12 Sozial-Organisationen wurden zum großen "Kanzlergespräch" am Freitag geladen. Der Anlass: "Es ist auch für mich eine gute Gelegenheit einige Dinge ins echte Licht zu rücken", erklärt Karl Nehammer einleitend. Konkret geht es um ein "manipulativ zusammengeschnittenes Video", wie es der Kanzler nennt, welches allerdings noch am Abend der Veröffentlichung auch in ungeschnittener Version bereitgestellt wurde. Teuerungsgeplagten Familien, die sich nicht mehr ausreichend warme Mahlzeiten leisten können, rät er darin, doch McDonald's-Hamburger zu kaufen.
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Das erste Statement des Gesprächs kam von den Sozialmärkten. "Wir vertreten schon die Meinung, dass es einen sinnvolleren Vergleich gegeben hätte." 200.000 Menschen leben am Rande der Armut. Die Caritas-Vertreterin macht auf die Bedingungen von Kindern in Armut aufmerksam und stellt klar, dass Eltern immer das beste für ihre Kinder wollen. "Manchmal ist das nicht so einfach." Den Samariterbund beschäftigt das Thema armutsfestes Gesundheitssystem.
In seiner Replik rechtfertigt sich der Kanzler wieder damit, dass das Video manipuliert worden sein soll und beharrt darauf, dass Eltern verantwortlich für warme Mahlzeiten für ihre Kinder sind. Das Lebensmittel-Thema sei zwar ein dramatisches, schnelle Lösungen könne es hier aber nicht geben. Bei seiner Wortwahl habe er sich an das Setting angepasst. Österreich sei eines der wohlhabendsten Länder der Welt. Natürlich gibt es Armut, aber es gibt auch viel, was dagegen getan wird. Individuelle Fälle mit zu wenig Hilfe werde es immer geben.
Vom AMS wird festgehalten, dass es in Branchen wie der Systemgastronomie mit geringen Gehältern und überwiegender Teilzeit nun mal sehr schwierig sei, mit diesem Einkommen auszukommen. Auch von Arbeit Plus wurde das Problem angesprochen, dass in Sachen Kinderbetreuung und Teilzeit zu wenig getan wurde.
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Nehammer will die Menschen selbstständig und frei machen und sie nicht am "Tropf der sozialen Zuwendung" lassen, erklärt er seinen Ansatz. Bei "working poor" spielt er den Ball an die Sozialpartner weiter, die die Kollektivverträge verhandeln.