LEGO Ferrari Daytona SP3 – eine Legende aus Bausteinen

Um 400 Euro statt um zwei Millionen darf man sich nun den LEGO Ferrari Daytona SP3 ins Regal stellen.
Um 400 Euro statt um zwei Millionen darf man sich nun den LEGO Ferrari Daytona SP3 ins Regal stellen.LEGO
Es ist eines der exklusivsten LEGO-Sets seit langer Zeit: Den Supersportwagen Ferrari Daytona SP3 kann man sich nun aus Bausteinen zusammenbasteln.

Mit genügend Kleingeld kann man sich mit dem neuen LEGO Technic Set aus der "Ultimate Car Concept"-Reihe nun den legendären Ferrari Daytona SP3 in klassischem Rot und mit Chromfelgen ins Regal stellen. Zwar kostet das Set nicht so viel wie der echte Supersportwagen – ab zwei Millionen Euro, auf 599 Exemplare limitiert, V12-Motor mit 840 PS, Mindesthaltedauer im Kaufvertrag, von 0 auf 200 in 7,4 Sekunden und mit einer Spitze von 340 Stundenkilometern –, der Bausatz-Preis bei LEGO ist aber mit 400 Euro auch nicht zu unterschätzen. Ob der Wert wie beim Original ebenso steigt?

Für den recht hohen Preis bekommen Ferrari- und Sportwagen-Fans im neuen Set für Bastler ab 18 Jahren 3.778 Teilchen spendiert. Umgerechnet zahlt man also knapp 11 Cent pro LEGO-Baustein, das relativiert die scheinbar hohen Kosten dann doch etwas. Der Ferrari wird dabei im Maßstab 1:8 nachgebaut. Eine Besonderheit zeigt sich gleich bei der Verpackung, wie immer bei der Supercar-Serie von LEGO, dessen viertes Set nun der neue Ferrari darstellt. Die überraschend schwere und ungewöhnlich hohe Schachtel mit rotem Deckel und schwarzem "Unterboden" könnte schon fast selbst ein Kunstwerk sein.

Zwei dicke Schinken und stundenlanger Bauspaß

Einmal geöffnet, warten drei weitere, nummerierte Kartons in der Box, die mit den Aufdrucken das Heck des Wagens darstellen sollen. Gleich zeigt sich auch, warum der Karton einige Kilo wiegt: In der ersten Schachtel liegen nicht nur eine, sondern gleich zwei Anleitungsbücher für den Bau bei, die jeweils richtig dicke Schinken sind. Auf insgesamt 824 Seiten gibt es die Hunderten Bauschritte meist bis ins kleinste Detail aufgelistet – Bilder und Fakten zum realen Wagen nehmen nur einige wenige Seiten der Schmöker ein. Vorbereiten darf man sich da schon auf recht ausgedehnte Bauphasen.

Statt wie meist möglichst gleichmäßige Bauschritte umzusetzen, was beim Ferrari wohl zu 15 bis 20 Abschnitten führen würde, gibt es beim Wagen-Modell nur sieben, wobei je ein Bauschritt ein Kernelement des Wagens wie Motor und Getriebe, Front, Heck oder Fahrgestell zusammengezimmert werden. Jede Bauphase nimmt dabei mehrere Stunden in Anspruch, begonnen wird mit dem Getriebe und dem Unterboden, geschlossen wird mit dem Heck, der Radmontage und der Finalisierung der Karosserie. 15 bis 20 Stunden, vielleicht mehr, muss man für das LEGO-Modell dabei locker einberechnen.

Ein überraschend anfängerfreundlicher Zusammenbau

Trotz seiner immensen Größe – der fertige Wagen ist rund 14 Zentimeter hoch, 25 Zentimeter breit und 59 Zentimeter lang – kommen beim Bau ungewöhnlich viele Mini-Bausteine und Mini-Bauelemente zum Einsatz. Große Platten gibt es nur in überschaubarer Zahl und die meisten selbst größten Elemente unter der Haube und an der Karosserie werden aus mehreren kleinen Bauteilen zusammengesteckt. Apropos Bauteile: Sticker hat LEGO aus dem Ferrari-Set verbannt, alle Bausteine sind von Werk aus bedruckt, etwa mit dem sich aufbäumenden Pferd als Ferrari-Logo. Selbst der Aufsteller kommt fix fertig daher.

Als nicht allzu große Freunde ist das kleine Sticker-Thema ein großer Bonus für uns – das Set wirkt durch die schön bedruckten Bauelemente einfach wertiger und der Stress, die Aufkleber möglichst gerade anzubringen, fällt weg. In Sachen Bauanleitung hätten es jedoch ruhig ein paar Seiten weniger sein dürfen. Zumindest freuen sich aber Technic-Anfänger über die ausführliche Anleitung, obwohl der Bau selbst überraschend wenige knifflige Bauschritte beinhaltet. Wer sauber arbeitet und geduldig die einzelnen Schritte befolgt, wird keinerlei Probleme haben, das Modell fehlerfrei zusammenzubauen.

Nicht perfekt, aber auch nicht wirklich schlimm

Der Aufbau kann grob so beschrieben werden: Meist werden die einzelnen Elemente wie das Heck oder die Front als ganzes gebaut und dann mit sehr solide haltenden Verbindungselementen an die Grundkonstruktion fixiert. Nach dem ersten Anleitungs-Wälzer ist das Auto schon gut erkennbar, im zweiten Buch wird das Modell um immer mehr Details ergänzt. Der Detailgrad ist dabei beachtlich und reicht von sich bewegenden Kolben im Motorblock über lenkbare Räder und eine Hinterachse mit Differenzial bis hin zu aufklappbare Elementen wie Kofferraum, Motorhaube und Flügeltüren. 

