Während Scotland Yard nun mit einem Phantombild nach Madeleines Entführer sucht, ist jener der Zeuge, der im Zuge der neuen Ermittlungen den Stein ins Rollen gebracht hat, empört. Er wirft den Behörden vor, seine damalige Aussage nicht sofort ernst genommen zu haben. Am Mittwoch kommen die Eltern der vor sechs Jahren in Portugal verschwundenen Madeleine McCann nach Deutschland. Am Abend (20.15 Uhr) stehen sie in München für die ZDF-Fahndungssendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" vor der Kamera.
nach Deutschland. Am Abend (20.15 Uhr) stehen sie in München für die ZDF-Fahndungssendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" vor der Kamera.
Der pensionierte Geschäftsmann Martin Smith und seine Familie machten am 3. Mai 2007, dem Tag als die dreijährige Maddie aus einer Clubanlage in Praia da Luz verschwand, eine wichtige Entdeckung. Sie sahen damals, wie ein Mann ein Kind in der Hand trug und meldeten die Beobachtung auch der Polizei.
Doch laut Smith ignorierten die Ermittler die Information, da sie gerade einem anderen Verdächtigen auf der Spur waren, der sich 45 Minuten zuvor in der Nähe befunden hatte. Dieser stellte sich später als ein Tourist heraus, der mit seinem eigenen Kind unterwegs war.
"Überrascht, dass sie sechs Jahre gebraucht haben"
Smith glaubt, dass die Behörden die andere Beobachtung zunächst als besonders glaubwürdig erachtetet haben. "Vielleicht hat sie das auf die falsche Fährte gebracht und sie haben unsere Beobachtung nicht ernst genommen. Es überrascht mich, dass es sechs Jahre gebraucht hat, um die andere Sichtung zu verwerfen.
In den letzten 18 Monaten traf Smith zweimal auf Detectives, um bei den neuen Ermittlungen zu helfen. Von einer neuen Wende im Fall Maddie will Smith aber nicht sprechen, schließlich hatte er schon vor sechs Jahren die selben Angaben gemacht. "Wir denken viel an Madeleine und wir würden gerne eine Lösung in diesem Fall sehen", wünscht sich Familie Smith nun.
Sendezeit von "Aktenzeichen XY...ungelöst" verlängert
Die Sendezeit des ZDF-Magazins mit Moderator Rudi Cerne wurde für den Fall von 90 auf 120 Minuten verlängert. Kate und Gerry McCann werden von Detective Chief Inspector Andy Redwood von der Metropolitan Police London begleitet. Bereits am Montag wurde in der BBC im englischen Gegenstück Aufklärungsarbeit geleistet. Daraufhin haben sich etwa tausend Menschen bei der Polizei gemeldet. Darunter waren auch einige Briten, die damals auf Urlaub in der portugiesischen Algarve waren. Nach der Ausstrahlung in den Niederlanden gingen etwa 150 Tipps ein.
In der ZDF-Sendung werden unter anderem die bereits bekannten Phantombilder zweier Männer präsentiert, die sich auf Deutsch unterhielten. "Sechs Jahre lang haben wir nicht aufgegeben, weltweit nach unserer Tochter zu suchen", sagten die McCanns dem ZDF.
"Jetzt gibt es neue Informationen, neue Hoffnung. Wir freuen uns sehr, dass uns "Aktenzeichen XY" die Gelegenheit gibt, den deutschen Zuschauern die neuen Ermittlungsansätze zeigen zu dürfen. Vielleicht können Sie uns helfen, Madeleine doch noch zu finden."
Auch Detective Chief Inspector Andy Redwood, der die neuen Ermittlungen von Scotland Yard leitet, unterstrich, wie wichtig es ist, den Unbekannten zu finden. "Auch wenn dieser Mann der Schlüssel zur Lösung der Untersuchung sein kann oder auch nicht, ist es für uns von großer Bedeutung, mit ihm zu sprechen."
"Kriminalistischer Unsinn"
Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, Christian Pfeiffer, kritisierte die Veröffentlichung der neuen Phantombilder im Fall Maddie allerdings scharf. "Es ist kriminalistischer Unsinn zu hoffen, dass sechs Jahre nach der Tat auf der Basis von damaligen Zeugenaussagen heute Phantombilder erstellt werden können, und dass diese zweifelhaften Bilder auch noch brauchbare Hinweise bringen könnten", sagte Pfeiffer den "Stuttgarter Nachrichten". Dazu sei das menschliche Gedächtnis einfach zu schlecht.
Portugiesen ist Maddie wurscht
Viele Menschen in Portugal, wo Madeleine verschwand, lässt die Entwicklung in dem Fall eher kalt. Während die meisten portugiesischen Medien eher knapp und emotionslos über die neuen Erkenntnissen von Scotland Yard berichten, können sich die Bürger nicht für den Fall erwärmen. "So viele Kinder verschwinden tagtäglich, wieso wird ausgerechnet um diesen Fall so viel Aufhebens gemacht?", lautet der Tenor. Andere sagen geradeheraus, dass sie das Thema nicht interessiert.