Sex gilt als die schönste Nebensache der Welt. Doch sie kann tödlich enden, wie die Analyse von 38.000 Autopsien aus 45 Jahren zeigt. In 99 Fällen (0,26 Prozent) folgte auf das Liebesspiel der Tod, heißt es im "Journal of Sexual Medicine". Meist traf es Männer. Unter den Sextoten befanden sich nur acht Frauen.
Von den Verstorbenen starb etwa ein Drittel beim Masturbieren (38 Fälle). Zumindest seien sie in einer entsprechenden Haltung vorgefunden worden, so die Rechtsmediziner Lena Lange und Markus Parzeller von der Goethe-Universität in Frankfurt. 43 Opfer hätten beim Eintritt des Todes mit einer Geliebten oder einer oder mehreren Prostituierten im Bett gelegen (siehe Box).
In den restlichen Fällen war die genaue Sterbesituation unklar.
Vorsicht bei Vorerkrankungen
Aus heiterem Himmel tritt das Ende aber nicht ein, so Lange und Parzeller: In den meisten Fällen habe es eine Vorerkrankung gegeben – zum Beispiel Arteriosklerose.
Seitensprünge bergen Risiko
Die Frankfurter Rechtsmediziner weisen darauf hin, dass es in Fällen, bei denen ein Ehepartner nach dem Sex entschläft, nicht zu einer Autopsie in der Rechtsmedizin kommt. Todesfälle mit fremdem Sexpartner sind darum in ihrer Statistik überrepräsentiert. Daher zeige ihre Studie nicht eindeutig, ob Seitensprünge tatsächlich besonders gefährlich seien. Allerdings berichteten britische Forscher vor einigen Jahren schon, dass es so ist.
Daraufhin wurde spekuliert, ob die Männer sich bei ihren Seitensprüngen besonders anstrengen oder beweisen mussten. Auffällig war nämlich in allen Fällen, dass die jeweilige Prostituierte oder Geliebte im Schnitt 20 Jahre jünger war als ihr Sexualpartner und 13 Jahre jünger als die Ehefrau.
Damit ist es nicht verwunderlich, dass die Sextoten in der Regel Ende 50 und übergewichtig sind – denn sowohl Alter als auch zu viele Pfunde erhöhen das Risiko für einen Verschluss der Gefäße.
Als Todesursache fanden die Forscher neben den diversen Herzproblemen seltener auch Hirnblutungen oder geplatzte Aneurysmen – krankhafte Ausweitungen einer Schlagader.
Unterlassene Hilfeleistung
Begünstigt werden viele Todesfälle beim oder nach dem Sex laut Forschern um Aapo Aro vom Cedars-Sinai Heart Institute in Los Angeles durch unterlassene Hilfeleistung.
Wie das Team im "Journal of the American College of Cardiology" nach der Auswertung von rund 4500 Fällen von plötzlichem Herztod berichtet, wird nur jeder dritte Betroffene durch seinen Sexualpartner wiederbelebt. (fee)
(fee)