Zwischen alten Backsteinfassaden und den Klängen der Beatles lebt ein Mythos, der weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlt: der FC Liverpool. Ein Klub, getragen von Leidenschaft.
Im Sommer wird auch ein Österreicher den einzigartigen Flair der "Reds" aufsaugen - Ifeanyi Ndukwe. Der U17-Vizeweltmeister wechselt von der Austria zum 20-fachen englischen Meister, wird vorerst bei der U21 lernen.
"Heute" reiste für einen Lokalaugenschein nach Liverpool, durfte dank Vereins-Sponsor Interwetten das AXA Trainings Centre besichtigen - jenen Ort, an dem Rohdiamanten geschliffen und an die Profis übergeben werden.
50 Millionen Pfund wurden in den Komplex, der sich eine halbe Autostunde außerhalb des Stadtzentrums befindet, investierst. "Jürgen Klopp wollte es so", erzählt Guide Scott. "Die Profis haben früher in Melwood, das etwa fünf Meilen von hier entfernt ist, trainiert."
Um Nachwuchs und Stars am selben Ort zu haben, wurde die früher als "The Academy" bekannte "Fußball-Schule" 2020 erweitert. Seitdem bewohnen die Profis die Nordseite und die U-Mannschaften die Südseite des hochmodernen Gebäudes, das unter anderem einen Indoor-Trainingsplatz, Fitnessräume, Essbereiche, Padel-Courts und mehr zu bieten hat. "Klopp ist oft auf den Balkon gegangen und hat den Talenten von oben zugesehen", erzählt Scott. "Für die Motivation der Jungs natürlich enorm wertvoll."
Spannend: Obwohl der Deutsche seit zwei Jahren nicht mehr bei Liverpool tätig ist, fällt der Name auffallend oft. Und auch rund ums Stadion an der Anfield Road ist Klopp allgegenwärtig. Murals - gigantische Wandmalereien - zieren die Fassaden der Backsteinhäuser. "Jürgen erinnerte uns daran, wer wir schon immer waren", steht auf einem Schriftzug.
Straßenhändler verkaufen in den schmalen Gassen zum 1884 (!) erbauten Fußball-Tempel nach wie vor Schals mit dem Konterfei des Ex-Coaches, der mittlerweile für Red Bull tätig ist.
Der Wechsel zum rot-weiß-roten "Dosen-Imperium" sorgte bei Anhängern des Arbeiterklubs zunächst für Diskussionen. Die Kritik: Klopp habe sich kaufen lassen.
Dabei sind die "Reds" längst selbst ein globaler Konzern, wird der Slogan "You’ll Never Walk Alone" in Perfektion vermarktet und zu Geld gemacht. Sogar drei Stunden vor Anpfiff werden noch Stadion-Touren verkauft, ein zweistöckiger Merchandise-Shop bietet Produkte vom Baby-Strampler über gebrandete Taschentücher bis zum Retro-Trikot an.
Und: Auch die Ticketpreise gingen in den letzten drei Jahren um 13 Prozent in die Höhe. Eine Tatsache, gegen die sich die Anhänger nun wehren. Am Samstag beim 3:1-Sieg gegen Crystal Palace verzichteten die Fans auf Banner und Fahnen, hielten sie in Minute 13 vorab verteilte grellgelbe A4-Karten in die Höhe. "Achtung! Anfields Seele ist bedroht", stand darauf geschrieben. "Saisonkarten nähern sich den 1.000 Pfund." Im Visier: Klub-Haupteigentümer John Henry.
Dass der kreative Protest wirken kann, bewies Manchester City. Dort führte eine ähnliche Aktion zum Erfolg, wurden die Preise "eingefroren".
Fakt ist: Die Nachfrage nach Tickets bleibt hoch. "Alle Heimspiele sind ausverkauft", sagt Ian, der "Heute" durchs Stadion führt. "Wir könnten jede Woche 100.000 Karten verkaufen." Allerdings passen "nur" 61.000 rein. "3.000 Tickets bekommt das Gäste-Team."
Das war am 34. Spieltag eben Crystal Palace mit Trainer Oliver Glasner. Der nächste Fußball-Österreicher an der Anfield Road wird aller Voraussicht nach Ndukwe sein.