LEGO Ferrari Daytona SP3 – zwei nach unserem Geschmack kleine Mankos bietet das Edel-Modell am Ende.
LEGO Ferrari Daytona SP3 – zwei nach unserem Geschmack kleine Mankos bietet das Edel-Modell am Ende.Heute

Zum Ende hin besteht das Potenzial, dass sich einige Baufehler einschleichen können. Nicht immer ist in der Anleitung auf den ersten Blick klar, wie herum ein bestimmtes Element in das Modell fixiert werden soll oder welcher Verbindungsstecker in welches Loch gehört. Zwei nach unserem Geschmack kleine Mankos bietet das Edel-Modell am Ende: Einerseits fehlt uns eine einbaubare Windschutzscheibe als Tüpfelchen auf dem Ferrari-i, andererseits wirken die Oberseiten der Autotüren so, als würden sie lose in der Luft hängen – und wackeln beim Öffnen der Türen. Nicht perfekt, aber auch nicht schlimm.

Überraschende "Ersatzteile" und sehr stabile Konstruktion

Genial sind dafür die Hingucker des Modells, die absolut hochwertig aussehen. Beim Motor handelt es sich um ein Meisterwerk der LEGO-Techniker, die Federung sieht nicht nur optisch toll aus, sondern beeindruckt auch beim "händischen" Fahren und beim Getriebe greifen sogar die Wellen realistisch in die Konstruktion hinein. Da es sich bei den genannten Schritten um die wohl komplexesten des Sets handelt, lassen sich bei ihnen kurze Videos über einen QR-Code in der Anleitung aufrufen. Wiederholungen in den Bauschritten gibt es abseits davon einige, den Spaß trüben sie aber keineswegs. 

Ein kurzes Kopfkratzen gab es übrigens am Ende des Baus, denn überraschend blieben nicht nur die typischen Elemente wie kleine Pins und Plättchen als "Ersatzteile" übrig, auch zwei größere Flügel-Elemente fanden sich noch im "Restbestand". Nach eingehender Kontrolle der einzelnen Bauschritte zeigte sich aber, dass LEGO dieses tatsächlich nicht für den Bau vorgesehen hat – dass so große Teile übrig bleiben, ist eine LEGO-Premiere und verunsichert anfangs etwas. Was dagegen freut: Das Modell ist stabil wie kaum ein anderes. Wer nicht unbedingt an den Türen zupackt, kann das Auto problemlos herumtragen.

Unter der "Haube" zeigt sich das wahre Ferrari-Kunstwerk

Sieht man sich den fertigen Ferrari genauer an, kommen LEGO-Fans aus dem Schwärmen nicht mehr heraus und eigentlich ist es etwas schade, dass die Karosserie so viel vom Innenleben verdeckt. Etwa den V12-Motor mit beweglichen Kolben, das funktionierende Getriebe mit Schaltwippen oder die Bremsbacken mit Ferrari-Schriftzug hinter den Chromfelgen. Fantastisch sieht übrigens das geschwungen-gestufte Heck aus, das Modell sieht noch besser von hinten als von vorne aus. Im Innenraum gibt es mit den großen, blauen Sitzen, dem abnehmbaren Targa-Dach und Armaturen ebenfalls jede Menge Details. 

LEGO Ferrari Daytona SP3 – unter der Haube geht es noch beeindruckender her als an der Karosserie.
LEGO Ferrari Daytona SP3 – unter der Haube geht es noch beeindruckender her als an der Karosserie.Heute

Noch einmal zurück zu den Gängen: Die lassen sich per Schaltwippe durchschalten, was nicht nur Spielerei ist. Entsprechend legt der Wagen auch einen anderen Gang an und die Veränderung kann direkt an den entweder schneller oder langsamer "pumpenden" Motorkolben beobachtet werden. Auch in den Rückwärtsgang und in die neutrale Stellung kann geschaltet werden. Eine weitere Besonderheit verbirgt sich noch unter der im Kofferraum: Jedes Ferrari-Modell von LEGO bekommt dort eine besonders dekorierte Platte mit einer einmaligen Seriennummer zu finden. Über diese Nummer lassen sich auf der LEGO-Webseite diverse exklusive Inhalte freischalten.

Lässt die Herzen von Ferrari-Fans garantiert höherschlagen

Für ein LEGO-Technic-Set ist der Ferrari Daytona SP3 eines der weniger komplexen Modelle. Auch Anfänger finden sich beim Bau ohne Probleme gut zurecht und nur gegen Ende der Bauphase gibt es zwei, drei Schritte, bei denen Unachtsamkeitsfehler passieren könnten. Generell überraschte es im Test einerseits, wie klassisch sich das Technic-Set baut, andererseits, wie viele kleine Bauteile für das gigantisch große Modell verwendet werden. Mankos gibt es kaum, die "freistehend" wirkenden Schmetterlingstüren sind allerdings vielleicht nicht der Geschmack jedes Baustein-Fans. Für den Preis hätte es außerdem eine Windschutzscheibe sein dürfen.

Allerdings überzeugt der LEGO Ferrari Daytona SP3 auf ganzer Linie. Das große Modell sieht fantastisch aus und es ist beeindruckend, wie gut sich die Dutzenden Details der einzelnen Bauschritte final ineinanderfügen. LEGO-Fans werden es bereits wissen, für alle anderen noch ein Hinweis: Das teure Modell fährt zwar und bietet Details wie schaltbare Gänge, funktionierende Lenkung und Co., zum Spielen als Rennauto ist es allerdings nicht gedacht. Dafür ist es dann doch etwas zu teuer, und ehrlicherweise auch zu schick. Das neue Set lässt garantiert die Herzen von Ferrari- und Supersportwägen-Fans höherschlagen.

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