Oberösterreich

Lungen-Arzt erklärt, ab wann künstlich beatmet wird

FPOÖ-Chef Manfred Haimbuchner wird künstlich beatmet. Lungen-Spezialist Bernd Lamprecht erklärt – ganz allgemein – wie diese Therapie eingesetzt wird.
Peter Reidinger
21.03.2021, 16:47

Diese Meldung schockierte am Freitag: Manfred Haimbuchner, Chef der FPOÖ, LH-Vize und 42 Jahre jung, ist schwer an Corona erkrankt. Er wird im Kepler Klinikum künstlich beatmet. Näheres zu seinem Gesundheitszustand wollte die FPÖ am Sonntag nicht sagen. Zuletzt hieß es, die Behandlung würde sich "über mehrere Tage erstrecken".

Warum es dazu kommen kann, dass auch junge Menschen aufgrund einer Corona-Erkrankung im Spital behandelt werden müssen, weiß Bernd Lamprecht. Der Chef der Lungenabteilung am Kepler Klinikum erklärt im Gespräch mit "Heute" ganz generell, ab wann bei Patienten künstliches Beatmen nötig ist. 

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So kommt es zur Atemnot

"Das Virus betrifft nicht nur die oberen Atemwege, sondern kann auch die tieferen betreffen", so Lamprecht. Wenn sich in den Lungenbläschen eine Entzündung bildet, würde das die normale Tätigkeit der Lunge behindern. "Wenn die Bläschen entzündet sind, kann der Sauerstoff nicht mehr so gut aufgenommen werden". Folge: Atemnot. 

Die Patienten würden dann schneller atmen, oft kämen Stress und Angst bei Patienten hinzu. Außerdem sei das verstärkte atmen körperlich anstrengend, so Lamprecht.

 Es gibt drei Stufen bei der Therapie der Atemnot

Im Spital gibt es dann mehrere Möglichkeiten zur Therapie. Bei leichten Fällen wird durch kleine Schläuche durch die Nase Luft mit hohem Sauerstoffgehalt zugeführt (in normaler Luft sind das 21 Prozent).

"Wenn das nicht ausreicht, kann die Atemarbeit über eine Maske unterstützt werden", so Lamprecht. Der Patient ist dabei bei Bewusstsein, wird beim Atmen unterstützt.

Sollte auch das nicht ausreichen, wird die künstliche Beatmung eingesetzt. "Dabei atmet der Patient nicht mehr selbst, die Maschine führt Luft zu". Der Körper könne sich dadurch besser erholen. 

Die Entzündung in der Lunge wird dabei ständig beobachtet, sobald die Lunge wieder besser selbst atmen kann, wird schrittweise der Weg zurückgegangen (Unterstützung der Atmung, Sauerstoffzufuhr, schließlich eigenständiges Atmen).

Manfred Haimbuchner im "Heute"-Interview Anfang Februar. Derzeit liegt der FPOÖ-Chef auf der Intensivstation des Linzer Kepler Klinikums.
fotokerschi.at

Längere Erholung nötig

Warum aber wird oft versucht, die künstliche Beatmung so lange wie möglich zu vermeiden? "Weil nach einer künstlichen Beatmung längere Erholung nötig ist", so Lamprecht. Schließlich seien die Patienten dabei ja im künstlichen Tiefschlaf. 

Generell gelte, dass die Erholung nach der künstlichen Beatmung auch nach Ende des Spitalsaufenthaltes noch Wochen dauern könne. 

Die meisten Patienten erholen sich vollständig

Die gute Nachricht für Patienten, die nach einem schweren Verlauf genesen sind: Entgegen den Befürchtungen zu Beginn der Pandemie erholen sich auch Patienten schwerer Verläufe meistens vollständig ohne Schäden an der Lunge. "Die Mehrzahl erholt sich vollständig", so Lamprecht.

„"Schwerer Verlauf kann jedem passieren"“

Ob ein Verlauf schwer oder leicht ist, hängt laut Lamprecht vom Immunsystem und der Virendosis ab. Betroffen seien von schweren Verläufen auch junge, gesunde Menschen, so Lamprecht: "Das kann bei jedem passieren", warnt er.

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