Im Viertel al-Bustan im Stadtteil Silwan von Ostjerusalem reißen israelische Behörden zunehmend palästinensische Häuser ab. Seit Ende 2023 wurden dort bereits 59 Gebäude zerstört. Viele Bewohner sehen sich damit ihrer Existenzgrundlage beraubt.
Fayez Awad, dessen Haus betroffen ist, beschreibt die Auswirkungen drastisch: "Es gibt keine Zukunft. Sie haben die Zukunft und alles andere zerstört." Er berichtet, dass er und seine Familie ihr ganzes Leben am Haus gearbeitet hätten, nun aber wieder bei null anfangen müssten.
Der internationale Fokus ist derzeit stark auf die Kriege im Gazastreifen, im Iran und im Libanon gerichtet, was die Situation in Jerusalem in den Hintergrund geraten lässt. Unterdessen beschleunigen israelische Gerichte die Durchsetzung von Abrissanordnungen, während viele Palästinenser kaum Chancen auf Baugenehmigungen haben.
Die Jerusalemer Stadtverwaltung verfolgt seit rund 20 Jahren Pläne, das Gebiet von al-Bustan in einen biblisch inspirierten Park, den sogenannten King's Garden, umzuwandeln. Dieser soll von einer jüdischen Siedlerorganisation betrieben werden. Die betroffenen Bewohner betonen, dass ihre eigenen Vorschläge für alternative Baupläne abgelehnt wurden.
Unter Berufung auf die israelische Menschenrechtsorganisation Bimkom erhalten Palästinenser nur schwer Baugenehmigungen: So waren 2025 lediglich sieben Prozent der Neubauten für palästinensische Bewohner vorgesehen, obwohl diese etwa 40 Prozent der Stadtbevölkerung stellen.
Viele Familien entscheiden sich dafür, ihre Häuser selbst abzureißen, um hohe Bußgelder und Abrisskosten zu vermeiden, die sonst von der Stadt verlangt werden. Laut dem lokalen Aktivisten Fakhri Abu Diab stehen weitere Abrisse bevor. Er berichtet von wachsenden Sorgen und fehlender internationaler Unterstützung.
Internationale Organisationen wie die UNO und die EU zeigen sich besorgt. Laut der UNO sind etwa 200 palästinensische Haushalte von laufenden Räumungsverfahren betroffen. Die EU bezeichnete die Lage in Ostjerusalem zuletzt als "bedrohlich" und sprach sich gegen Israels Siedlungspolitik aus.
Laut Aktivisten und NGOs wie Ir Amim wird durch neue Landregistrierungen und Bauprojekte zusätzlich Druck auf palästinensische Bewohner ausgeübt. Die israelische Regierung fördere einen Kurs, der palästinensische Rechte weiter einschränke.
Bei einem Besuch von Diplomaten in al-Bustan forderten lokale Palästinenser mehr Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Besonders ältere Bewohner wie die 97-jährige Yusra Qweider, die bereits mehrfach vertrieben wurde, machen ihre Verzweiflung deutlich: "Sie wollen uns hier vertreiben. Ich bin krank und kann nicht gehen. Wir zählen auf Gott."