Masken wirken – auch anders als gedacht

Eine Schutzmaske macht eben doch Sinn.
Eine Schutzmaske macht eben doch Sinn.iStock
Richtig getragen sind Masken eine wichtige Komponente im Kampf gegen die Übertragung des Coronavirus. Und das nicht nur, weil sie Tröpfchen abfangen.

Der häufigste Fehler beim Tragen von Masken ist laut Hugo Sax, Leiter Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich, "die Maske in der Tasche zu lassen, wenn man sie eigentlich tragen sollte – immer dann, wenn man irgendwo länger unter Menschen ist und nicht zwei Meter Abstand einhalten kann." Schließlich schützen die Masken die Schleimhäute in Nase und Mund gegen Virenbefall von außen und fangen Viren ab, die man selbst beim Ausatmen, Sprechen, Lachen, Niesen oder Husten freisetzt.

Doch das ist nicht das einzig Gute, das Masken bewirken, wie eine Untersuchung aus dem vom neuartigen Coronavirus stark gebeutelten Norditalien zeigt. Demnach sorgen Masken dafür, dass Menschen zueinander auf Abstand gehen, berichtet Massimo Marchiori, Informatiker und Mathematiker an der Universität Padua, auf dem Reprint-Server Arxiv.org. Eine Maßnahme, die eine wichtige Rolle spielt bei der Eindämmung von Sars-CoV-2.

Abstandskontrolle mit Ultraschallsensor

Weil er zu Beginn der Pandemie kaum Studien zum Social Distancing fand, legte Marchiori, der bereits die Gründer von Google mit seinen Algorithmus- und Suchmaschinenforschungen inspirierte, gemeinsam mit Kollegen selber los. Während zwei Monaten mischten sie sich mit einem Ultraschallsensor ausgerüstet, der Abstände zentimetergenau misst, unter die Leute und hielten fest, wie viel Abstand man zu ihnen hielt.

Zwischen Ende Februar und Ende April haben die Wissenschaftler auf den Straßen von Mestre bei Venedig rund 15.000 Begegnungen gemessen. Etwa 7500 fanden auf Troittoirs, knapp 6300 in Supermärkten statt.

"Signal für Gefahr"

Im Schnitt rückten die Menschen an der frischen Luft auf rund 30 Zentimeter an die Tester heran, im Supermarkt waren es nur knapp mehr: 35 Zentimeter. Die Distanz änderte sich aber, wenn Marchiori und seine Mitstreiter Mund und Nase bedeckten: "Wenn wir Gesichtsmasken trugen, verdoppelte sich dieser Abstand", so der Forscher gegenüber den "Ruhr Nachrichten". "Wenn wir dazu noch eine Schutzbrille trugen, verdreifachte er sich sogar."

Der Forscher folgert daraus, dass uns der Umstand, dass wir Menschen soziale Wesen sind, in Zeiten wie diesen gefährlich wird: "Anstatt Abstand zu halten, tendieren wir aufgrund unserer sozialen Natur zum Kontakt, sogar in der Pandemie." Die Maske könne helfen, das zu ändern. Denn sie "wirkt auf uns wie ein Signal für Gefahr".

Mehrere Studien belegen Wichtigkeit von Masken

Wie wichtig die Bedeckung von Mund und Nase ist, zeigt auch eine im Fachjournal "Pnas" veröffentlichte Studie. Laut dieser hat die Maskenpflicht in Italien und den USA wohl zehntausende Infektionen verhindert. Für Wissenschaftler aus China ist das keine Überraschung: Sie hatten bereits Anfang April im Fachjournal "Nature Medicine" festgehalten, dass selbst einfach Masken Coronaviren zurückhalten können.

Im Fachjournal "The Lancet" spricht sich ein anderes Team für eine Kombination von Maßnahmen aus. Das dürfte "der beste Weg sein, um die Wahrscheinlichkeit einer Virusinfektion oder Übertragung von Sars-CoV-2 zu verringern".

Mit dieser Meinung steht er nicht allein dar. Nach anfänglichem Zögern ist Anfang Juni 2020 auch die Weltgesundheitsorganisation WHO dazu übergegangen, zur Eindämmung von Infektionen die Nutzung von Masken in überfüllten öffentlichen Einrichtungen zu empfehlen.

Die Grafik zeigt, welchen Unterschied die Größe der Tröpfchen macht: Die kleinen fliegen deutlich weiter.
Die Grafik zeigt, welchen Unterschied die Größe der Tröpfchen macht: Die kleinen fliegen deutlich weiter.V. Altounian et al./Science 2020
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