Wien

"Ludwigs Alleingang forciert private Feiern weiter"

Der Bund öffnet, Wiens Stadtchef Ludwig bremst – und die Nachtgastronomie schäumt! Der Alleingang des Bürgermeisters schaffe "neue Sorgen".
Claus Kramsl
16.02.2022, 19:09

Am Mittwoch gab die Bundesregierung das Aus für 2G in Kaffeehäusern und Restaurants sowie in den Clubs und Bars bekannt. Ab 5. März soll diese spürbare und von vielen lang ersehnte Erleichterung der Corona-Regelungen in ganz Österreich in Kraft treten – "Heute" berichtete.

In ganz Österreich? Nein, Wiens Stadtchef Michael Ludwig verkündete kurz nach den Lockerungs-Ankündigungen des Bundes, dass seine Stadt diesen Schritt nicht mitmacht und lieber den vorsichtigen Wiener Weg weiterbeschreitet. Ludwig will vorerst bei 2G in Restaurants und Co bleiben. Für die Nachgastronomie könne er sich sogar 2G+ – also geimpft oder genesen plus getestet – vorstellen. "So setzen wir konsequent den Wiener Weg fort, den wir von Beginn der Pandemie eingeschlagen haben. Im Mittelpunkt steht immer die Gesundheit der Menschen dieser Stadt", sagte der Stadtchef dazu.

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Nachtgastro-Sprecher ortet "weitere Verunsicherung"

“Der Alleingang von Bürgermeister Ludwig führt zu weiterer Verunsicherung der Wiener Nachtgastronomen. Nach zwei Jahren der durchgehenden Schließung bedarf es klarer An- und Zusagen und nicht neuer Sorgen. 2G oder gar 2G+ wird nur dazu führen, dass die Tagesgastronomie den Job der Nachtgastronomie übernimmt; ab 22 Uhr wird das Licht hinunter und die Musik hinauf gedreht. Ebenso werden private Feiern weiter forciert", erklärt Stefan Ratzenberger, Obmann des Verbandes der Österreichischen Nachtgastronomen. Er warnt: "Ein wirtschaftspolitischer Leichtsinn im Wissen, dass mit Ende März alle Wirtschaftshilfen auslaufen."

FPÖ ortet "Napoleon-Komplex" bei Ludwig

Und auch der Aufschrei von ÖVP und FPÖ ließ nicht lange auf sich warten: "Dieser Sonderweg der Stadt ist für viele Menschen eine Belastung und für die Wirtschaft immer schwerer tragbar", kritisiert VP-Landesparteiobmann Karl Mahrer. Der Wiener FP-Chef Dominik Nepp ortet beim Bürgermeister gar einen "Napoleon-Komplex". "Lockdown-Ludwig" schere sich "einen Dreck um Verhältnismäßigkeit, evidenzbasierte Maßnahmen oder um einen Zusammenhalt der Gesellschaft", so der FPÖler weiter.

Die Freiheitliche Wirtschaft im Nachbarbundesland Niederösterreich beweist in Reaktion auf die Wiener Zurückhaltung bei Gastro-Lockerungen Galgenhumor: "Wenn Ludwig die Gäste in Wien nicht haben will, bei uns in Niederösterreich sind sie herzlich willkommen", erklärt der Freiheitliche Gastro-Mandatar in der WK-NÖ, Andreas Hufnagl.