Schon 500.000 Geimpfte in Österreich

Gesundheitsminister Rudolf Anschober
Gesundheitsminister Rudolf AnschoberGEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com
Vor einem Jahr wurde die Corona-Krise von der Weltgesundheitsorganisation zur Pandemie hochgestuft. Politiker und Mediziner ziehen ein Fazit.

Vor zwölf Monaten wurde die Coronakrise offiziell zur Pandemie gemacht. Mehrere Lockdowns, in leichter und harter Ausprägung, und zahlreiche Verordnungen und Sonderregeln später steht Österreich aktuell vor der Herausforderung, den Wettlauf gegen diverse Mutationen zu gewinnen. Großer Trumpf: Die Corona-Impfung. Weil das Coronavirus aber noch immer das präsenteste Thema des Alltags ist, ziehen Politiker und Mediziner ein erstes Fazit. 

Experten am Wort

Am Freitag lädt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) anlässlich des Themas "Ein Jahr Pandemie in Österreich" zu einer Pressekonferenz. Zusammen mit Danielle Spera, Leiterin des Jüdischen Museums, Günter Weiß von der Universität Innsbruck, Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Virologin der Meduni Wien, Niki Popper, Simulationsforscher der TU Wien sowie Michael Musalek, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie wird Anschober auf die vergangenen zwölf Monate zurückblicken und auch einen Ausblick wagen. Im Stream kannst du die PK live verfolgen:

Anschober blickt zurück

Das Coronavirus hätte unser Leben "zutiefst" eingeschnitten, beginnt Minister Anschober seine Ausführungen. Vor einem dreiviertel Jahr habe man von einer Impfung geträumt. Am 25. Februar wurde in Österreich in Innsbruck erstmals ein Pärchen positiv auf das Coronavirus getestet. Am 12. März gab es den ersten Covid-Todesfall, vier Tage später kam es zum ersten Lockdown in Österreich, erinnert sich Anschober. 

Nach dem ersten Lockdown sei es zu einer erfreulichen Entwicklung gekommen. Über fünf, sechs Monate hinweg habe es in Österreich ein normales Leben geben können. Allerdings habe man gewusst, dass im Herbst eine zweite Welle auftreten würde. Diese sei in Europa unglaublich stark aufgetreten. Die Zahl von über 8.300 Corona-Toten bezeichnet Anschober als "schlimmste Zahl". Denn das Verhindern von Todesfällen stehe an erster Stelle beim Ergreifen von Maßnahmen. Nachdem Österreich schon an der Grenze der Intensivkapazitäten stand, sei die Auslastung aktuell in einem relativ stabilen Zustand. 

500.000 Geimpfte am Wochenende

Bei den Testungen habe Österreich "einen tollen Verlauf genommen", so Anschober. Im März 2020 stand man bei 2.000 bis 3.000 Testungen am Tag. Mittlerweile wären es mehr als 150.000 pro Tag. Was einen Ausblick nach vorne betrifft, erklärt Anschober, dass die "britische" Mutation B.1.1.7 in Teilen Österreichs die dominante Virusvariante ist. Das führe dazu, dass die Zahlen leicht steigen. Aus Sicht Anschobers in einem noch "nicht dramatischen" Zustand. Entscheidend sei die Zeit bis Ostern. Gemeinsam könne es gelingen, aus der Krise herauszukommen. 

Anschober nennt fünf Punkte, die die aktuelle Strategie ausmachen: 1. Herr über Mutationen werden und ein genaues Bild bekommen. 2. FFP2-Maske: "Höherem Ansteckungsrisiko muss mit erhöhten Maßnahmen entgegengetreten werden". 3. Testungen wurden dramatisch erhöht. Dadurch wird die Dunkelziffer geringer. Ein Teil der Steigerung sei dadurch begründet, dass man genauer hinsieht. 4. Contact Tracing: Es muss "schnell und präzise" funktionieren. "Hier ist Tempo gefragt", sagt Anschober. 5. Impfungen. Grenze von 500.000 Impfungen wird am Wochenende überschritten, davon 250.000 mit voller Immunisierung. 

Danielle Spera spricht über Covid-19-Erkrankung. 

Die frühere ZIB-Lady und nunmehrige Leiterin des jüdischen Museums habe es früher für "undenkbar gehalten", sich mit Covid-19 zu infizieren. Sie habe stets die Maßnahmen eingehalten und sich nachweislich auf einem Flug angesteckt. Sie führt aus, dass bei ihr der Geschmacks- und Geruchssinn bis heute nicht zurückgekommen sei. Sie habe die Langzeitfolgen unterschätzt, erklärt Spera. 

