Medizinstudentin tauscht WG-Zimmer gegen Segelboot

Marta Magnano lebt jetzt ihren Traum.
Marta Magnano lebt jetzt ihren Traum.Marta Magnano - Boat Sweet Boat
Die Italienerin Marta Magnano lebt auf der "Churingas", einem 10-Meter-Boot. "Der Standplatz ist billiger als mein WG-Zimmer", sagt die Studentin.

Vor rund 20 Monaten hat sich die italienische Medizinstudentin Marta Magnano entschieden, künftig auf See zu leben. Davor hat sich die 30-Jährige eine Wohnung mit anderen Studenten in Cagliari, ihrer Heimatstadt geteilt. "Ich glaube viele träumen davon, aber nur die wenigsten haben den Mut, den Komfort des Festlandes aufzugeben", erzählte Marta gegenüber dem "Corriere Della Serra".

"Ich habe jahrelang darüber nachgedacht", sagt Marta weiter, "aber ich dachte immer, dass sich nur Millionäre überhaupt ein Boot leisten können. Erst als ich Ende 2018 umziehen musste, habe ich aus Spaß auf einem Online-Marktplatz nach gebrauchten Booten geschaut."

Liegeplatz günstiger als WG-Zimmer

Dort hat Marta die "Churingas" entdeckt, ein Boot, das zehn Jahre vor Anker lag – und ein echtes Schnäppchen war. Wie viel sie genau bezahlt hat, möchte die 30-Jährige nicht sagen, aber: "Das Boot lag in einem Studentenbudget und der Standplatz für das Boot kostet mich weniger, als die Miete für eine eigene Wohnung".

Marta musste an Board aber auch einiges tun: Als die Studentin die "Churingas" kaufte, war das Boot in einem miserablen Zustand. Mit viel Aufwand und mit der Hilfe von Freunden hat die junge Frau das Boot inzwischen zu einem Wohnboot umgebaut. "Anfangs war es wirklich nicht schön. Ich habe trotzdem sofort dort geschlafen und es war die beste Nacht meines Lebens", sagt Marta.

Bereits einige Segelerfahrung

Marta hat für sich und das Boot Facebook- und Instagram-Accounts eröffnet und schon nach kurzer Zeit über 10.000 Abonnenten. Dieses Jahr wurde die Studentin sogar zur Bootsausstellung Salone Nautico in Genau eingeladen. "Ich war schon als Kind vom Meer und der Seefahrt fasziniert. Ich bin mit 11 Jahren das erste Mal in einem Segelboot gefahren, mit 13 habe ich bereits anderen Kindern erklärt, wie die Optimisten (kleine Segelboote) funktionieren."

Marta fuhr auch regelmäßig an Regatten mit und hat eine Prüfung abgelegt, mit der sie als Segellehrerin arbeiten darf. Am Meer schätzt sie die Ruhe, gerade wenn es um ihr Studium geht: "Immer wenn ich mich hätte konzentrieren müssen, es aber irgendwie nicht geklappt hat, bin ich nach draußen und habe auf das Meer gesehen. Durch die Stille der Natur wurde ich produktiver."

Eine Influencerin mit einem Traum

Durch Corona hat sich der Uni-Abschluss der 30-Jährigen verzögert – und sich so auch ihre Zukunftspläne verändert. Ursprünglich wollte die Medizinstudentin sich auf Sportmedizin spezialisieren, jetzt hat sie sich aber umentschieden. Sie möchte auf dem Boot Therapiestunden für traumatisierte Kinder anbieten. Bisher erfolgreich: "Ich habe schon sieben Kinder und ihre Mütter mit auf das Boot genommen. Ein Teil von ihnen gehört jetzt zu meiner Crew, wenn ich Regatten segle."

Und ihre Freunde vermisst die junge Frau nicht? Nein: "Ich bin schon immer eine Seefahrerin gewesen, alle meine Freunde sind auch Seefahrer. Wir treffen uns in den Häfen." Was Marta zum Leben sonst so braucht, hat sie dabei. Und glücklich ist sie sowieso nur dann, wenn sie mit dem Wind fahren kann.

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