"Loop Hero" im Test: Darum ist das Roguelike ein Hit

"Loop Hero" kommt mit Pixel-Grafik und Auto-Kämpfen recht simpel daher. Der PC-Titel löst aber trotzdem zurecht gerade einen riesigen Game-Hype aus.

Kaum ein Spiel kommt so aus dem Nichts und legt dann einen Start mit Zehntausenden Verkäufen am ersten Tag hin. Dabei sieht man "Loop Hero" sein Hit-Potential eigentlich gar nicht an. Denn das Roguelike von Four Quarters und Devolver Digital sieht zu Anfang einfach mal grob pixelig und nicht gerade detailverliebt aus. Aus der Vogelperspektive läuft ein kleines Männchen einen mehr oder minder verwinkelten Rundkurs immer wieder ab, der Rest ist in Schwarz getaucht.

Soweit, so unspektakulär. Weder gibt es sonderlich schöne Elemente, die sich aus der Szenerie hervorheben, noch kann die Ansicht vergrößert oder gedreht werden. Und die doch teils sehr nett gestalteten Figuren gehen, je mehr Elemente in der Spielwelt erscheinen, schnell im Gewusel unter. Doch nach und nach zeigt das Spiel seine eigentlichen Stärken, bevor der Spieler vom Gameplay-Sog so richtig gepackt wird und einfach nicht mehr aufhören kann, "Loop Hero" zu zocken.

Runde um Runde zum Ausbruch

Die Geschichte von "Loop Hero" ist schnell erzählt: Ein mächtiges Wesen hat es irgendwie geschafft, die Welt in einer zeitlosen Schleife gefangen zu halten. In dieser startet der Spieler als Held ohne Erinnerung in einem Lager – und versucht aus seinen Rundkurs-Durchgängen, in denen er immer mächtiger werden kann, auszubrechen. Bis man aber sein Ziel erreicht, heißt es erst einmal Runde um Runde drehen, immer mehr Waffen und Stärke zu gewinnen und das Lager auszubauen.

Auf den Wegen des Helden warten dabei allerlei Monster wie menschliche Feinde, aber auch Vampire und mächtige Bosse, die besiegt werden müssen. Das alles läuft automatisch ab: Trifft die Spielfigur auf einen Feind, schaltet das Spiel auf einen sehr detailarmen Kampfbildschirm um, auf dem sich die Gegner auf die Mütze geben. Die einfachen Animationen werden von ebenso simplen Piep-Tönen begleitet – ein scharfer Kontrast zur sonst so schön gelungenen Hintergrundmusik.

Deswegen macht es trotzdem Spaß

Warum "Loop Hero" trotz vieler automatischer Abläufe so einschlägt, liegt am übrigen Gameplay. So streift man bei jedem gewonnenen Kampf Waffen und Ausrüstung ein, erhöht die eigenen Fähigkeits-Werte und sammelt auch noch gleich Rohstoffe, um das Lager auszubauen. Alle Mechaniken sind dabei simpel gestaltet, greifen aber sehr komplex ineinander und verändern die Spiel-Erfahrung überraschend drastisch. 

Waffen, Schilde und Rüstungen schützen nicht nur besser vor Angriffen und machen unsere Figur stärker, sie sind auch gleichzeitig das Klassen-System von "Loop Hero". Sie bestimmen Angriffsarten und Stärken und bieten sogar teilweise Set-Boni, die die Fähigkeiten der Feinde nutzen. So können etwa Vampir-Sets Feinden die Gesundheit aussaugen. Hier gibt es Dutzende Effekte zur Auswahl – was zum Experimentieren und Ausprobieren einlädt.

Ziemlich verzahntes Gameplay

Ganz so einfach ist es mit schnellem Experimentiere aber nicht. Leider müssen alle Ausrüstungsgegenstände in der Übersicht immer von Hand gewechselt werden – weder gibt es eine Schnell-Auswahl, noch eine Wechsel-Option für gesammelte Sets. Während nach und nach die Charakterwerte erhöht werden, kommt das Lager und die Roguelike-Mechanik ins Spiel. Überraschenderweise startet man nämlich nach einem Spieltod vor dem Erreichen des Lagers am Ende des Durchgangs erstmal ohne die zuvor gesammelte Ausrüstung und ohne den Großteil der geskillten Werte neu.

Schafft man es dagegen bis zum Basis-Lager, kann dieses mit den gesammelten Rohstoffen ausgebaut und erweitert werden, wobei neue Gebäude entstehen, in denen künftig Waffen und Items für den Start des nächsten Spiel-Durchgangs als "Starthilfe" produziert werden können. Gebäude in der Basis beeinflussen ebenfalls die Werte der Spielfigur – und ebenso, welche Umgebungen wie Wiesen oder Berge es in der Nähe gibt. Doch nicht alles wird vom Titel bis ins Detail erklärt.

Darum ist das Roguelike ein Hit

Und noch eine andere Besonderheit bietet das Spiel: Die jeweiligen Kurse für die "Loops" können zum Teil selbst gestaltet werden. Dies geschieht durch Karten, die man in der Spielwelt platzieren kann und damit selbst bestimmt, ob man etwa erst auf starke oder schwache Feinde trifft oder nach wie vielen Kämpfen ein Dorf auftauchen soll, in dem man seine Gesundheit regenerieren kann. Doch auch das Errichten und der Ausbau des Lagers ist mit Gefahren verbunden, denn in der Nähe siedeln sich gerne Banditen an, die dann wiederum den nächsten Anlauf noch schwerer machen wollen.

Achja, auch die Story bleibt nicht zurück: Von Boss zu Boss – sie erscheinen beim Absolvieren einer bestimmten Anzahl an Runden – hangelt man sich durch die Kapitel, wobei die Geschichte von Nicht-Spieler-Charakteren in Textform erzählt wird. Weil dabei der Witz nicht fehlt, ist die Handlung durchaus amüsant. Mit jedem Kapitel wächst zudem die Größe und die Zahl der Gefahren am Rundkurs. Wer weniger Wert auf Grafik und Präsentation legt und mit immer härter werdenden taktischen Herausforderungen Spaß hat, liegt beim witzig erzählten "Loop Hero" jedenfalls goldrichtig.

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