Ihr Mann habe sich ebenfalls infiziert und musste nach zehn Tagen sogar in krankenhäusliche Obsorge. Als Leiterin eines Museums appelliert sie an die Politik, Kulturstätten rasch wieder zu öffnen, wenn dies möglich sei. Abschließend bedankt sich Spera bei allen in der Gesundheitsbranche tätigen Menschen. 

Weiß: "Wissen über Covid mehr, als über andere Viruserkrankungen"

Der Mediziner Günther Weiß ist aus Innsbruck zugeschaltet. Weiß behandelte die ersten Corona-Patienten in Österreich. "Wir haben die Vielfältigkeit und die Tücken dieser Krankheit kennen gelernt", sagt er. Eine Viruserkrankung sei noch nie so intensiv beforscht worden, wie Covid-19. Somit wisse man über die Erkrankung mehr, als über viele andere Viruserkrankungen, führt der Mediziner aus. Eine Tücke von Corona sei, dass nach rund einer Woche Komplikationen auftreten können. 

Bedauernd sei, dass es immer noch kein wirksames Medikament gegen Covid-19 gebe. In der Frühphase stünde das Virus im Fokus. Im späteren Verlauf spiele das Virus eine kleinere Rolle. Dann gehe es um die Symptombekämpfung. Denn das Virus würde das Immunsystem "in den Wahnsinn" treiben, Atemnot etwa sei die Folge, dies müsse dann behandelt werden. 

Puchhammer-Stöckl: "Impfungen kamen bewundernswert rasch"

Die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl geht nun auf den virologischen Aspekt ein. Im Falle des SARS-CoV-2 hätte man innerhalb kürzester Zeit die Virussequenz gekannt, auch ein PCR-Test sei unheimlich schnell entwickelt worden. Die Varianten und deren Nachverfolgungen sind für die Wissenschaftlerin ebenfalls "bemerkenswert". Die Frage nach dem Schutz nach einer Impfung sei Gegenstand von intensiven Forschungen. Zu wissen, wie lange man nach einer Impfung geschützt sei, sei die entscheidende Frage, die viele derzeit zu beantworten versuchten. 

Simulationsforscher Popper und Neurologe am Wort

Seine Aufgabe sei es, Wissen zu liefern, auf deren Grundlage in weiterer Folge Entscheidungen getroffen werden. Popper gibt einen Überblick über die bisherige Forschung. Auf Grund von Erkrankungen und Impfungen seien derzeit zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Menschen in Österreich immun gegen eine Covid-19-Erkrankung. 

Den Abschluss der Redner macht Michael Musalek. Der Facharzt für Psychiatrie und Neurologie erklärt, wie viel der Mensch aushalten kann. Problematisch wird es bei lange andauernden Belastungen. Diese würden die Menschen reizbarer und aggressiver machen. Das sehe man etwa bei der Zunahme der häuslichen Gewalt. Betroffene dieser "psychosozialen Pandemie" sind jene, die schon vor der Krise psychisch krank waren. Auch Personen mit wirtschaftlichen oder beziehungstechnischen Problemen seien anfälliger, in der Corona-Krise psychisch zu erkranken. 

Menschen in aussichtsloser Situation

Auch die Jugendlichen sollten jetzt in den Fokus rücken. Denn in eine Heimsituation gedrückt zu werden, sei etwas "ganz Furchtbares". Woran leiden wir in einer solchen Krise? Zum einen an der Krankheit und an der Sorge, dass sich geliebte Menschen damit anstecken könnten oder es getan haben. Aber auch an den Maßnahmen würden wir leiden. Musalek beharrt aber auf der Feststellung, dass wir sie brauchen. 

Was kann man tun? Zum einen müsste man akzeptieren, dass die Situation so ist, wie sie ist - mit all den Vorteilen und Nachteilen. Viele Menschen wähnen sich nun in einer aussichtslosen Situation, wirtschaftlich oder sozial. Der Psychiater erklärt allerdings, dass aussichtslos nicht ausweglos bedeutet. Man erkenne nur den Ausweg aktuell womöglich nicht. Nun gehe es für die Gesellschaft darum, "Exit-Strategien" zu entwickeln. 

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