Mafiaboss sprengt Frau: Nun soll er bei uns vor Gericht

Gegen Viliam M. wird wegen Mordes ermittelt
Gegen Viliam M. wird wegen Mordes ermitteltTASR
5 Morde und ein Bombenanschlag: In Baden (NÖ) verhafteter Most-Wanted-Verbrecher ist seit 30 Jahren auch österreichischer Staatsbürger

Da ist der niederösterreichischen Polizei ein kapitaler Fang gelungen. Vor zwei Wochen wurde in Baden einer der meistgesuchten Schwerkriminellen Europas gefasst. Eine Zielfahndungseinheit nahm den 63-jährigen Viliam M. bei einem Spaziergang durch die Kurstadt fest. Der gebürtige Slowake wurde seit vielen Jahren von den dortigen Behörden gesucht.

Mafia-Pate mit mehreren Pässen

Wie sich nun zeigt, sind die österreichischen Behörden für den Mann zuständig, da er seit Juli 1989 die heimische Staatsbürgerschaft besitzt – wohl zusätzlich zur slowakischen. Doch keines der beiden Länder wird sich wohl damit rühmen. Ihm wird ein ganze Reihe schwerer Straftaten, teils mit mafiösen Hintergrund, zur Last gelegt.

Der Mann hinter der tödlichen Sprengfalle

Die österreichischen Ermittlungen beziehen sich, wie die APA berichtet, nun konkrekt auf einen Mordanschlag, der im Frühjahr 2009 auf die Schwägerin des Schwerverbrechers - er ist im März 2018 für andere Verbrechen vom slowakischen Höchstgericht in Abwesenheit rechtskräftig zu 23 Jahren Haft verurteilt worden - verübt wurde. Ein Bote hatte der Frau ein Paket ins Haus gebracht, das eine Bombe enthielt. Unmittelbar nach der Zustellung wurde der Sprengsatz zur Detonation gebracht, der Bote kam bei der Explosion ums Leben. Mehrere Personen - darunter die Schwägerin - wurden schwer verletzt. Die Strafverfolgungsbehörden sind überzeugt, dass das Attentat auf Geheiß von Viliam M. durchgeführt wurde.

Jahrzehntelange Gangster-Karriere

Bei Viliam M. dürfte es sich laut slowakischen Medienberichten um einen mafiösen Schwerverbrecher mit einer jahrzehntelangen kriminellen Karriere handeln. Ihm zugeschriebene Verbrechen konnten ihm geraume Zeit nicht nachgewiesen werden. Der Mann soll insgesamt fünf Morde in Auftrag gegeben haben, darunter auch den Anschlag auf den 2004 in Bratislava getöteten Mafiapaten Peter Congrady. Auch seinem eigenen Neffen soll der 63-Jährige nach dem Leben getrachtet haben. Schon Ende der 1990er-Jahre war Viliam M. an einem spektakulären Bankraub mit Millionenbeute beteiligt.

Flucht nach Lateinamerika

Seiner Festnahme hatte er sich immer wieder entzogen, indem er sich rechtzeitig aus der Slowakei nach Venezuela und Belize absetzte. Nachdem er in einem Gerichtsverfahren in Bratsilava (in Abwesenheit)  in letzter Instanz 23 Jahre Haft ausgefasst hatte, wurde von den slowakischen Behörden ein Europäischer Haftbefehl erlassen. Dieser wurde nun nach Hinweisen, dass der Gesuchte bei einem Verwandten in Baden bei Wien untergetaucht war, vollzogen. 

Kampf um den Knast

Jetzt geht es um die Frage der Zuständigkeit der Justizbehörden beider Länder. Die von der Slowakei beantragte Auslieferung wurde vom Wiener Landesgericht für Strafsachen für nicht zulässig erklärt. Da sich der 63-Jährige im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft befindet, muss nämlich zwangsläufig ein Inlandsverfahren geführt werden. Das wird bei der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt angesiedelt sein, wie Sprecher Erich Habitzl bestätigt . Diese Behörde hat auch schon die Verhängung der U-Haft über Viliam M. beantragt.  In jedem Fall wollen die Behörden bilaterial Unterlagen und Dokumente austauschen, um die Aufklärung und rechtliche Aufarbeitung der Straftaten voranzutreiben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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