Mehr als 700 Messer-Attacken in Österreich

Auch 2017 war die Kriminalitätsrate wieder rückläufig. Aber: Tötungsdelikte nehmen zu. Auch der Einsatz von Hieb- und Stichwaffen hat sich seit 2008 vervierfacht.
Am heutigen Donnerstag wurde in Wien die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2017 durch Innenminister Herbert Kickl (FPÖ), die Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit, Michaela Kardeis, und den Direktor des Bundeskriminalamts, General Franz Lang, präsentiert.

Für Kickl ein Grund zur Freude. Nicht nur ist es seine erste PKS-Präsentation, sondern er kann auch die Erfolge seiner Beamten vorzeigen. "Erfreulich in der Kriminalstatistik 2017 ist, dass die Zahl der Anzeigen rückgängig und die Aufklärungsquote über die 50-Prozent-Marke gestiegen ist", sagte der Innenminister. und fordert, dass "zur Abschreckung und angemessenen Bestrafung" von Tätern bei Verbrechen im Bereich der Gewalt- und Sexualkriminalität die Strafen erhöht werden müssen. "Mit der Task Force Strafrecht wurde hier die Arbeit bereits begonnen."

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Zudem wolle Kickl im Bereich der Ausländerkriminalität nachschärfen und will das Asylrecht weiter straffen: Beispielsweise indem "wir wieder Schubhaft für Asylwerber unmittelbar anschließend an eine verbüßte Strafhaft möglich machen."

CommentCreated with Sketch.19 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch.Kriminalität verlagert sich ins Internet

"Wir sind in der Kriminalitätsbekämpfung sehr erfolgreich. Die Gesamtkriminalität ist weiter gesunken und wir können immer mehr Straftaten aufklären", sagte Generaldirektorin Michaela Kardeis. "Die Kriminalitätsformen, die uns in den letzten Jahrzehnten beschäftigt haben, beispielsweise Wohnraumeinbrüche, Kfz-Diebstähle und Gewaltdelikte, sind weniger geworden. Aber es gibt weiterhin viel zu tun, denn die Kriminalität im Internet und im Bereich der Wirtschaft ist weiter angestiegen."

Weniger Einbrüche und Autodiebstähle

2017 ist die Gesamtzahl aller Anzeigen um 5,1 Prozent auf 510.536 gesunken, während die Aufklärungsquote um 4,2 Prozentpunkte auf 50,1 Prozent steigen konnte.

Es wurden um neun Prozent (11.802) weniger Einbrüche angezeigt und auch Kfz-Diebstähle verzeichneten mit 2.658 Anzeigen den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre (2008: 8.622). Einbrüche (über 81 Prozent) und Fahrzeugdiebstähle (über 71 Prozent) wurden überwiegend von fremden Tatverdächtigen begangen.

Auch die Gewaltdelikte sind um 2,4 Prozent leicht rückläufig (42.079 Anzeigen). Aber: Im vergangenen Jahr musste das Bundeskriminalamt 54 vollendete Tötungsdelikte (nach §§ 75, 76, 79 StGB) registrieren – 49 davon sind aus polizeilicher Sicht geklärt. 2016 waren es nur 46 tödliche Bluttaten gewesen.

Messerattacken nehmen zu

Konstant hoch blieb der Beziehungsstatus bei Gewaltdelikten: Bei zwei Drittel der Taten kennen sich Täter und Opfer. Auffällig ist der enorme Anstieg von Hieb- und Stichwaffenverwendung bei Gewaltdelikten. Die Zahl der Anzeigen hat von 272 im Jahr 2008 auf 1.060 Anzeigen im Jahr 2017 beinahe vervierfacht. Bei den Tatverdächtigen liegen die fremden (635) vor den inländischen (516).

Delikte verschieben sich ins Internet

Die zukünftig größte Herausforderung für die Polizei stellen Delikte dar, die im Internet passieren. "Hier muss die Polizei mit dem gesellschaftlichen Trend auf Augenhöhe gehen und Antworten geben können", sagte der Innenminister. Die Zahlen zeigten 2017 einen erneuten Anstieg der Internetkriminalität von 28,3 Prozent auf 16.804 Anzeigen (2016: 13.103).

Neben IT-Delikten wie Hacking oder Datenmissbrauch stiegen auch der Internetbetrug, Cybermobbing und Kinderpornographie. Beim Internetbetrug wurden 2017 über 2.000 Delikte mehr angezeigt als 2016. Das bedeutet einen Anstieg innerhalb eines Jahres um 21,6 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt derzeit bei 39 Prozent. Auch der Betrug mit Kreditkarten ist 2017 wieder stark in Mode um 27,5 Prozent auf 2.015 Anzeigen angewachsen. Im Bereich der Wirtschaftskriminalität wurde ein Anstieg um 2,6 Prozent auf 55.308 Anzeigen verzeichnet. (red)

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