"Lieber AMS" – Starkoch zahlt 1.700 netto, findet keinen

Max Stiegl ist Koch des Jahres.
Max Stiegl ist Koch des Jahres.ALEX HALADA / picturedesk.com
Max Stiegl, Koch des Jahres, will im Business nichts anbrennen lassen. Aktuell sucht er zehn Mitarbeiter. Trotz guten Lohns findet er kein Personal.

Leser des "Heute"-Balkanblogs kennen ihn – Star-Gastronom Max Stiegl ließ unseren Redakteur vergangene Woche daheim in Purbach (Bgld.) in den Kochtopf schauen. Gemeinsam mit Landeschef Hans Peter Doskozil wurde "Sugo vom Jugo" zubereitet, verkostet und für gut befunden. Her(d)zeigbar ist auch das Gehalt, das der Vier-Hauben-Koch seinen Mitarbeitern bezahlt: "Nämlich den von unserem Landeshauptmann eingeführten Mindestlohn von 1.700 Euro netto", so Stiegl.

"Gleich viel fürs Daheimbleiben"

Dennoch findet er für seine Standorte in Purbach und am Knappenhof in Reichenau an der Rax (NÖ) kein Personal. "Das wird jetzt sicher wieder einen Shitstorm auslösen, aber vielleicht sollte man auch einmal die Sozialleistungen überdenken. Es kann nicht sein, dass man fürs Daheimbleiben gleich viel bekommt wie fürs Arbeiten", so Stiegl.

Er habe es oft erlebt, dass ihn Bewerber ("Wenn sich überhaupt jemand meldet") wissen lassen, dass sie für das Gehalt gar nicht arbeiten gehen. "Sie erzählen mir, dass sie bis zu 1.200 Euro AMS-Geld bekommen und auf der Couch liegen bleiben können", so Stiegl.

Taxi-Shuttle für Putzfrauen

Bei ihm ist es mittlerweile sogar schon so weit, dass er Putzkräfte mit einem eigenen Taxi-Shuttle von Wien nach Reichenau chauffieren lässt. "Was man auch sagen muss", so Stiegl, "ist, dass viele Burgenländer Tag für Tag nach Wien pendeln, aber es umgekehrt arbeitslosen Köchen oder Kellnern aus Wien offenbar nicht zumutbar ist, ins Burgenland vermittelt zu werden", schüttelt der Koch des Jahres 2020 den Kopf. Derzeit kann er nur an 4,5 statt an 7 Tagen die Woche offen haben – wegen Personalmangels. "Vielleicht muss man auch die Gehaltsstruktur neu denken – etwa für Personen, die am Wochenende arbeiten", denkt er über Anreize nach.

Veganer nicht willkommen

Bis zu einem gewissen Grad kann er den mangelnden Bewerber-Ansturm sogar nachvollziehen: "Man muss ehrlicherweise sagen, dass sich viele Mitarbeiter in der Gastronomie in den zahlreichen Lockdowns umschulen haben lassen", so Stiegl. Unlängst geriet der Gastronom in die Schlagzeilen, als er öffentlichkeitswirksam klarstellte, dass Veganer in seinen Restaurants nicht willkommen sind.

Küchenparty in Reichenau

Wer Fleisch isst, kann der Lust neuerdings auch am Weekend am Knappenhof frönen: Am Sonntag (21.6.) gibt es wieder eine "Küchenparty" zwischen 12 und 16 Uhr. Das Setting sei laut Stiegl "ganz easy und leger", Erwachsene zahlen 75 Euro pro Person, Kids (bis 14) 25 Euro. Bei Live-Musik gebe es "ganz viel zu Essen – und natürlich Champagner, Wein und Sekt". Der Star-Koch: "Das ist unsere erste Küchen-Party. Ich hoffe, dass möglichst viele mit Freunden, Familie oder sonst wem kommen."

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