Österreich-News

Caritas-Experte sagt, wie du mit wenig Geld durchkommst

Steigende Supermarktausgaben, Strompreise und Mietkosten: Die finanzielle Lage von vielen Menschen spitzt sich zu. Ein Caritas-Mann gibt Geld-Tipps.
28.09.2023, 18:32
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

"Wir sparen bereits jetzt, wo es nur geht und wissen nicht, wie wir nächstes Jahr alle unsere Rechnungen bezahlen sollen", erzählt D. (30) gegenüber "20 Minuten". Die Mutter wohnt in einer 4,5-Zimmer-Wohnung mit ihrem Mann (37) und ihren drei Kindern und dem Familienhund. Die Familie trifft der Prämienschock hart. Trotz eines Budgets von rund 10.000 Euro pro Monat bleiben ihr Ende Monat nur rund 1.000 Euro übrig. Ihre Story liest du hier.

Auf den Artikel über die fünfköpfige Familiehaben sich zahlreiche Leser gemeldet. Viele meinen, ihr Budget sei bereits ziemlich hoch – aber auch viele Österreicherinnen und Österreicher kämen mit weniger Geld gut über die Runden. "Ich verdiene nicht mal die Hälfte davon, habe Familie mit Kind und Tiere und wir leben sehr gut, machen Urlaub, Ausflüge und sogar ein schöner Kombi liegt drin", schreibt ein Leser. "Ich habe weitaus weniger und muss damit meine Familie ernähren", so ein anderer. "Das ist Jammern auf hohem Niveau", findet eine Leserin.

Ein Experte gibt nun Geld-Tipps

Andreas Reinhart, Mediensprecher von CaritasZürich, sagt: "Wie viel Geld man zum Leben braucht, kommt auf verschiedenste Faktoren an, etwa wo man lebt und wie, ob man Kinderzulagen erhält oder nicht oder anderes." Es ist schwierig, die finanzielle Situation von jemandem aus der Ferne zu beurteilen. Allerdings kämen bei Caritas in die Schuldenberatung eher Personen, die mit halb so viel pro Monat für eine Familie durchkommen müssen.

"Es gibt viele Menschen, die den ganzen Tag rennen und für Hungerlöhne arbeiten: Im Abwasch, in der Reinigung oder in der Gig-Economy - zum Beispiel für Uber Eats. "Wenn Dinge teurer werden wie jetzt die Krankenkasse und anderes, rutschen diese Menschen schnell in die Armut."

Für alle, die aufgrund der höheren Kosten den Gürtel enger schnallen müssen, hat Reinhart einige Spartipps zusammengetragen.

Tipp 1: Budgets erstellen

"Schonungslos im Budgetdschungel Ordnung machen und sich dann auch daran halten – das ist das A und O beim Sparen", so Reinhart. Danach solle man entscheiden, gewisse Dinge nicht mehr zu tun – oder in einem anderen Ausmaß. "Durch das Erstellen eines Budgets merkt man, dass man Geld für Dinge ausgibt, die sich anhäufen, wie etwa Abos oder andere Konsumgüter." Personen, denen das Erstellen von Budgets neu ist, empfiehlt Reinhart, Budgetvorlagen im Internet als Hilfestellung zu nehmen. Weiter gebe es verschiedene passende Apps. "Wir von Caritas bieten auch Budgetberatungen an – auch für Menschen, die nicht von Schulden betroffen sind. Personen, für die die Hürde zu groß ist, persönlich vorbeizukommen, können sich anonym online beraten lassen", so Reinhart.

Tipp 2: Essen

"Beim Essen kann man am einfachsten Geld sparen, wenn man immer selbst kocht", sagt Reinhart. Außerdem sollte man auf Aktionen achten und keine Fertigprodukte kaufen. Auch eben mal was beim Döner zu holen summiere sich letztendlich. "Wer nicht immer Zeit zum Kochen hat, kann stattdessen vorkochen, Reste essen oder einfache und schnelle Gerichte wie Nudeln und Gemüse zubereiten."

Tipp 3: Krankenkasse

Ein Punkt, der für Schweizer gilt, denn dort funktioniert das System anders als hiierzulande. "Obwohl das etwas mühsam ist, sollte man beim Thema Krankenkasse den Mehraufwand in Kauf nehmen und die für die eigenen Bedürfnisse günstigste Kasse suchen", so Reinhart. Bei der Franchise empfiehlt er, entweder die niedrigste oder die höchste zu wählen. "Manchmal macht es auch Sinn, mit dem Hausarzt über die eigenen Gesundheitskosten und die Krankenkasse zu sprechen und gemeinsam zu schauen, dass man möglichst wenig ausgibt."

Tipp 4: Wohnen

Bei der Miete gibt es wenig Spielraum für Einsparungen. "Man kann aber an den Nebenkosten drehen: Indem man die Heizung strikt ausschaltet, außer wenn es wirklich kalt ist." Es helfe auch, Geräte oder Lichter in Räumen auszuschalten, in denen sich niemand aufhält. "Was vielleicht nach wenig aussieht, hat übers Jahr gesehen einen großen Effekt."

Tipp 5: Öffentlicher Verkehr

Auch beim öffentlichen Verkehr gelte es, sich Gedanken zu machen und die eigenen Bedürfnisse abzuklären. "Brauche ich wirklich ein Ticket für alle Verkehrsmittel? Und je nachdem ist das Monatsabo auch nicht die günstigste Option." Weiter gebe es die Möglichkeiten der Spartickets und der Tageskarten.

Tipp 6: Auto

"Wer aus beruflichen Gründen sein Auto vorzeigen muss, für den macht Leasing teilweise Sinn", so Reinhart. Als Privatperson komme es beim Thema Auto sehr auf die eigenen Bedürfnisse an: Wie oft und wofür man das Auto braucht oder wie groß es sein muss. "Es macht wenig Sinn, ein billiges Auto zu kaufen, das ein Jahr später kaputt ist." Es gelte, verschiedene Faktoren gegeneinander abzuwägen.

Tipp 7: Bargeld verwenden

"Verteilen Sie das Geld, das Ihnen monatlich für verschiedene Ausgaben zur Verfügung steht, bar in Kuverts", so Reinhart. Eins für den Ausgang, eins für Kleider und so weiter. "Wenn die Kuverts leer sind, sind sie leer. Bargeld ermöglicht Übersicht!"

Tipp 8: Kreditkarte managen

"Psychologisch verleiten Kreditkarten dazu, Geld auszugeben, das man gar nicht hat. Im besten Fall hat man also nur eine Kreditkarte, die man für alles braucht - oder besser gar keine", sagt Reinhart. So könnten Schuldenpotenziale reduziert werden.

Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen