Richard Borcherds ist Professor für Mathematik an der renommierten UC Berkeley in Kalifornien. Doch bei ihm läuft der Unterricht anders als gewohnt: Er benotet keine Hausaufgaben mehr. Der Grund: Künstliche Intelligenz macht es sinnlos.
Schon länger beobachtet Borcherds, dass viele seiner Studenten KI nutzen, um ihre Aufgaben zu erledigen und dabei regelmäßig Bestnoten zu erzielen. Nun hat OpenAI bekannt gegeben, eine ganze Reihe mathematischer Probleme gelöst zu haben - darunter das sogenannte Navier-Stokes-Problem.
"Wenn sich die KI weiterhin im derzeitigen Tempo verbessert, wird es in wenigen Jahren nichts mehr geben, was menschliche Mathematiker tun können, was die KI nicht besser kann", erklärt Borcherds gegenüber The Daily Californian, wie t3n berichtet.
Die Universität hat zwar KI-Detektoren wie Turnitin getestet, kam aber zum Ergebnis, dass sie nicht zuverlässig funktionieren. An einer australischen Uni stellten sich 90 Prozent der KI-Verdachtsfälle als Fehlalarm heraus.
Derzeit bewertet Borcherds die Hausaufgaben nur noch danach, ob sie vollständig abgegeben wurden. Er gibt zu, dass dies "kein besonders gutes System" sei - aber im Moment habe er keine Alternative.
Damit stellt sich auch die Frage, ob ein Mathematik-Studium überhaupt noch Sinn macht. Borcherds weiß selbst nicht mehr, ob er jungen Menschen dazu raten soll. Dabei galt der Beruf vor fünf Jahren noch als besonders zukunftssicher.
"Ich habe keine Ahnung, was ich raten soll. Ich habe sogar ChatGPT genau diese Frage gestellt, und selbst ChatGPT sagte, es habe keine Ahnung, was passieren werde", so der Professor.
Inzwischen hat sich die Association for Human Mathematics gegründet. Sie will die Mathematik als menschliches Fach vor der Bedrohung durch Künstliche Intelligenz schützen.