Mega-Tsunami bedroht Urlaubsparadies

Am Prinz-William-Sund rechnen Forscher mit einem Tsunami binnen der nächsten zwölf Monate.
Am Prinz-William-Sund rechnen Forscher mit einem Tsunami binnen der nächsten zwölf Monate.Picturedesk/APA
Ein heftiges Erdbeben und meterhohe Wellen: Das ist das beunruhigende Szenario, was Forscher für eine Küstenregion in Alaska in Aussicht stellen. Betroffen wären rund 5000 Kilometer Küstenlinie.

Schlechte Nachrichten hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern für eine rund 5000 Kilometer lange Küstenlinie in Alaska, die bei Touristen und Fischern sehr beliebt ist: Der Prinz-William-Sund dürfte in naher Zukunft von einem massiven Tsunami heimgesucht werden, heisst es in einem offenen Brief.

Die Ursache für die bevorstehende Naturkatastrophe findet sich laut den Forschern in einer Seitenbucht der Meeresenge: Dort drohe ein Hang, der infolge des Rückgangs der Gletscherzunge des Barry-Gletschers instabil geworden sei, ins Meer zu stürzen. Die bereits in Bewegung gekommene Gesteinsmasse sei so enorm, dass ihr Abbruch neben Hunderte Meter hohen Wellen auch ein Erdbeben der Magnitude 7 verursachen könnte.

Kommt der Tsunami innerhalb eines Jahres?

Am heftigsten dürfte es laut den Wissenschaftlern die Seitenbucht Barry Arm und den Harriman-Fjord treffen.Auch zum Zeitpunkt der bevorstehenden Katastrophe machen die Forscher Angaben: "Wir gehen davon aus, dass dieser vom Erdrutsch verursachte Tsunami möglicherweise innerhalb der nächsten 12 Monate geschehen wird, wahrscheinlich innerhalb der nächsten 20 Jahre." Darauf lasse der Wachstum des bereits ersichtlichen Risses schliessen (siehe Bildstrecke). Die Bruchkante ist über zwei Kilometer lang und sogar auf Satellitenbildern deutlich erkennbar.

Zwar kommen sogenannte Megatsunamis in arktischen Fjordlandschaften immer wieder mal vor, doch meist träfen diese menschenleere Gegenden, heisst es in dem Schreiben der Wissenschaftler. So löste zuletzt ein Erdrutsch im grönlandischen Karrat-Fjord im Jahr 2017 eine Welle aus, die vier Menschen den Tod brachte und grosse Teile der rund 30 Kilometer entfernten Siedlung Nuugaatsiaq zerstörte, darunter das Kraftwerk. Weil er in der Gefahrenzone für einen weiteren Tsunami liegt, darf der Ort nicht mehr bewohnt werden.

Tsunami könnte Höhe von zehn Metern erreichen

Der größte Tsunami in der jüngeren Geschichte ereignete sich am 9. Juli 1958. Damals kam es in der Lituya Bay zu einem Erdrutsch, bei dem 90 Millionen Tonnen Gestein und Eis in die Bucht stürzten und die Wellen 550 Meter hoch trieben. Zwei Fischer, die zur Zeit des Tsunamis in der Bucht unterwegs waren, verloren ihr Leben.

Am Prinz-William-Sund allerdings könnten die Konsequenzen ungleich tragischer sein, warnt die Expertengruppe. Einerseits, weil sich in der touristisch genutzten Region deutlich mehr Menschen – gemäß Statistiken regelmäßig bis zu mehrere Tausend – aufhielten. Andererseits, weil der instabile Hang mit rund 500 Millionen Kubikmetern "deutlich größer ist und höher liegt" als die Gesteinsmassen bei früheren Tsunamis.Laut den Prognosen der Forscher könnte der Tsunami im mehr als 60 Kilometer entfernten und von Landzungen geschützten Jacht- und Kreuzfahrtschiffhafen Whittier noch rund zehn Meter Höhe erreichen.

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