Gesundheit

Härteste Corona-Regel weg – Experte warnt vor Folgen

Für Public-Health-Experte Hans-Peter Hutter ist das Quarantäne-Aus nicht nachvollziehbar. Er warnt vor den schwerwiegenden Folgen.
Christine Scharfetter
27.07.2022, 10:37
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Es war ein hartes Tauziehen: Mit 1. August 2022 wird mit dem Quarantäne-Aus die wohl härteste Corona-Maßnahme in Österreich fallen. Eine Entscheidung, mit der Public-Health-Experte Hans-Peter Hutter zwar gerechnet hat, die er jedoch nicht nachvollziehen kann. "Ich sehe es als Fehler. Für mich ist es aus infektiologischer und epidemiologischer Sicht nicht nachvollziehbar", erklärt der Epidemiologe im "Heute"-Interview.

Er verstehe aber auch, dass hier ein Handlungsbedarf bestehe. Eine Situation, in die man sich selbst mit der fortschreitenden Aufhebung sämtlicher Maßnahmen selbst hineinmanövriert habe. "Jetzt haben wir eine Situation, wo die Maske praktisch nur noch in Wien in den Öffis getragen wird, es gibt keine Tests mehr, es gibt keine 3G-Nachweise mehr – Stichwort Grüner Pass –, aber es gibt Reiserückkehrer. Also noch einmal: Jetzt haben wir auch noch die letzte Schutzmaßnahme gegen eine Epidemie, nämlich die Quarantäne, außer Gefecht gesetzt."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Virus wird wieder mutieren

Damit rechnet der Experte gegen Ende der Ferien oder spätestens im Herbst mit einer außergewöhnlich hohen Anzahl an infizierten Personen. Das wiederum bringe das Gesundheitssystem immer weiter ins straucheln: "Ganz ehrlich, meine Kolleginnen und Kollegen, die Pflegekräfte sind am Limit. Da verlassen immer mehr ihren Arbeitsplatz und sagen 'ich kann nicht mehr'. Also das wird uns auch noch Probleme einbringen."

Das noch größere Problem sehe er mit dem Ende Isolationspflicht, dem damit ungehinderten flottieren des Virus und einer hohen Anzahl an Infizierten jedoch darin, dass das Virus dadurch noch schneller und einfacher mutiere. "Es geht auch darum, wie wir diese Virus quasi hofieren, dass es sich möglichst verbreitet und sich auch verändern kann. Was uns letztendlich Nachteile bringen wird."

Kein Best Case mehr

Schon jetzt könne er von den vier prognostizierten Szenarien für den Herbst, den besseren beiden ausschließen. "Wie schlimm es sein wird, hängt von mehrere Faktoren ab, einerseits von begleitenden Maßnahmen, andererseits von der Impfkampagne. Und nicht zuletzt auch, ob sich das Virus nicht vielleicht so verändert ,dass es uns aufgrund der aktuellen Variante (sämtliche Omikron-Sublinien, A.d.R.) auch noch Kopfzerbrechen bereiten wird."

Das Quarantäne-Aus komme ausgerechnet in einer Situation in der wir bisher noch nicht waren, "nämlich einer sogenannten Sommerwelle, die deutlich länger andauert als man sich das am Anfang eigentlich erhofft hat. Wir sprechen schon noch über ein Virus das hochinfektiös ist, infektiöser als seine Vorgänger, beziehungsweise über eine Variante, die in Gefährlichkeit mit Delta vergleichbar ist."

Kranke werden Arbeitsplatz aufsuchen

Gerade jetzt solle man unbedingt Vorsicht walten lassen, die Quarantäne nicht abschaffen, sondern andere Spielräume wahrnehmen, wie die Intervalle, neue Anreize für die Impfung schaffen und über weitere Schutzmaßnahmen in den öffentlichen Verkehrsmitteln nachdenken. "Es braucht eine Balance mit wenigen Maßnahmen, die effektiv sind aber die man immer macht. Es braucht einen Automatismus und dazu gehört, dass man impfen geht, dass man verantwortungsvoll ist und dass man da oder dort eine FFP2- Maske oder einen Mund-Nasen-Schutz trägt. Das wäre aus meiner Sicht ein Weg den man beschreiten kann."

Eine Eigenverantwortung in Bezug auf Kranke, die zu Hause bleiben, schließt Hutter schon jetzt aus. "Es gibt genügend Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz besuchen, auch wenn sie definitiv in einem Zustand sind, in dem sie zu Hause bleiben sollten – das war schon vor Covid so und das hat sich auch jetzt nicht geändert."