Ein Vorfall, der sprachlos macht: Am Montagabend war ein elfjähriger Bub mit einem Freund in Leonding unterwegs, als es plötzlich gefährlich wurde. Beim Überqueren der Straße näherte sich ein großes Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit. Statt zu bremsen, hupte der Lenker.
Für den Buben hatte das fatale Folgen. Er leidet an der Glasknochenkrankheit und ist besonders verletzlich. Erst vor Kurzem konnte er wieder ohne Krücken gehen. Durch den Druck der Situation verlor er das Gleichgewicht und stürzte auf die Fahrbahn.
Was dann passiert sein soll, sorgt für Entsetzen: Laut Familie beschimpfte der Lenker die Kinder - und setzte seine Fahrt einfach fort, ohne zu helfen.
Der Vater schrieb auf Facebook in die Gruppe "Wir sind Leonding": "Unser Sohn wurde im Beisein von seinem Freund im Ortsgebiet von einem zu rasanten, aggressiven Fahrer beinahe überfahren." Und weiter "Aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen konnte er die Straße nicht "schnell" passieren. Der Fahrer hupte aus der Ferne und entschleunigte sein Fahrzeug nicht. Vom Hupen und dem schnell herannahenden Auto erschrocken, kam es zu einem schweren Sturz. Eine schwere Prellung am Oberschenkel war die Folge, aufstehen war nicht mehr möglich."
Die Eltern zeigen sich tief erschüttert. "Wie kann man ein Kind einfach liegen lassen?", fragt der Vater. Auch die Mutter ist verzweifelt. Wegen seiner Erkrankung wirke ihr Sohn deutlich jünger und kleiner. "Er hat es ohnehin schwer genug."
Die beiden Buben standen unter Schock und konnten nur wenige Angaben machen. Laut ihren Aussagen handelt es sich um einen älteren Mann in einem größeren Auto oder Kleinbus. Hinweise fehlen bisher, auch Kameras gibt es dort nicht. Eine Anzeige wurde angekündigt.
Der Fall löst auch Diskussionen aus - etwa darüber, ob das Kind an einer Stelle ohne Schutzweg unterwegs war. Fachleute stellen jedoch klar: Kinder haben im Straßenverkehr besonderen Schutz. Sie sind vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen.
Das heißt: Jeder Lenker muss jederzeit damit rechnen, dass ein Kind plötzlich die Straße betritt. Entsprechend ist langsam und bremsbereit zu fahren. Zudem gilt der sogenannte "unsichtbare Schutzweg". Sobald ein Kind erkennen lässt, dass es die Straße überqueren will, muss ihm das ermöglicht werden - auch ohne markierten Zebrastreifen.
Die aktuellen Zahlen sind alarmierend: Im Jahr 2025 kamen in Österreich acht Kinder im Straßenverkehr ums Leben - doppelt so viele wie im Jahr davor. Tausende weitere wurden verletzt. Für die Familie bleibt eine zentrale Frage: Wer war der Lenker - und warum hat er nicht geholfen? Hinweise nimmt die Polizei entgegen.