Wenn du in der Nacht durch Paris spazierst, kann es passieren, dass dir eine weiße, verschnörkelte Kutsche begegnet, gezogen von einem Schimmel. Wer länger zuschaut, sieht vielleicht sogar, wie der Kutscher einer verdutzten Frau einen gläsernen Schuh überreicht.
In Paris boomen gerade die Anbieter für spektakuläre Heiratsanträge. Besonders zu Valentinstag haben die Kutscher ordentlich zu tun.
"Wir haben immer von einer Märchenhochzeit geträumt", sagt der niederländische Geschäftsmann Sander Castel. Schon im November hat er die Schneewittchenkutsche reserviert. Gemeinsam mit seiner Liebsten fährt er bis zum Eiffelturm, wo der 44-Jährige – begleitet von einem Geiger – auf die Knie geht und um ihre Hand anhält.
Glück gehabt: Sie sagt Ja. "Ich habe gar nicht damit gerechnet. Natürlich habe ich Ja gesagt, er ist ja mein Prinz", erzählt die 40-jährige Shirley Wijgaarts. Sie hat eigentlich nur mit einem romantischen Wochenende in Paris gerechnet. Zufällig hatte sie ein schwarzes Ballkleid eingepackt.
Die Agentur "ApoteoSurprise" verspricht auf ihrer Website: "Kontaktieren Sie uns, und sie wird Ja sagen".
Der Trend zu öffentlichen Heiratsanträgen mit Kniefall und Ring kommt übrigens aus den USA, ähnlich wie die Polterabende. Neben Paris und New York sind auch Venedig und die griechische Insel Santorin beliebte Kulissen für solche Auftritte.
Die meisten Kunden sind Geschäftsmänner oder Unternehmer zwischen 35 und 55 Jahren. Sie kommen aus den USA, Australien, Großbritannien, Singapur oder dem Nahen Osten.
Günstig ist der Spaß aber nicht. Eine Szene mit rotem Teppich und dem leuchtenden Schriftzug "Marry Me" vor dem Eiffelturm kostet rund 2.500 Euro – inklusive Geiger und Video. Die Kutsche gibt’s ab 2.000 Euro, der gläserne Schuh mit eingraviertem Namen schlägt mit 490 Euro extra zu Buche.
"Vor fünf Jahren gab es drei Agenturen in Paris, heute sind es 25", sagt Florian Perrault, Gründer der Paris Proposal Agency. Er setzt vor allem auf Dachterrassen und Bootstouren.
Auch Pariser Luxushotels haben das Geschäft entdeckt. Sie bieten privaten Terrassen, Blumen, Kerzen und Fotografen – natürlich in der Hoffnung, dass die Paare zu ihren Jahrestagen wiederkommen.
Je mehr der Antragsteller zahlt, desto spektakulärer wird das Ganze. Die Agentur "Kiss Me in Paris" hat zum Beispiel eine Schnitzeljagd organisiert, die mit einem Hubschrauberflug zu einem Schloss außerhalb der Stadt geendet hat. Das Schloss stand dem Paar ganz allein zur Verfügung. Das Budget: mehrere Zehntausend Euro.
"Wie der Valentinstag ist der Hochzeitsantrag ein Ritual geworden, das von der Konsumindustrie geprägt wird", meint die Soziologin Florence Maillochon. Wer auf eine Inszenierung verzichtet, läuft Gefahr, dass es als mangelnde Zuneigung ausgelegt wird.
Agentur-Inhaber Cengiz Ozelsel versteht die Wünsche seiner Kunden: "Sie wollen, dass der Antrag ein unvergesslicher Moment ist", sagt er. Dazu komme auch ein sozialer Druck, ergänzt seine Frau Chantelle Marie Streete. "Sie wollen davon mit Stolz ihren Familien und Freunden berichten können", sagt sie.
So unterschiedlich die Angebote der Pariser Agenturen sind, eines fällt auf: Angebote für Frauen, die ihren Partnern einen Antrag machen wollen, oder für gleichgeschlechtliche Paare sind auf den ersten Blick kaum zu finden.