und hätten bedruckte Steine bevorzugt – andere LEGO-Fans wird dies aber wohl weniger stören. Weitere Sticker kommen bei der bereits erwähnten Mini-Wohnung zum Einsatz – sie werden auf rechteckige Platten geklebt, die dann an den Wänden Bilder oder Poster mit Videospiel-Szenen darstellen. Im Laufe des Zusammenbaus werden noch zweimal die Mini-Game-Montagen eingestreut.

Eine Überraschung ist im Inneren der Konsole versteckt

Nach der ersten Spiel-Bauphase startet auch schon der Bau der Konsole selbst. Und das ganz retro und klassisch. Große Platten werden mit kleineren Steinen miteinander verbunden, nach und nach erhebt sich die Konstruktion mit Balken, Leisten und vielen, vielen weiteren Platten immer mehr in die Höhe. Wiederum auffällig: Die einzelnen Teile-Säckchen enthalten viel weniger nochmals abgepackte Teile – vielleicht auch ein Bemühen LEGOs, Plastik einzusparen. Der erste wirklich kreative Bauschritt erfolgt dann in etwa bei der Hälfte des Sets – die Errichtung der erwähnten Wohnung, in der die Mini-Figur zockt.

Die Wohnung wird als langes, L-förmiges Element errichtet, das mit zwei Stiften in eine Hebel-Vorrichtung im Inneren der Konstruktion fixiert wird. Später stellt sich eine Überraschung heraus: Wird der schwarze "Deckel" der Konsole aufgeschoben, dreht sich die Wohnungs-Szenerie nach oben und gibt den Blick auf das Spektakel frei. Umgekehrt versenkt sich die Zocker-Wohnung in die Konsole, wenn der Deckel wieder zugeschoben wird. Fingerspitzengefühl ist auch bei den schrägen Seitenwänden samt Kippelementen gefragt, das war es dann aber auch schon mit den komplizierteren Bauschritten.

Die vielen kreativen Ideen zeigen sich erst am Schluss

Solche netten Ideen und Überraschungen zeigen sich in vielen folgenden Bauschritten, wobei sich die ganze Genialität der Konstruktion erst erschließt, wenn die Konsole komplett fertig aufgebaut wurde. Etwa, dass sich die gebauten Game-Cartridges tatsächlich in das Konsolen-Modell stecken lassen, dass der ebenfalls noch zu bauende Joystick samt Kabel beweglich ist und dass auch die Schalter an der Vorderseite des LEGO Atari 2600 bedienbar sind. So klassisch sich der Bai der LEGO-Konsole zeigt, so sehr (und umso mehr) begeistern die tollen Funktionen und die liebevoll umgesetzten Details.

Zwar nicht allzu fordernd, aber umso entspannender kann der Bau des Sets wohl am besten beschrieben werden. Die finale Konstruktion zeigt sich sehr stabil, beim Anheben, Bedienen oder Spiele einstecken besteht keine Gefahr herausbrechender Teile. Auch bei beiden weiteren Cartridges und Spiele-Miniwelten neben "Adventure" zeigen sich (bis auf die Sticker) liebevoll detailliert. "Asteroids" nutzt transparente Stäbe, um Asteroiden fliegen zu lassen, die mit einem Minikanonen-Raumschiff abgeschossen werden, "Centipede" stellt einen fantastischen Tausendfüßler am Podest zwischen Baustein-Pilzen aus.

LEGO Atari 2600 – die Retro-Konsole löst einen Bau-Hype aus

Eine Erwähnung verdient noch das fantastische "Holz-Design" sowohl an der Front der Konsole, als auch als Halterung für die Game-Cartridges. Die hell- und dunkelbraunen Farbtöne sind wirklich gut getroffen und in Sachen Halterung passen die Spiele-Hüllen perfekt in ihre Schächte. Bleibt der Joystick samt mitgeliefertem und einsteckbarem Kabel, der schon als statisches Zubehör toll aussehen würde, als Dreingabe durch einen schlau konzipierten Mechanismus im Inneren aber in alle Richtungen schwenkbar ist. Einzig der Knopf am Joystick ist ein rotes, rundes Plättchen, das nicht gedrückt werden kann.

Mit dem LEGO Atari 2600 bekommt man eine wunderbare Retro-Konsole zum fairen Preis. Das ungewöhnliche Set baut sich dabei nicht allzu kompliziert, überrascht dafür aber mit liebevollen und durchdachten Details. Bei Gaming-Fans, denen die legendäre Spiele-Konsole bekannt ist oder die vielleicht sogar selber darauf zocken durften, löst das neue Set einen echten Bau-Hype aus. Einziges Manko bleiben – natürlich rein subjektiv – die verwendeten Sticker statt bedruckter Bauteile. Abseits davon ist der LEGO Atari 2600 eine gelungene Hommage an atemberaubende Gaming-Zeiten und ein Ausflug in die Jugend.

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