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Lienhart: "Ich habe von Ramos und Pepe gelernt"

Philipp Lienhart sorgt in Deutschland mit Freiburg für Furore. "Heute" sprach mit ihm über seinen Torhunger, Real, Rapid und das ÖFB-Team.
Erich Elsigan
07.12.2021, 07:32

ÖFB-Legionär Philipp Lienhart mischt die deutsche Bundesliga auf! Der 25-jährige Freiburg- Verteidiger fegte am Sonntag Gladbach mit 6:0 vom Platz, liegt mit dem "Underdog" sensationell auf Rang vier, also auf Champions-League-Kurs. Mit 13 Gegentoren stellen die Breisgauer die beste Defensive der Liga – noch vor den Bayern. "Heute" fragte nach: Wie ist das möglich?

"Die ganze Mannschaft hat einen Schritt gemacht. Wir kennen uns lange, hatten wenige Abgänge. Wir wissen, wie der Trainer will, dass wir verteidigen. Das haben wir total verinnerlicht. Bei uns beginnt das Spiel gegen den Ball bei den Stürmern. Wie sie anlaufen, wie viele Meter sie machen, das ist schon beeindruckend, hilft uns Verteidigern sehr", erklärt Lienhart. Ein großer Faktor ist freilich Trainer Christian Streich. "Er hat sehr viel Erfahrung im Fußballgeschäft, auch mit jungen Spielern. Er weiß, wie er mit uns umgehen muss, was es braucht, um jeden Einzelnen aufs nächste Level zu bringen."

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Lienhart fühlt sich auch im gegnerischen Strafraum pudelwohl. Mit vier Toren führt er die Schützenliste der Verteidiger an. "Früher haben oft die Nerven versagt. Deshalb habe ich mir letztes Jahr Gedanken darüber gemacht, wie ich mich verbessern kann. Man kommt bei Standards nicht immer an den ersten Ball. Aber man kann sich neu positionieren, um wieder torgefährlich zu sein."

Seit 2017 kickt Lienhart bereits in Freiburg. Ausgebildet wurde er bei Rapid. "Zu Paul Gartler habe ich hin und wieder noch Kontakt. Zum Spiele-Anschauen komme ich leider wenig. Ich lese zumindest die Ergebnisse nach." Dass es mit Ferdinand Feldhofer einen neuen grün-weißen Coach gibt, hat er mitbekommen. "Ich kenne ihn, aber wie er als Trainer ist, weiß ich nicht. Ich hoffe, er passt zu Rapid und hat Erfolg."

Training mit Ronaldo

2014 folgte als 18-Jähriger der Sprung zu Real Madrid. Trainings mit Cristiano Ronaldo standen an der Tagesordnung, wie Fotos auf seinem Instagram-Profil beweisen. Was blieb von der Zeit? "Sehr viel. Ich bin unendlich dankbar, dass ich die Chance hatte, dort zu trainieren. Ich habe mich dort enorm weiterentwickelt. Nicht nur fußballerisch, auch persönlich. Ich habe eine neue Sprache gelernt, hab mich in einem fremden Land zurecht finden müssen. Dazu das Sportliche. Ich konnte unter Zidane trainieren, mit Real eine Vorbereitung mitmachen. Das sind Erinnerungen, auf die ich stolz bin." Der Durchbruch blieb ihm jedoch verwehrt.

Mit David Alaba ist mittlerweile ein anderer Österreicher Abwehrchef bei Real. Gab er ihm Insider-Tipps, wo es in Madrid die beste Paella gibt? "Ich habe auch erst vom Wechsel erfahren, als er offiziell wurde. Beim Nationalteam haben wir uns dann schon darüber unterhalten, wie es in Madrid und bei Real ist. Es freut mich für ihn, dass er bei diesem coolen Klub spielen kann."

Bei Barcelona geht Yusuf Demir aktuell einen ähnlichen Weg, wie ihn Lienhart damals einschlug. Sein Rat: "Hart arbeiten, demütig bleiben. Und im Training ganz genau hinschauen, wie es die großen Superstars machen, möglichst viel mitnehmen."

Fragt man Lienhart nach seinen Idolen, erhält man eine überraschende Antwort. "Früher hatte ich Vorbilder, aber das waren eher Offensive wie Ronaldinho. Bei Real habe ich zu Ramos oder Pepe aufgeschaut und auch einiges von den beiden gelernt. Aktuell versuche ich in jedem Spiel zu schauen, was die anderen Innenverteidiger besonders gut machen, um immer besser zu werden."

Ziel ist die WM-Teilnahme

Lienhart sieht sich "noch nicht am Ende meiner Entwicklung". Sein Ziel: "Ich würde auch im Verein gern mal international spielen. Ich habe aber keinen Zeitplan, wann das sein muss."

Mit dem Nationalteam will er sich im März für die WM qualifizieren. Erster Gegner im Play-off: Wales. "Vom Namen her ist die Portugal-Italien-Gruppe sicher schwieriger, aber ich denke, dass es auch gegen Wales alles andere als leicht wird. Es kann dort richtig unangenehm sein, gerade auswärts."

Rund vier Monate sehen sich die Teamspieler nun nicht gemeinsam am Rasen. "Es gibt schon ein paar Chats mit Spielern, aber bis März ist eine lange Zeit. Das macht es auch so schwer im Nationalteam, weil man nicht regelmäßig trainiert. Man kommt acht bis zehn Tage zusammen, hat wenige Trainings und soll die perfekte Abstimmung finden. Das ist jedes Mal eine große Herausforderung."

Lienhart matchte sich zuletzt mit Aleks Dragovic um den Platz neben Martin Hinteregger. Wie nahe ist er an der Startelf dran? "Schon sehr nahe, denke ich. Ich hab in der Bundesliga über einen langen Zeitraum konstant gute Leistungen gezeigt, auch im Nationalteam habe ich zuletzt immer mehr gespielt. Ich hoffe, dass es so weiter geht und ich mir einen Stammplatz erarbeiten kann."

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