In Ungarn hat die von der nationalkonservativen Regierung unter Premier Viktor Orban vereinfachte Einbürgerung für im Ausland lebende ungarische Minderheiten dazu geführt, dass ukrainische, russische und ungarische Mafia-Banden Zehntausende ungarische und damit EU-Pässe verkauft haben.
Bei diesen Reisedokumenten, die das Tor zur EU öffnen, handelt es sich laut dem Internetportal "Index" um Pässe, die an Angehörige der außerhalb Ungarns lebenden ungarische Minderheiten vergeben wurden. Auch ungarische, bestechliche Beamte und Rechtsanwälte sollen involviert sein.
Die Verschärfung der Ukraine-Krise habe das Geschäft, das seit 2010 existiert, weiter angekurbelt, schrieb Index. Demnach erledigten "Vermittler" einen Antrag gegen Bezahlung von 5.000 bis 30.000 Euro. Von dieser Summe seien auch korrupte Beamte bezahlt worden. Ein ausgestiegener "Vermittler" habe zugegeben, in einem Schwung 200 Anträge auf Doppelstaatsbürgerschaft zum Bürgermeister eines ostungarischen Dorfes gebracht zu haben.
Behörden drohen "Aufdeckern" mit rechtlichen Schritten
Das Portal ersuchte das ungarische Amt für Verfassungsschutz um eine Stellungnahme, doch der Geheimdienst habe nicht geantwortet. Stattdessen drohte das Staatssekretariat für Nationalpolitik dem Internetportal mit "rechtlichen Schritten".