Die letzten Jahre waren für Tochter Anja und ihre Mutter die Hölle: Seit der 4. Klasse wurde die sie in der Schule von einer siebenköpfigen Mädchengang gemobbt. Der Übergang in die Sekundarschule hat die Situation nicht verbessert, – im Gegenteil: Die Täterinnen wechselten an dieselbe Schule.
Einschüchterungen und Cybermobbing wurden in letzter Zeit so schlimm, dass die Schülerin sich seit Monaten nicht mehr zu Fuß in die Schule traute. "Fotos und Videos von ihr wurden über Snapchat geteilt, sie wurde bloßgestellt und erniedrigt", erzählt die Mutter. Die Pausen verbrachte Anja nur noch im Lehrerzimmer, musste sie aufs WC, begleitete sie eine Lehrerin. An eine Wand im Skatepark wurden Beleidigungen gegen sie gesprayt.
Auch andere Schülerinnen und Schüler wurden von der Gang terrorisiert: "Sie haben ihnen gedroht: Wenn jemand auch nur mit meiner Tochter spreche, sei er oder sie die Nächste", erklärte die Mutter gegenüber 20 Minuten. Ein Großteil der Schülerinnen und Schüler habe sich nicht mehr getraut, mit ihr zu sprechen, sie sei somit völlig isoliert gewesen.
Immer wieder habe sie bei der Schulleitung vorgesprochen. "Doch sie sagten mir, sie hätten nichts in der Hand, sie könnten nichts machen." Die Tochter habe weitergelitten, depressive Symptome entwickelt und müsse seither zur Kinderpsychologin.
"Klar hätten wir umziehen und die Schule wechseln können. Doch wir wollten nicht einsehen, weshalb wir als Opfer nachgeben sollen, anstatt dass die Täterinnen bestraft werden", sagt B. Mitte Januar dann der traurige Höhepunkt: "Die Mädchen drohten meiner Tochter, sie mit Benzin zu übergießen und anzuzünden", erzählt die Mutter unter Tränen. Auch sie riefen die Mädchen an und sagten, ihr drohe dasselbe Schicksal. "Sie beschimpften mich aufs Übelste und sprachen wüste Drohungen aus. Da hat es mir gereicht". Am selben Tag ging sie zur Polizei und erstattete Anzeige.
Die Mädchen hatten die Drohungen gefilmt, die Daten aber wieder gelöscht. Beweise gab es keine. Nur dank der mutigen Aussage eines anderen Mädchens aus der Schule konnten die zwei Haupttäterinnen schnell identifiziert und zur Befragung auf den Polizeiposten geholt werden.
Mittlerweile wurden die zwei damals 13-jährigen Mädchen mit einem Strafbefehl wegen Drohung und Beschimpfung verurteilt. Für Mutter und Tochter kam die Hilfe aber zu spät: "Ich habe einen Antrag gestellt und meine Tochter von der Schule genommen. Wir sind umgezogen und Anja kann die Oberstufe an unserem neuen Wohnort weiterführen. Leider sind ihre Noten seit den ganzen Vorfällen nicht mehr sehr gut." Sie hofft jedoch für ihre Tochter, dass sie am neuen Ort einen Neuanfang machen kann.
An die Öffentlichkeit geht sie mit der Geschichte, um für die Themen Mobbing und Cybermobbing zu sensibilisieren und andere Betroffene darauf aufmerksam zu machen. "Es geht mir nicht darum, jemanden schlechtzureden oder Vorwürfe zu machen. Aber ich hätte mir im ganzen Prozess mehr Unterstützung gewünscht, insbesondere von der Schulleitung und der Schulpräsidentin", erklärt die Mutter.