Lehrlings-Abschiebung mit "Nazi-Methoden"

Der 26-Jährige machte eine Lehre in der Gastronomie
Der 26-Jährige machte eine Lehre in der GastronomieBild: iStock (Symbolbild)
Wieder soll ein Lehrling abgeschoben werden. Vorarlbergs ÖGB-Landeschef Norbert Loacker spricht von "Nazi-Methoden".

Ein 26-jähriger Gastronomielehrling aus Pakistan mit einem negativen Asylbescheid ist am Donnerstag in Hard festgenommen worden. Er steht nun vor der Abschiebung.

Bereits Anfang September wollte die Polizei den 26-jährigen Qamar Abbas an seinem Arbeitsplatz am Blauen Platz in Lustenau festnehmen. Damals tauchte der Pakistani unter.

Der Lehrling sei gut in eine Vorarlberger Familie integriert, erzählte der Wirt Marcel Lerch. "Niemand flüchtet gerne. Aber Pakistan ist gefährlich. Ich hatte Angst um mein Leben", sagte Abbas.

Kontakt verweigert

Am Donnerstagmittag machte die Polizei den Mann in Hard ausfindig, nahm ihn fest und überstellte ihn nach Bludenz ins Polizeianhaltezentrum. Der Anwalt des Lehrlings, Stefan Harg aus Bregenz, schrieb in einer E-Mail an den ORF, dass die Polizei bislang den Kontakt zu seinem Mandanten verweigert habe. Qamar Abbas kann jederzeit ins Flugzeug gesetzt werden.

Bestens intergriert

Derzeit sitzt der junge Mann in einem Polizeianhaltelager in Salzburg, wie Laura Melzer "Heute" erzählt. Bei ihrer Familie fand der Pakistani Aufnahme, er freundete sich mit ihren Eltern an. "Mein Vater ist ein Pflegefall", sagt die junge Frau Melzer, der "Herr Abbas" habe ihnen immer "irrsinnig geholfen" – sei es bei einem anstrengenden Umzug oder einfach nur im Alltag. "Er war immer da für uns. Und wir für ihn".

"Nazi-Methoden"

Massive Kritik kommt von ÖGB-Landesvorsitzende Loacker. Ein Mensch, der seit sechs Jahren in Österreich ist und immer tüchtig gearbeitet habe, werde wie ein Verbrecher mitten in der Lehre abgeholt. "So geht man mit jungen Menschen nicht um. Das ist unmenschlich und muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Wir haben mit diesen Nazi-Methoden nichts am Hut", sagte Loacker zu "Heute". Er werde stets gegen solche Entwicklungen vorgehen. Das sei er allein schon seiner 91-jährigen Mutter schuldig, die den Nazi-Terror noch selbst miterlebt hatte.

Loaker habe am Donnerstagabend gemeinsam mit Vorarlbergs SP-Klubobmann Michael Ritsch noch das Gespräch mit Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) gesucht. Wallner unterstütze die Forderung, die Abschiebung zu stoppen. Praktisch seien ihm aber die Hände gebunden, da das humanitäre Bleiberecht vom Bund entschieden werde, meinte Loaker. Nun sei Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Zug. Dieser müsse unverzüglich handeln und das unmenschliche Treiben stoppen: "Jetzt ist VdB gefordert."

"Dunkelste Zeiten"

"Dass über Nacht unsere unbescholtenen Kollegen und Freunde von der Polizei abgeholt werden, erinnert mich an dunkelste Zeiten in der Vergangenheit. Ich bin entsetzt darüber, dass Menschen aus unserer Mitte gerissen werden, um sie zu deportieren. Diese Praxis kennt man aus faschistischen Diktaturen. Einem Rechtsstaat ist ein solches Vorgehen vollkommen unwürdig", wettert Loacker weiter.

"Kickl muss gehen"

Von einem rechten Hardliner wie Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sei keine menschliche Entscheidung zu erwarten, schrieb der Gewerkschafter am Freitagvormittag in einer Presseaussendung. Der Minister sei für einen Skandal nach dem anderen verantwortlich. "Er bleibt aber im Amt, während man einen integrierten Lehrling deportiert. Qamar soll bleiben, Kickl muss gehen", fordert Loacker. (GP)

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