Die Polizei im kanadischen Toronto hat nach eigenen Angaben einen internationalen Kinderpornoring gesprengt und Hunderte Kinder gerettet. Die Kriminellen hätten vor allem in Osteuropa Fotos und Filme gemacht und dann in Kanada, den USA, Australien und vielen anderen Ländern verkauft. 63 Beschuldigte gibt es in Österreich.
Die Polizei im kanadischen Toronto hat nach eigenen Angaben einen internationalen Kinderpornoring gesprengt und Hunderte Kinder gerettet. Die Kriminellen hätten vor allem in Osteuropa Fotos und Filme gemacht und dann in Kanada, den USA, Australien und vielen anderen Ländern verkauft. 63 Beschuldigte gibt es in Österreich.
"Im Ergebnis der internationalen Ermittlungen wurden 341 Menschen festgenommen und 386 Kinder gerettet", hieß es von der Polizei in Toronto. Der Ring zieht auch Kreise nach Österreich: Laut Mario Hejl, Pressesprecher des Bundeskriminalamtes, sind hierzulande 63 Beschuldigte ausgeforscht worden. Die Männer im Alter von 22 bis 67 Jahren wurden auf freiem Fuß angezeigt.
24 Verdächtige stammen aus Wien, 13 aus Oberösterreich, jeweils sechs aus Niederösterreich und Tirol, je vier aus Salzburg und Kärnten sowie je zwei aus dem Burgenland, der Steiermark und Vorarlberg.
Hausdurchsuchungen auch in Österreich
Die kanadischen Behörden übermitteltet im Zuge der "Operation Spade" (Spaten) den Ermittlern in Österreich die IP-Adressen jener Computer, die kinderpornografisches Material runtergeladen hatten. Weltweit fanden am Donnerstag zeitgleich Hausdurchsuchungen statt - in Kanada um 9.30 Uhr (Ortszeit), in Österreich um 15.30 Uhr.
Viele "alte Bekannte"
Bei den Hausdurchsuchungen wurde umfangreiches kinderpornografisches Material sichergestellt, das nun ausgewertet werden muss. Die Erhebungen sind noch im Gange. Von den 63 Beschuldigten waren schon mehrere Männer den Behörden einschlägig bekannt. 2.300 Datenträger, Festplatten und DVDs mit kinderpornografischem Material wurden in Österreich bei den Beschuldigten sichergestellt, insgesamt 300.000 kinderpornografische Dateien, die gegen Geld downgeloadet wurden.
Bis zu zwei Jahre Haft drohen
Bei uns droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren, wenn man pornografisches Material von Kindern unter 14 Jahren besitzt. Werden sogenannte mündige Minderjährige (14- bis 18-Jährige) abgebildet, droht ein Jahr Haft. Strenger ist der Strafrahmen für die Herstellung oder Verbreitung von Kinderpornos. Dafür drohen bis zu zehn Jahre. Auch das "bloße Ansehen" wird unter Strafe gestellt. Hier drohen bis zu 2 Jahre bei Kindern unter 14 Jahren und ein Jahr für mündige Minderjährige.
Gegen jene Personen, die an der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornos beteiligt waren, geht die heimische Justiz härter vor (sechs Monate bis zu drei Jahr).
Mit dem am 1. Jänner 2012 in Kraft getretenen Kinderschutzpaket wurde auch die wissentliche Betrachtung von pornografischen "Darbietungen" Minderjähriger unter Strafe gestellt. Geregelt ist dies im Paragraf 215a. Darunter fallen beispielsweise Bei Betrachten von Webcam-Aufnahmen gibt es bis zu zwei Jahre Haft.
Über Website verkauft
Kopf der Organisation war den Ermittlungen zufolge ein 42 Jahre alter Mann aus Toronto, der schon im Mai 2011 festgenommen worden war. Der habe sich vor allem in Osteuropa Sexvideos und -fotos mit Kindern, ausschließlich Buben, beschafft. Dafür habe er eine ganze Reihe Partner, die solche Filme und Fotos machten, bezahlt. Über seine Webseite verkaufte er sie dann in der ganzen Welt, hieß es von den Ermittlern.
Auch Pastoren und Polizisten unter den Kunden
Bei dem 42-Jährigen fanden die Polizisten den Angaben zufolge 45 Terabyte Daten mit Hunderttausenden Fotos und Filmen. Letztlich hätten Hunderte Kunden des Kanadiers identifiziert werden können. Von den 341 Verdächtigen seien allein in Kanada 108 festgenommen worden. In den USA habe es 76 und in anderen Ländern noch einmal mehr als 150 Festnahmen gegeben. Nach Angaben des "Toronto Star" gehörten zu den Kunden Lehrer, Trainer, Pfandfinderführer, Pastoren und selbst Polizisten.
Die Ermittlungen hätten im Oktober 2010 begonnen und Polizeieinheiten vor allem aus den USA, aber auch aus Australien, Mexiko, Spanien, Südafrika, Hongkong, Irland, Norwegen, Griechenland, Gibraltar und vor allem den USA beteiligt. Fahndern in mehr als 50 Ländern seien die Ermittlungsergebnisse der Operation "Spade" (Spaten) zur Verfügung gestellt worden.