Brief an Grab

Mann von Ex besessen – "nach Mord hörte ich damit auf"

Der Mord an Giulia C. bewegte ganz Italien. Ein Italiener identifiziert sich mit dem Täter – und schreibt in einem Brief, wie ihn der Tod veränderte.
Newsdesk Heute
31.12.2023, 18:02
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"Ciao Giulia", beginnt ein Brief, den der Onkel der ermordeten Giulia C. zwischen den Blumen auf dem Grab seiner Nichte entdeckte. Ein unbekannter Mann schrieb jener Frau, die von ihrem Ex im November getötet worden war.

Der 22-jährige Filippo T. hatte die gleichaltrige Giulia in Vigonovo bei Venedig entführt und anschließend mit mehreren Messerstichen tödlich verletzt. Ihre Leiche warf Turetta später in eine Schlucht unweit des Barcis-Stausees. Eine Woche später fasste ihn die Polizei auf einer Autobahn in der Nähe von Leipzig. Der Mann, der nun dem Opfer schreibt, heißt ironischerweise auch Filippo und ist ebenfalls Anfang zwanzig. Und wie er im Text zugibt, sei auch er von seiner Ex-Freundin besessen gewesen. Doch das tragische Ende Giulias habe etwas in ihm ausgelöst.

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"Ich habe in mich hineingeschaut"

Im Brief erinnert sich Filippo, wie er Giulias Fall in den Nachrichten verfolgte. "In dieser Zeit schrieb ich immer noch meiner Ex, für die ich immer noch Gefühle hatte", heißt es im Brief. Mit der Zeit habe die Frau begonnen, ihn zu ignorieren. "Und ich, der ständig hörte, wie besessen T. von dir war, hörte damit auf", schreibt Filippo. "Ich habe in mich hineingeschaut und versucht, über meine Situation nachzudenken."

Filippo habe plötzlich über sein Verhalten, seine Emotionen, die Art und Weise, wie er damit umging, nachgedacht, schreibt er. Auch wie T.s Freunde und Bekannte sein Verhalten gegenüber Giulia in den Wochen und Monaten beschrieben haben, bevor er sie umbrachte. Filippo vergleicht sich mit dem Täter: "Ich bin überzeugt, dass das, was dir passiert ist, mit kleinen Dingen begann", meint Filippo. Einige Gesten seien "so klein, dass es schwierig ist, es überhaupt zu bemerken".

Dann schreibt er weiter: "Ich empfinde Wut und Mitleid für all die Männer, die weiterhin das Leben von Frauen zerstören. Aber bin ich so anders?" Zum Schluss entschuldigt sich Filippo "nicht nur in meinem Namen, sondern im Namen aller" bei Giulia C. – und bedauert, dass Frauen weiterhin von Partnern oder Ehemännern ermordet werden.

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