"Mein Zustand ist nichts Besonderes"

Der österreichische Student und Journalist Max Zirngast (29) sitzt in der Türkei in Untersuchungshaft. "Uns geht es gut, macht euch keine Sorgen", lässt er ausrichten.
"Wir bekommen eure Solidaritätsaktionen mit. Das tut gut und ehrt uns sehr. Ich grüße und danke allen, die Solidarität zeigen", heißt es in einer Botschaft von Max Zirngast, die am Donnerstagabend auf der Facebook-Seite "Free Max Zirngast" veröffentlicht und laut dortigen Informationen am Mittwoch verfasst wurde.

Zirngast schreibt weiter: "Ich sitze hier im Gefängnis als europäischer Sozialist, Forscher, Schreiber und Student. Aber hier sitzen auch sehr viele Gefangene aus der Türkei. Genoss*innen, Parlamentarier*innen und sogar Bürgermeister*innen sitzen hier im Gefängnis. Mein Zustand ist in dieser Hinsicht nichts Besonderes. Die Türkei geht durch schwierige Zeiten, es findet derzeit ein Regimewandel statt. Das ist der Grund, warum wir uns hier befinden."

Außerdem heißt es in der Botschaft des 29-Jährigen, dass es leider Realität sei, dass der Kampf für Freiheit und Sozialismus von den Herrschenden angegriffen und kriminalisiert würde. Deshalb sei die internationale Solidarität auch so wichtig.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Abschließend lässt der gebürtige Südsteirer wissen: "Uns geht es gut, macht euch keine Sorgen."



Zirngast wurde am 11. September gemeinsam mit drei türkischen Kollegen von der Anti-Terror-Polizei festgenommen. Am Freitag (21.9.) wurde Untersuchungshaft verhängt. Anklage wurde (noch) nicht erhoben. Bei einer Verurteilung drohen dem gebürtigen Südsteirer, der für mehrere linke Medien zum Teil Türkei-kritische Texte verfasst hat, schlimmstensfalls zehn Jahre Haft. Ihm wird die "Unterstützung terroristischer Organisationen" zur Last gelegt. Zirngast wies vor dem Richter alle Vorwürfe zurück.

Zirngast als "politische Geisel" von Erdogan

Der Präsident des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC), Fred Turnheim, vermutet, dass Zirngast eine Geisel des Despoten Erdogan ist, und zwar deshalb, weil Österreich derzeit die Ratspräsidentschaft in der EU innehat. Das sehen auch die Verantwortlichen der Solidaritätskampagne für den inhaftierten Studenten so. Am Mittwochabend fand ein erstes Treffen der Mitglieder der Bewegung #freemaxzirngast in Wien statt. Mit dabei waren unter anderem auch die ehemalige Grüne Nationalratsabgeordnete Berivan Aslan und der Politologe Thomas Schmidinger von der Uni Wien. Auch Aslan denkt, dass Zirngast als "politische Geisel" gehalten wird. "Das ist kein Zufall, denn Österreich ist einen strikteren Kurs gegen die Türkei gefahren als Deutschland", meinte sie.

Auch eine Online-Petition für die Freilassung des Österreichers gibt es. Diese hat seit dem Start am 19. September schon mehr als 600 Unterstützer (Stand: 27.9., 22 Uhr).

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(ek)

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