Mattersburg-Boss verhört – so kämpft Klub um Zukunft

Martin Pucher
Martin Puchergepa
Schwere Zeiten in Mattersburg! Klub-Boss Martin Pucher stolpert über einen Finanz-Skandal, die Zukunft sieht alles andere als rosig aus.

Jahrelang wurden offenbar bei der Burgenländischen Commerzialbank die Bilanzen frisiert. Nun flog der Skandal auf, Martin Pucher ist nicht mehr der große Macher von Bank und Bundesliga-Klub, sondern im Visier der Ermittler. Der 64-Jährige wurde nun auch von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft einvernommen. Er beteuert, er wolle "weiterhin an einer allumfassenden Aufarbeitung und Aufklärung der Geschehnisse mitwirken."

Außerdem gab Puchers Anwalt eine längere Stellungnahme ab, in der er sein Bedauern ausdrückt. "Die Enttäuschung und Fassungslosigkeit über ihn selbst ist es, die es ihm unmöglich macht, dafür eine Erklärung zu finden. Jedes Wort der Entschuldigung oder des Ausdruckes des tiefen Bedauerns muss den Betroffenen – aus verständlichen Gründen – wie ein blanker Hohn vorkommen."

Unklar ist nun nicht nur Puchers Zukunft, sondern auch die des SV Mattersburg, der sich unter Puchers Führung in der Bundesliga etablierte, nun aber ohne Hauptsponsor da steht. Die Klubführung arbeitet laut Coach Franz Ponweise mit Hochdruck daran, den Millionen-Ausfall mit neuen Geldgebern zu kompensieren. "Jeder versucht, seine Kontakte spielen zu lassen", erklärt der Coach.

Die Kaderplanung liegt derzeit auf Eis, auch bei den Spielern sei die Verunsicherung groß. "Das ist verständlich, es geht um ihren Arbeitsplatz", erklärt der Trainer. Derzeit könne man nur "abwarten, bis wir wissen, wie es tatsächlich weitergeht." 

Stand jetzt droht dem Verein der Konkurs. "Wir waren schon auf der Sparwelle, die wurde uns vom Präsidenten ohnehin vorgegeben. Jetzt müssen wir schauen, ob wir mit der nächsten Sparwelle durchkommen oder nicht", meint Ponweiser. Tritt die Insolvenz tatsächlich ein, ist die Zeit in der Bundesliga vorbei. Davon würde WSG Tirol profitieren, die Wattener sind der eigentliche Bundesliga-Absteiger und würden dann in der obersten Spielklasse bleiben.

Das Statement von Martin Pucher im Wortlaut

Am (späteren) Nachmittag des 17.7.2020 fanden umfassende Hausdurchsuchungen durch die WKStA statt. Unmittelbar danach stand Herr Martin Pucher für eine Einvernahme und Befragung bis spät in den Abend zur Verfügung und hat - wie in den letzten Tagen auch schon bereits angekündigt - die Geschehnisse aus der Vergangenheit, soweit das adhoc und ohne Unterlagen aus dem Gedächtnis heraus möglich war, umfassend dargelegt.

Herrn Martin Pucher fällt es schwer, bzw. ist es ihm unmöglich in Worte zu fassen, wie sehr er die Vorkommnisse bedauert. Die Enttäuschung und Fassungslosigkeit über ihn selbst ist es, die es ihm unmöglich macht, dafür eine Erklärung zu finden. Jedes Wort der Entschuldigung oder des Ausdruckes des tiefen Bedauerns muss den Betroffenen - aus verständlichen Gründen - wie ein blanker Hohn vorkommen. Er möchte auf diesem Wege zum Ausdruck bringen, dass ihm dies bewusst ist. Er kann die Entwicklungen nicht rückgängig machen, sondern dafür nur als Vorstandsvorsitzender der Bank die volle Verantwortung übernehmen und sich nach Kräften bemühen, den Schaden nunmehr so gering wie möglich zu halten, indem er keine anderen Personen für sein eigenes Fehlverhalten verantwortlich macht und weiterhin an einer allumfassenden Aufarbeitung und Aufklärung der Geschehnisse mitwirken kann und wird.

Herr Martin Pucher möchte sich abschließend bei all jenen aufrichtig dafür bedanken, die ihm in den letzten Tagen Kraft und Zuversicht gegeben haben.

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